ReformZeit Niedersachen klar Logo

„Das Entscheidende sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter”

Innenstaatssekretärin Dr. Sandra von Klaeden spricht über die Herausforderungen der Zukunft


Dr. Sandra von Klaeden
Innenstaatssekretärin Dr. Sandra von Klaeden

Seit dem 24. März 2010 ist Dr. Sandra von Klaeden Staatssekretärin im Ministerium für Inneres und Sport. Nach ihrem Studium an der Leibniz Universität Hannover hätte die promovierte Volljuristin eine wissenschaftliche Karriere beginnen können, entschied sich dann aber für die Politik. Bevor sie 2003 mit Uwe Schünemann ins Innenministerium wechselte, war von Klaeden in unterschiedlichen Stabs- und Linienfunktionen im Niedersächsischen Landtag tätig, unter anderem als wissenschaftliche Referentin für die CDU-Fraktion und als Büroleiterin beim damaligen Fraktionsvorsitzenden Christian Wulff.

Dr. Sandra von Klaeden lebt in Hannover und Berlin. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten mit ihrem Mann beim Wandern oder Ski fahren. Mit ReformZeit sprach die 41-Jährige über ihre Arbeit, die Verwaltung der Zukunft und ihre persönlichen Stärken.

ReformZeit: Frau Staatssekretärin Dr. von Klaeden, das Innenministerium ist für viele wichtige Themen verantwortlich, für ausländerrechtliche Fragen, Kommunales oder Polizei genauso wie für die ressortübergreifende Personalentwicklung und die Verwaltungsmodernisierung. Wo möchten Sie inhaltliche Schwerpunkte bei Ihrer Arbeit setzen?

Staatssekretärin Dr. Sandra von Klaeden: Als Amtschefin des Hauses fühle ich mich für alle Bereiche in gleichem Maße verantwortlich. Schwerpunkte liegen jeweils bei den Themen, die wir inhaltlich vorantreiben wollen, und bei den Anfragen, die von außen kommen und das politische Tagesgeschäft bestimmen. Wichtige Kernthemen sind und bleiben die Innere Sicherheit, der Bereich des Ausländerrechts und – ganz wesentlich – die kommunalen Aufgabenstellungen. Dort bestimmen zurzeit große Projekte wie der Zukunftsvertrag die politische Agenda. Unser vordringlichstes Ziel ist, diese Themen jetzt trotz der durch die Einsparvorgaben bestimmten Rahmenbedingungen weiter voranzubringen.

ReformZeit: Ihr Vorgänger, Wolfgang Meyerding, war in Doppelfunktion auch Sonderstaatssekretär für Verwaltungsmodernisierung. Hat die Verwaltungsmodernisierung inzwischen ihren Stellenwert verloren?

von Klaeden: Die Doppelfunktion war seinerzeit in der Leitung der Stabsstelle begründet. Wir sind aktuell mitten in der dritten Phase der Verwaltungsmodernisierung. Der Stellenwert hat sich aber insofern weiterentwickelt, als dass Verwaltungsmodernisierung zunehmend zu einer Daueraufgabe wird.

Die 2003 beschlossene Abschaffung der Mittelinstanz war ein unglaublich großes, ambitioniertes Projekt. Es hat gut funktioniert, aber man macht es eben nur einmal. Wir haben die Verwaltung damit bereits enorm verschlankt; und auch wenn es sicherlich weitere strukturelle Veränderungen geben wird, müssen wir an anderer Stelle kreativ sein. Die Rahmenbedingungen stehen fest: Da ist der demografische Wandel, auf den die Verwaltung reagieren muss, da sind die knapper werdenden Haushalte, die wir nur mit einer schlanken, leistungsstark und effizient arbeitenden Verwaltung bewältigen können, und da ist der technische Fortschritt, der die Arbeit ja schon in den vergangenen 20 Jahren stark verändert hat. Verwaltungsmodernisierung ist daher heute wie in Zukunft ein wesentliches Instrument, um die Qualität der Verwaltung zu erhalten. Die Organisationsform ist dabei nicht das Entscheidende.

ReformZeit: Wie stellen Sie sich die niedersächsische Landesverwaltung in zehn, zwanzig Jahren vor?

von Klaeden: Das Entscheidende sind diejenigen, die die Verwaltung ausmachen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie müssen auch in Zukunft so engagiert und kompetent, aber auch effizient arbeiten wie heute. Das bedeutet auch, sie dazu zu befähigen, die Veränderungen mitgehen zu können. Hinsichtlich des demografischen Wandels ist es kein Geheimnis, dass die Verwaltung künftig in größerer Konkurrenz zu anderen Arbeitgebern stehen wird. Zurzeit können wir auf eine Vielzahl exzellenter Bewerberinnen und Bewerber zurückgreifen. In Zukunft aber werden wir uns verstärkt als attraktiver Arbeitgeber präsentieren müssen, um die besten Köpfe zu gewinnen.

ReformZeit: Nun sind Sie in einer besonders schwierigen Situation Staatssekretärin geworden. Fest steht, dass das Land 2011 trotz höherer Neuverschuldung insgesamt 1,3 Milliarden Euro einsparen muss und die pauschale Kürzung der Ressortbudgets um zwei Prozent bei Weitem nicht ausreicht. Dabei bedeutet schon das für das Innenministerium eine Einsparung in Höhe von ca. 34 Millionen Euro. Können Sie uns schon sagen, in welchen Bereichen oder bei welchen Leistungen gespart werden kann? Sind davon auch Maßnahmen der Personal- und Organisationsentwicklung wie Gesundheitsmanagement betroffen?

von Klaeden: Natürlich gibt es zu den Einsparungen Überlegungen, entschieden wird aber erst in der Kabinettsklausur Anfang August. In Bezug auf die Personalentwicklung steht jedoch fest, dass sie hier im Haus einen hohen Stellenwert hat und ein wichtiger Schwerpunkt bleiben wird. Das ist auch noch einmal dadurch deutlich geworden, dass wir die ressortübergreifende Personalentwicklung jetzt im Personalreferat angesiedelt haben. Das bedeutet allerdings nicht, dass es dort keine finanziellen Abstriche geben wird. Gleiches gilt für das Gesundheitsmanagement. Auch das wird vermutlich nicht in unveränderter Form weitergeführt werden können, wobei das ganzheitliche Gesundheitsmanagement perspektivisch immer ein Bereich bleiben wird, der gefördert wird.

ReformZeit: Ende April ist die Abteilung Integration im Sozialministerium angesiedelt worden. Vereinfacht das die Aufgabe des Innenministeriums, das bislang einerseits für Integration warb, andererseits aber für ausländerrechtliche Fragen wie Asylrecht, Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen und Abschiebungen zuständig ist?

von Klaeden: Man könnte es auch andersherum interpretieren, dass es sich um zwei Themenfelder handelt, die sehr gut zusammenpassen. Im Bereich des Ausländerrechts geht es um die Frage, unter welchen Voraussetzungen Menschen hier leben dürfen – mit den entsprechenden Konsequenzen, wenn sie diese Voraussetzungen nicht erfüllen. Das ist quasi der erste Schritt. Der Bereich der Integration kümmert sich dann um diejenigen, die den rechtmäßigen Aufenthalt bereits erlangt haben und nun bestmöglich gefördert werden sollen, um sich hier zu integrieren. Insofern sind das thematisch zwei Felder, die ineinandergreifen müssen. Und das werden sie auch künftig über die Ressortgrenzen hinweg tun.

ReformZeit: Welchen Stellenwert hat für Sie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie?

von Klaeden: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist notwendig, weil wir es als Verwaltung schaffen müssen, die gut qualifizierten Männer und Frauen, die sich eine Zeit lang stärker für die Familie engagieren möchten, weiterhin an uns zu binden und deren Kompetenz zu erhalten. So haben wir zum Beispiel die unterhälftige Teilzeitbeschäftigung ermöglicht, es gibt Telearbeit usw. Im Einzelfall muss man dabei sicherlich kreativ sein und auch individuelle Lösungen finden. So sind für mich auch Teilzeitmodelle in Führungspositionen denkbar, für Männer wie für Frauen. Das Innenministerium hat vor gut einem Jahr das Zertifikat „audit berufundfamilie“ erhalten, ein Zeichen dafür, dass wir uns aktiv für eine bessere Balance von Beruf und Familie einsetzen.

ReformZeit: Im Gegensatz zu den Ressorts für Gesundheit oder Familie ist das Innenressort eine eher männliche Domäne. Spüren Sie das bei Ihrer Arbeit?

von Klaeden: Nein, absolut nicht. Ich persönlich kann aber auch mit der Einteilung von Themen in männliche oder weibliche nichts anfangen. Die Sache muss im Vordergrund stehen. Aber Sie haben vielleicht insofern Recht, als dass es bei den Innenstaatssekretären der Länder nur zwei Frauen gibt und keine einzige Innenministerin.

Wo man jedoch allgemein hinschauen muss, ist der nach wie vor geringe Anteil von Frauen in Führungspositionen. Gibt es da eventuell Strukturen oder Bedingungen, die den Aufstieg verhindern und daher verändert werden müssen? Bei den Einstellungen stellen wir in der Regel fest, dass Frauen überproportional gut qualifiziert sind, was sich dann eigentlich auch in den Karrieren widerspiegeln sollte. Das ist sicherlich eine wichtige Aufgabe des Personalmanagements und der Personalentwicklung.

ReformZeit: Als Staatssekretärin stehen Sie an der Schnittstelle von Politik und Verwaltung. Was möchten Sie innerhalb der Organisation verändern oder für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verbessern?

von Klaeden: Ich möchte eigentlich an das anknüpfen, was ich hier im Haus vorgefunden habe, nämlich hochkompetente und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die auch unter manchmal enormem Zeitdruck hervorragende Arbeit leisten. Diese Motivation und Identifikation mit der täglichen Arbeit gilt es jetzt trotz aller äußeren Zwänge und Sparmaßnahmen zu erhalten und zu fördern.

ReformZeit: Was wünschen Sie sich von Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern?

von Klaeden: Ich wünsche mir weiterhin ein vertrauensvolles und konstruktiv kritisches Miteinander, bei dem alle engagiert an einem gemeinsamen Ziel arbeiten. Als Hausspitze ist mir wichtig, die Wertschätzung für die geleistete Arbeit zum Ausdruck zu bringen, und ich wünsche mir, dass ich immer offen bleibe und die Möglichkeit zu einem konstruktiven Dialog von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch angenommen wird.

ReformZeit: Wo sehen Sie Ihre Stärken?

von Klaeden: Zielstrebig und engagiert in der Sache trifft sicherlich zu. Mir macht es Spaß, Dinge zu gestalten und gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern um die beste Lösung zu ringen. Ich kann mich durchsetzen und Entscheidungen treffen, aber ich versuche immer, die Beweggründe für eine Entscheidung so zu vermitteln, dass sie nachvollziehbar ist und mitgetragen werden kann. Dabei bin ich aber ein fröhlicher Mensch und möchte mir trotz der manchmal schwierigen Aufgaben eine gewisse Leichtigkeit bewahren.

Heinke Liere
ReformZeit 2 / Juni 2010

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln