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Mehr Familienfreundlichkeit durch Telearbeit

Dienststellen entdecken die Vorteile von Telearbeit im Rahmen einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Die Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsort ist ein wichtiges Instrument, um den Beschäftigten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern. Immer mehr Behörden richten daher im Rahmen des "audit berufundfamilie" Telearbeitsplätze ein. So auch bei der GLL Otterndorf und der TU Braunschweig.

Kinderbetreuung TU Braunschweig

In Kooperation mit dem Studentenwerk gibt es an der TU Braunschweig ein Betreuungsangebot für Kinder unter drei Jahren. Seit dem 1. April 2008 wird zudem eine flexible Nachmittagsbetreuung für ein- bis zehnjährige Kinder von studierenden Eltern und Beschäftigten der TU angeboten.

GLL Otterndorf:

"Belastungen herunterfahren”

Im Februar 2008 erhielt die Behörde für Geoinformation, Landentwicklung und Liegenschaften (GLL) Otterndorf das Grundzertifikat des audit berufundfamilie der Hertie-Stiftung. Eine Steuerungsgruppe hat nun verschiedene Handlungsfelder mit ca. 100 Einzelmaßnahmen identifiziert, die zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie beitragen sollen, darunter auch die Einführung von Telearbeit.

Die GLL Otterndorf wurde am 1. Januar 2005 gegründet und vereint die Katasterämter an den Standorten Otterndorf, Wesermünde, Stade und Osterholz-Scharmbeck sowie das Amt für Landentwicklung in Bremerhaven unter einem Dach. Etwa 225 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bei der GLL beschäftigt, etwa 40 Prozent davon sind Frauen.

"Durch die Teilnahme am audit berufundfamilie möchten wir die Zufriedenheit und Motivation der Beschäftigten steigern und dadurch auch die Bindung an unser Haus erhöhen”, sagt Behördenleiter Ulrich Koth. Noch immer sei gerade bei Personen mit kleinen Kindern die Zusatzbelastung durch die Vereinbarkeit von familiären und beruflichen Anforderungen recht groß. "Diese Belastung wollen wir herunterfahren”, so der Behördenleiter. Flexible Arbeitszeiten ohne Kernarbeitszeit oder zahlreiche individuelle Teilzeitmodelle gibt es daher heute schon. Die Einführung eines Langzeitkontos zur lebensphasenorientierten Arbeitszeitgestaltung, die Einrichtung eines Eltern-Kind-Zimmers an jedem Dienstort sowie Telearbeit gehören zu den Maßnahmen, die derzeit umgesetzt werden.

Nach extern begleiteten Informationsveranstaltungen haben sich die ersten interessierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemeldet. Um Ostern 2009 sollen dann zehn Telearbeitsplätze eingerichtet sein, an jedem Dienstort zunächst zwei, um erste Erfahrungen zu sammeln. Behördenleiter Ulrich Koth ist schon heute vom Erfolg überzeugt, da "die Einführung von den Kolleginnen und Kollegen mitgetragen wird.”

TU Braunschweig:

Familiengerechte Arbeits- und Studienbedingungen

Hochschulen stehen längst im Wettbewerb um kluge Köpfe und müssen Studierenden wie Beschäftigten daher gute Studien- und Arbeitsbedingungen bieten. Ein strategischer Vorteil kann es da sein, mehr Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie mit Beruf bzw. Studium zu bieten. Denn mit familiär bedingten Studienabbrüchen, langen Studienzeiten oder dem Verlust von qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Wissenschaft und Verwaltung in der Familienphase ist weder der Hochschule und deren Beschäftigten noch den Studierenden gedient. Daher entschloss sich das Präsidium der TU Braunschweig im Herbst 2006 zur Durchführung des speziell auf Hochschulen zugeschnittenen audit familiengerechte hochschule und erhielt im März 2007 das Grundzertifikat.

Der Familienbegriff der Hochschule ist dabei weit gefasst: "Wir verstehen Familie als soziales Netzwerk, in dem langfristig soziale Verantwortung übernommen wird”, erläutert die Gleichstellungsbeauftragte der TU, Brigitte Doetsch. "Zur Familie zählen somit neben Kindern und Eltern auch Lebenspartnerschaften oder andere persönliche Beziehungen, die einen Konflikt zwischen persönlichen, beruflichen und Studienanforderungen hervorrufen können.” Ausdrücklich wird neben der Erziehung von Kindern auch die Kranken- und Seniorenbetreuung ebenso wie Sterbebegleitung als Familienarbeit gewertet.

Zur Verwirklichung familiengerechter Studien- und Arbeitsbedingungen wurden zunächst zwei extern moderierte Workshops durchgeführt. Beteiligt waren daran neben TU Präsident Prof. Dr. Jürgen Hesselbach weitere Mitglieder der Hochschulleitung und der Personalvertretung, die Gleichstellungsbeauftragte, Studierende mit Kindern, Verwaltungsbeschäftigte, Angestellte im technischen Dienst sowie der Leiter des Studentenwerks. Zu den beschlossenen Maßnahmen, die bis zur erneuten Zertifizierung im Jahre 2010 umgesetzt werden sollen, gehören unter anderem die Ausweitung der Betreuung für Kinder unter drei Jahren, das Angebot zum Teilzeitstudium, die Einführung einer systematischen Personalentwicklung, die Förderung von Führungskompetenzen sowie die Einführung von Telearbeit. "Institutionen wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) oder der Wissenschaftsrat weisen verstärkt darauf hin, wie wichtig die Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsort ist, wenn die Vereinbarkeit von Elternschaft und Wissenschaft verbessert werden soll”, sagt Brigitte Doetsch. "Daher haben wir Telearbeit explizit ins Audit aufgenommen.”

Von den rund 3.000 Beschäftigten werden bis zu 15 Interessierte ausgewählt, die ab März nächsten Jahres in Telearbeit gehen werden. Nach einem halben Jahr soll bereits die erste Evaluationsstufe erfolgen, nach weiteren sechs Monaten die zweite. Wenn alles so läuft wie geplant, wird Telearbeit an der TU Braunschweig anschließend als Regelarbeitsform möglich sein. So sieht es jedenfalls das Umsetzungskonzept vor, auch wenn noch nicht klar ist, wie viele Telearbeitsplätze letztendlich eingerichtet werden können. Die Gleichstellungsbeauftragte Doetsch freut sich, dass es jetzt losgeht und "das Pilotprojekt von der Hochschulleitung uneingeschränkt unterstützt wird”.

Heinke Liere

ReformZeit 4 / Dezember 2008

MI wirbt für Telearbeit - Internetauftritt um "Community" erweitert

Im November hat das Innenministerium Vertreterinnen und Vertreter von Dienststellen dazu eingeladen, sich in einer von vier regionalen Info-Veranstaltungen über Telearbeit in der niedersächsischen Landesverwaltung zu informieren.

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