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Als Tandem auf Erfolgskurs

Landesamt für Bodenforschung beteiligt sich an Mentoring-Projekt zur Aufstiegsförderung von Frauen


Das Problem ist schon lange bekannt, und eine Lösung war bisher nicht in Sicht: Führungspositionen in der Verwaltung sind nach wie vor fast ausschließlich mit Männern besetzt. Das europäische Programm "StepUpNOW" zur Aufstiegsförderung von Frauen will dies ändern. Kernstück ist das so genannte Mentoring.

Erfahrene Führungskräfte unterstützen beim Mentoring qualifizierte Frauen bei ihrer Karriereentwicklung, indem sie sie beraten und begleiten. Das Besondere ist die "one-to-one-Beziehung" zwischen Mentor und seiner Mentee, der aufstiegswilligen Mitarbeiterin. Beide treffen sich zu festgelegten Zeitpunkten und besprechen die bisherigen Schritte sowie das weitere Vorgehen. Dabei kommen dem Mentor oder der Mentorin vier Schlüsselrollen zu: Der Mentor als "Coach" führt aktiv und ermutigt die Mentee, wichtige Fähigkeiten und Einstellungen für die Zukunft zu entwickeln. Als Ratgeber hilft er bei der Lösung von Problemen und beim Treffen von Entscheidungen. Als Helfer ebnet der Mentor seiner Mentee Wege und bringt sie mit beruflich wichtigen Leuten zusammen. Und als "Netzwerker" lehrt er die zukünftige Führungskraft, die informellen Kontakte auch außerhalb ihres eigenen Arbeitszusammenhanges für ihre Laufbahn zu nutzen.

Vor allem der letzte Punkt ist für die Frauen sehr wichtig: Bisher verfügen sie meistens nicht über das, was in der einschlägigen Literatur als "old-boys-network" bezeichnet wird. Für Helmuth Erveling liegt der Nutzen von "StepUpNOW" auf der Hand: "Wir entwickeln nicht nur unsere jetzigen Personalressourcen weiter, sondern werden zukünftig als Wissensunternehmen und Fachanstalt interessanter für Bewerberinnen."

Der ständige Vertreter des Abteilungsleiters für Zentrale Angelegenheiten im Landesamt für Bodenforschung wünscht sich viel mehr Frauen in Leitungspositionen, welche die ihnen zugesprochenen "weichen" Führungsqualitäten wie Teamgeist, Kooperationsbereitschaft und soziale Kompetenz einbringen.

Auch ökonomische Gründe spielen eine Rolle: "Wir könnten uns ein solches Programm mit pädagogischer Begleitung nicht leisten", sagt Erveling. Nebenbei kommt das Geoinstitut so auch zu ausgebildeten Mentoren. In der Behörde mit 1.200 Beschäftigten nehmen seit September vergangenen Jahres 16 Mentees am Programm teil. Einige Tandems treffen sich einmal die Woche, eine Mentee ließ sich freistellen, um bei ihrem Mentor mitarbeiten zu können. An konkreten Projekten, die sich jede Nachwuchsführungskraft selbst gesucht hat, findet das Mentoring statt; bisher mit Erfolg. "Erst, wenn’s nicht funktioniert, greifen wir ein", sagt Erveling.

One-to-one-Beziehung gestaltet sich nicht einseitig

Im Rahmen des europäischen Projektes, das bis zum Jahr 2000 laufen soll, begleitet die Heimvolkshochschule Stephansstift in Hannover das Mentoring-Programm, zusammen mit der Landeszentrale für Politische Bildung. So genannte "Genderworkshops" für Vorgesetzte, in denen es um die spezifischen Aspekte von "Frau und Führung" geht, ergänzen das eigentliche Mentoring. Außerdem werden die Mentoren selbst durch Supervision begleitet. Doch bei aller Förderung, welche die Mentees auf ihrem Weg nach oben erhalten, die "one-to-one-Beziehung" ist nicht einseitig.

Der meist ältere Mentor lernt nicht nur die Denkweise seines Schützlings kennen und bekommt neue Anregungen, er muss auch lernen, seinen eigenen Führungsstil kritisch zu reflektieren. Nicht selten muss er sich dabei zum ersten Mal während seiner beruflichen Laufbahn mit den spezifischen Problemen von aufstiegswilligen Frauen auseinander setzen.

Birgit Freudenthal
ReformZeit Nr. 1/ März 1999

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