ReformZeit klar

Der den Bisam jagt

Job-Börse vermittelt Forstwirt als amtlichen Bisamjäger


Dirk Gunkel  
Für die Jagd bleibt Bisamjäger Dierk Gunkel nicht viel Zeit. Vielmehr koordiniert er die rund 150 Privatfänger, führt Statistiken über die Population des fortpflanzungsfreudigen Nagers und berät Verbände und Kommunen.

Sie sind deutlich größer als eine Wanderratte, leben ähnlich wie Biber in oder am Wasser und richten jährlich Schäden in Millionenhöhe an: Die nordamerikanische Bisamratte hat sich in ganz Europa verbreitet. Sie lebt am Wasser und unterhöhlt für den Hochwasserschutz wichtige Einrichtungen wie Deiche, Wehre oder Uferanlagen. Ein Problem für Niedersachsen, das deswegen den Bisam systematisch bekämpft und amtliche Bisamjäger einsetzt. Seit dem 1. August 2006 ist der ehemalige Forstwirt Dierk Gunkel einer von sechs Bisamjägern des Landes. Vermittelt wurde er von der Job-Börse.

"Meine Kollegen in der Försterei haben dann doch erstmal gelacht", erinnert sich Dierk Gunkel. Bisamjäger – da stellt man sich zunächst einen Fallensteller vor, der hauptsächlich in der freien Natur den Tieren nachgeht. Aber der neue Berufsalltag für den Jobwechsler sieht anders aus: "Hauptsächlich betreue ich die 150 Privatfänger in meinem Dienstgebiet, denen die Hauptarbeit bei der Bekämpfung zufällt." Nach einer Sachkundeausbildung durch den amtlichen Bisamjäger werden die Privatfänger vom Unterhaltungsverband mit entsprechenden zugelassenen Fallen ausgestattet. Ein so genannter Pickschutz verhindert, dass Fallen versehentlich von Vögeln ausgelöst werden. Pro Bisam zahlen Unterhaltungsverbände oder auch Kommunen eine Fangprämie von 3 bis 5 Euro; eine Aufwandsentschädigung, mehr nicht. Etwa 200.000 Tiere werden jährlich in Niedersachsen gefangen – das ist ein Viertel aller in Europa gefangenen Bisams –, aber trotzdem sind die Schäden, die der kleine, fruchtbare Pflanzenfresser anrichten kann, groß. Gut 1,6 Millionen Euro müssen die Verbände, die für Deiche und Wasserschutzbauwerke zuständig sind, jährlich aufwenden, um Absackungen aufzufüllen, Ufer erneut zu befestigen oder unterhöhlte Deiche bisamsicher zu machen. Bei Deichen kommen teilweise glasfaserverstärkte Gummimatten, verzinkte Wellengitter und Edelstahl-Lochplattenprofile zum Einsatz.

Die Landwirtschaftskammer geht davon aus, dass die Bisam-Population infolge der systematischen Bekämpfung deutlich unter der tragbaren Dichte gehalten wird. Selbst im Berner Abkommen für Artenschutz wird ausdrücklich die totale Bekämpfung des Bisams gefordert. Für einzelne Tierschützer bleibt die Bisambekämpfung trotzdem ein rotes Tuch; der Einwanderer habe sich eben seine eigene ökologische Nische erobert, so die Argumentation. Dierk Gunkel hält dem entgegen, dass natürliche Feinde hierzulande selten seien und der vorbeugende Schutz vor Hochwasser existenziell wichtig sei. Das Land Niedersachsen, in diesem Fall das Umweltministerium, finanziert die Stelle von Dierk Gunkel für die nächsten fünf Jahre. Der 37-Jährige hofft, dass er auch danach noch als Bisamjäger arbeiten kann, wenngleich er sich auf seiner alten Stelle in der Revierförsterei Bursfelde sehr wohl gefühlt hat: "Die Arbeit jetzt ist sehr eigenständig, ich muss mich komplett selbst organisieren und erstmal mein Homeoffice aufbauen", sagt Gunkel. Das eigenständige Arbeiten und die Tatsache, nach 20 Jahren im Forstdienst etwas anderes machen zu können, hätten ihn besonders gereizt. Zu verlieren hat der ehemalige Forstwirt nichts. Sollte er wider Erwarten doch nicht mit dem Wechsel zufrieden sein, kann er an seine alte Dienststelle zurückkehren. Diese Option steht ihm im Rahmen der Vermittlung über die Job-Börse zu.

Doch jetzt muss er erstmal ein Gebiet betreuen, das von Südniedersachsen über Braunschweig bis nach Nienburg reicht. Die Privatfänger liefern Dierk Gunkel die Grunddaten, die nötig sind, um die Population statistisch überwachen zu können. "Ein Bisamjäger hat viel Papierkram zu erledigen", so Gunkel. Dazu kommen Schaufahrten, zu denen er von den 25 zu betreuenden Unterhaltungsverbänden eingeladen wird, das Erproben neuer Fallentypen und die Beratung von Verbänden und Behörden, wenn in ihrem Gebiet ein starker Befall festgestellt wird. Dierk Gunkels neue Dienststelle, die Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Oldenburg, stellte das Büro-Equipment samt nötigem Dienstwagen zur Verfügung. Die Zusammenarbeit mit der Job-Börse beurteilt Tim Eiler, der neue Vorgesetzte von Dierk Gunkel, als sehr gut und reibungslos: "Wir haben genau den passenden Bewerber für die Stelle gefunden."

Von Birgit Freudenthal / RZ 3_2006 / Oktober 2006

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln