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Wie viel Telearbeit verträgt eine Dienststelle?

SLA befragt Kolleginnen und Kollegen nach den Grenzen eines weiteren Ausbaus


Reformzeit
Die Arbeitsgruppe Telearbeit des SLA hat die Einführung der Arbeitsform von Beginn an begleitet.

Schon 2002 führte das Servicezentrum Landentwicklung und Agrarförderung (SLA) als Pilotprojekt Telearbeit ein. Zunächst wurde die neue Arbeitsform mit fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zwei Jahre lang getestet. Mittlerweile arbeiten 26 der rund 125 Beschäftigten teilweise zu Hause, und vier weitere Bewerbungen liegen bereits vor. Doch wie viel Telearbeit verträgt eine Dienststelle? Um das herauszufinden, führte das SLA eine Selbstevaluation durch.

Die häufig genannten Vorteile von Telearbeit zeigten sich auch beim SLA schon während der zweijährigen Erprobungsphase: die Möglichkeit, zu Hause konzentrierter arbeiten zu können, die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Bindung qualifizierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Behörde, die Reduzierung von Fahrtzeiten und -kosten usw. usf. Daher wird Telearbeit im SLA seitdem grundsätzlich als eine mögliche Arbeitsform angeboten, und zwar unbefristet, sofern nicht organisatorische Änderungen erfolgen. Es gibt zwei Bewerbungstermine im Jahr, sodass sich jeder gut und ohne Zeitdruck überlegen kann, ob diese Arbeitsform etwas für ihn wäre. Die Anwesenheitstage werden mit den Teamkollegen abgestimmt und bei Bedarf flexibel gehandhabt. Damit die soziale Bindung an die Dienststelle nicht leidet, werden Veranstaltungen und Termine, die alle Beschäftigten betreffen, heute viel eher bekannt gegeben als früher.

In erster Linie ist das SLA mit der Anwendungsentwicklung befasst. Um einen Auftrag zu bearbeiten, finden sich in aller Regel Projektteams dezernatsübergreifend zusammen. Der Abstimmungsbedarf untereinander ist dementsprechend hoch. "Telearbeit im SLA bedeutet also nicht, komplette Akten zu Hause abzuarbeiten, sondern die einzelnen Arbeitspakete müssen präzise beschrieben und koordiniert werden", sagt Jens Mennecke, der als Koordinator die Leitung des SLA wahrnimmt. Davon profitiere aber auch die Dienststelle, denn ein kritischer Blick auf die Geschäftsprozesse habe schon so manche Verbesserungsmöglichkeit offenbart, die im täglichen Betrieb nicht bemerkt worden war.

"Die stetig steigende Zahl der Telearbeitenden führte jedoch dazu, dass manche Kollegen oder Dezernatsleiter befürchteten, eine grenzenlose Ausweitung von Telearbeit könne sich irgendwann negativ auf den Gesamtbetrieb auswirken", sagt Uwe Eike, stellvertretender Dezernatsleiter und Telemanager. Um die Vorbehalte genauer fassen zu können, beschloss das SLA im Spätsommer letzten Jahres eine Selbstevaluation durchzuführen, bei der die Telearbeitenden alle Dezernatsleiter, die meisten Telemanager sowie Kolleginnen und Kollegen befragten. Entwickelt hat den Fragebogen die hausinterne Arbeitsgruppe, in der alle Interessenvertretungen eingebunden sind. Sie hat die Einführung der Arbeitsform von Beginn an begleitet und hat den Auftrag, das Konzept kontinuierlich weiterzuentwickeln. "Zwar haben wir die Evaluation hausintern durchgeführt, aber Kritiker wurden dabei keineswegs außen vor gelassen", betont Uwe Eike. "Im Ergebnis überwiegt auf jeder hierarchischen Ebene eine positive Grundstimmung, aber es wurden auch Rahmenbedingungen für einen weiteren Ausbau von Telearbeit genannt."

Eine grenzenlose Ausweitung ist sicherlich nicht möglich und gewünscht. "Das wäre für die Arbeit wie für das soziale Gefüge nachteilig und daher nicht im Interesse der Dienststelle", bestätigt auch Koordinator Mennecke. In manchen Bereichen könnte vielleicht die Hälfte der Beschäftigten Telearbeit machen, schätzt er. Allerdings kann diese Ausbaustufe nur bei optimaler Vorbereitung und Organisation, nach intensiver Beratung und unter Nutzung von Prozess- und Arbeitsumfeldanalysen funktionieren. "Je mehr Telearbeitsplätze man einrichten möchte, desto genauer müssen Arbeitsabläufe analysiert werden und desto intensiver ist der Abstimmungsprozess in Bezug auf die Aufgaben, Anwesenheitstage und Termine", betont Organisationsberater Detlev Blechner, der die Einführung von Telearbeit beim SLA wie auch in anderen Landesbehörden über Jahre begleitet hat. "Vor allem muss Telearbeit vom gesamten Projektteam getragen werden. Ohne die Akzeptanz der Teammitglieder und eine gewisse Flexibilität aller Beteiligten kann Telearbeit nicht funktionieren", bekräftigt Jens Mennecke. Letztendlich müsse jedes einzelne Team im SLA entscheiden, wie groß die "kommunikative Zelle", die "Basis" im SLA bleiben muss.

Eines dürfte im SLA wohl auf jeden Fall für den Erfolg des Arbeitsmodells verantwortlich gewesen sein: "Telearbeit", sagt Koordinator Mennecke, "wird sowohl von der Hauskultur als auch vom gesamten Management als wertvolle Arbeitsform mitgetragen."

Heinke Liere
ReformZeit 2 / Juni 2009

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