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Die Wünsche des Kunden erfüllen

Beim zentralen Einkauf achtet das LZN auf Preis und Qualität


Reformzeit
Die Zahlen sprechen für sich: Rund 50.000 Kunden bedient das Logistikzentrum Niedersachsen, rund 22.000 Artikel können derzeit online bestellt werden, künftig soll das Angebot auf 100.000 Artikel ausgeweitet werden.

Batterien, Hubschrauber, Strohhüte – der Landesbetrieb Logistikzentrum Niedersachsen macht’s möglich. Das LZN organisiert die zentrale Beschaffung und Verteilung für die gesamte niedersächsische Landesverwaltung und weitere Kunden des öffentlichen Dienstes betriebswirtschaftlich nach Art eines Versandhauses.

Büroartikel, Reinigungsmittel oder Werkzeuge werden direkt vom Lieferanten an die einzelnen Dienststellen geliefert, für die Dienst- und Schutzkleidung der Polizei oder Forstverwaltungen sowie der Justiz ist das Verteilzentrum des Hauptstandortes in Hannoversch Münden zuständig. Die Lagerhalle erscheint mit 1.260 qm riesig – und das muss sie auch sein, denn das Logistikzentrum, im südlichsten Zipfel des Landes gelegen, hat insgesamt 50.000 Kunden.

Das Kerngeschäft in Hann. Münden bildet die Ausstattung der Polizeibeamten in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Bremen und Hamburg mit Uniformen und allem, was der Polizist und die Polizistin so brauchen. Von der Handschelle bis zur kugelsicheren Weste. Dreimonatsbestand ist Sollziel. "In den hauptsächlich angefragten Größen klappt das auch gut”, sagt Gerhard Blackert, zuständig für den Bereich Logistik. Nur zwei Tage brauche der bestellte Artikel, bis er beim Kunden ist, vorausgesetzt, er befindet sich in einem der unzähligen Kommissionsregale der Halle. Und die machen einen ziemlich unaufgeräumten Eindruck, wie mal eine Teilnehmerin einer Führung gegenüber dem Logistikleiter anmerkte. "Da würde ich aber mal klar Schiff machen und alles zueinanderordnen”, meinte die ältere Dame. Doch dass ganz verschiedene Dinge nebeneinanderliegen und nicht zum Beispiel alle Mützen in drei Größen hat einen Sinn, wie Gerhard Blackert erklärt: "Dadurch beugen wir so genannten Pickfehlern vor.” Der jeweilige Mitarbeiter geht normalerweise mit einer Pickliste durch die Gänge und holt sich hier und da das Benötigte heraus. Liegen zwei gleichartige Teile nebeneinander, so könne er sich schneller vertun – schon droht eine Reklamation vom Kunden. Aus demselben Grund werden die Liegeplätze der Artikel auch mal verändert, das fördert die Konzentration beim "picken”. "Wir haben eben ein lebendes System”, meint Gerhard Blackert.

Ist alles beisammen, kommt der Auftrag zur Verpackungsstation. Hier stehen die Mitarbeiter auf flexiblen Gummimatten, der Packtisch lässt sich Rücken schonend verstellen. "Wir wechseln uns in den Tätigkeiten ab”, sagt Ralf Kriegs. Der gelernte Einzelhandelskaufmann packt heute nur wenige Stunden Pakete zusammen, danach stellt er zum Beispiel auf den dafür vorgesehenen Wagen die Aufträge zusammen oder räumt Ware nach. Das hilft, einseitige Arbeitsbelastungen weitgehend zu vermeiden. 500 bis 900 kleine oder große Pakete werden so täglich versandfertig gemacht und vom Versender DHL abgeholt. Trotz der 67 Meter langen Halle platzt die Lagerhaltung aus allen Nähten, man braucht dringend mehr Platz, wie auch ein Rundgang über das Betriebsgelände zeigt: die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind auf verschiedene Gebäude wie Baracken und Bürocontainer verteilt.

Das Hauptgebäude des LZN in Hannoversch Münden ist ursprünglich für 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgelegt. Um die Arbeit auch künftig möglichst rasch erledigen zu können, wird ein Personalbestand von 80 Leuten angestrebt. Zudem ist im Februar nächsten Jahres ein Anbau geplant, für den Mittel aus dem Konjunkturpaket bereitgestellt werden.

Eine wichtige Rolle beim zentralen Einkauf spielt der Preis. Aber er ist nicht alles. Entscheidend ist, ein vernünftiges Preis-Leistungsverhältnis herzustellen. Außerdem kommt es zum Beispiel bei Büroartikeln auch auf den Arbeitsplatz an: "Wenn bei viel Publikumsverkehr die Kugelschreiber regelmäßig ,entschwinden‘, müssen es nicht gerade die teuersten sein”, erläutert Vertriebsleiter Hans-Joachim Scherneck. Einem Sachbearbeiter hingegen helfe ein Stift, der nach kurzer Zeit abgenutzt sei, nicht besonders viel. Auf den Kunden komme es an, seine Wünsche, auch Sonderwünsche, sollen so gut wie möglich erfüllt werden. Deshalb achtet man bei den Stoffen sehr auf Qualität, die von zwei Bekleidungsingenieurinnen regelmäßig überprüft wird. Dabei ist der Ökotex-100-Standard Richtschnur, aber auch Scheuerfestigkeit und Farbechtheit oder bei Socken die Haltbarkeit des "Gestricken”.

Auch auf Sozialstandards achtet man und lässt sie sich von den Lieferanten bescheinigen. Die Bestellungen der so genannten "bestellberechtigten Personen” kommen übrigens wie bei jedem Versandhaus auf verschiedenen Wegen beim LZN an: "Unser Webshop wird gern von Kollegen während der Nachtschichten besucht”, erklärt Vertriebsleiter Scherneck. Momentan können 22.000 Artikel online bestellt werden, geplant seien 100.000. Im Callcenter, das mit sechs Plätzen ausgestattet ist, gehen weitere Bestellungen ein. Der telefonische Bestellservice wird hauptsächlich von denen genutzt, die Nachfragen zum Auftrag haben oder die den persönlichen Kontakt schätzen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Callcenter sichern die telefonische Erreichbarkeit von 7 bis 18 Uhr im Zweischichtsystem. Und wie bei jedem Versandhaus gibt es auch beim LZN Retouren, sei es, dass die Hose zu klein ist oder die Schuhe nicht passen. "Schuhe werden oft zurückgeschickt”, weiß Angelika Salten, die an ihrem Arbeitsplatz in einem Bürocontainer Reklamationen bearbeitet. Oft kämen Anfragen, ob es möglich sei, die Schuhe in zwei Größen zur Auswahl zu schicken. "Das können wir aufgrund der begrenzten Lagerkapazität nicht”, sagt Salten. Außerdem wäre dann ein Teil der Einspareffekte, die der zentrale Einkauf ermöglicht, schon wieder verpufft.

Weitere Infos unter www.lzn.niedersachsen.de

Birgit Freudenthal
ReformZeit 2 / Juni 2009

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