ReformZeit Niedersachen klar Logo

"Es interessiert uns, wie groß die Motivation ist, weiterzumachen"

Universität Hannover untersucht Stimmungslage zur Verwaltungsreform


Wenn im Oktober Ihr Telefon klingelt und Sie nach ihrer Reformstimmung gefragt werden, dann wundern Sie sich nicht. Sie sind dann nur eine(r) von 500 zufällig ausgewählten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Landesverwaltung, unter denen im Auftrag des Landes Niedersachsen eine Telefonumfrage durchgeführt wird. Konzipiert wurde das Projekt von Experten der Universität Hannover.

ReformZeit-Mitarbeiterin Birgit Abraham sprach mit den wissenschaftlichen Leitern der Untersuchung, Prof. Dr. Bernhard Blanke von der Abteilung Sozialpolitik und Public Policy der Universität Hannover und Dr. Matthias Metje, Sozialwissenschaftler von der Münchner ServiceBarometer AG.

ReformZeit: Warum ist diese Mitarbeiterbefragung notwendig?

Prof. Dr. Bernhard Blanke: Wir verfolgen mit dieser Befragung zwei wesentliche Ziele. Zum einen wollen wir sehen, inwieweit die Aktivitäten zur Verwaltungsreform bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angekommen sind. Wir wollen erfahren, ob diese sich bei der Umsetzung in ausreichendem Maße unterstützt fühlen und wie insgesamt das Stimmungsbild im Hinblick auf die Verwaltungsreform ist. Es interessiert uns, wie groß die Motivation ist, weiterzumachen.

Zum anderen knüpfen wir noch einmal an die von uns durchgeführte große Bürgerbefragung an. 1997 hatten wir Bürgerinnen und Bürger in Niedersachsen über das Verhältnis zwischen Staat und Bürgern befragt. Da sind einige überraschende Ergebnisse herausgekommen. Schon damals war geplant, einen Teil der Fragen auch der Verwaltung zu stellen. Es gibt ja immer die Vermutung, dass Bürger und Verwaltung bestimmte Dinge sehr unterschiedlich sehen. Wir wollen wissen, ob das wirklich so ist.

ReformZeit: Wie viele Personen werden befragt?

Dr. Matthias Metje: Insgesamt werden wir 500 Personen befragen und zwar jeweils 100 aus fünf unterschiedlichen Bereichen der Landesverwaltung. Das sind Schulen, Polizei, Steuerverwaltung, Hochschulen und sonstige Einrichtungen.

ReformZeit: Wie erfolgt denn die Auswahl?

Metje: Aus jedem der fünf Bereiche wird eine zufällige Stichprobe von 300 Adressen gezogen. Die Adressen kommen vom Landesamt für Bezüge und Versorgung und werden direkt der Universität zur Verfügung gestellt. Die Durchführung der telefonischen Interviews erfolgt in Zusammenarbeit mit einem renommierten Marktforschungsinstitut.

300 Adressen sind es deshalb, weil man ja immer damit rechnen muss, dass man jemanden nicht erreichen kann oder er oder sie nicht mitmachen möchte. Sobald in einem Bereich 100 Befragungen erreicht sind, wird die Aktion beendet.

ReformZeit: Das heißt, die Teilnahme ist absolut freiwillig?

Blanke: Natürlich. Wir befragen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch deswegen zu Hause und nicht an ihrem Arbeitsplatz. Am Arbeitsplatz besteht ja immer die Gefahr, dass der Kollege oder Vorgesetzte mitbekommt, wer angerufen wird oder sogar mithört, was gesagt wird. Noch nicht einmal das Land als Auftraggeber weiß, welche 500 seiner Mitarbeiter befragt werden. Auch der Datenschutzbeauftragte ist in das Verfahren einbezogen.

ReformZeit: Welche Daten zur Person werden erhoben? Kann man Rückschlüsse auf die Befragten ziehen?

Metje: Das ist absolut nicht möglich. Als persönliche Daten erheben wir nur das Geschlecht, das Alter und die Dauer der Beschäftigung beim Land.

Blanke: Ich habe mir in der letzten Zeit mehrere Mitarbeiterbefragungen angesehen, die in anderen Bundesländern durchgeführt worden sind. In Baden-Württemberg sind dabei sehr detaillierte Angaben zur jeweiligen Behörde abgefragt worden. Wir wollen noch nicht einmal wissen, bei welcher Behörde jemand arbeitet. Wir fragen ja auch nicht, wie bei klassischen Mitarbeiterbefragungen üblich, nach Arbeitsplatzausstattung und Tätigkeitsfeld.

ReformZeit: Unterscheiden Sie zwischen Beamten, Angestellten und Arbeitern?

Metje: Bislang nicht. Die Auswahl ist rein zufällig. Wir überlegen aber zurzeit noch, ob wir nicht die Laufbahn, also mittlerer, gehobener oder höherer Dienst, bzw. bei Angestellten die entsprechende Information zusätzlich abfragen, damit wir wenigstens wissen, ob der- oder diejenige eine Leitungsfunktion innehat.

ReformZeit: Wie sieht der Zeitplan für die ganze Sache aus?

Blanke: Im August wird die Selektion der fünfmal 300 Adressen aus Schulen, Finanzverwaltung und den anderen Bereichen erfolgen. Die Menschen, die unter diesen 1.500 Adressen sind, werden von uns, das heißt von der Universität Hannover, bis Ende September angeschrieben. In dem Brief wird die Befragung noch einmal erläutert und um Teilnahme gebeten. Die Befragung selbst wird dann im Oktober stattfinden und nicht länger als drei Wochen dauern.

ReformZeit: Was passiert dann mit den Ergebnissen?

Blanke: Die detaillierte Auswertung wird sicherlich einige Zeit in Anspruch nehmen. Vieles ist ja auch eine Frage der Interpretation und bevor wir voreilige Schlüsse ziehen, müssen wir das mit unserem Auftraggeber, also dem Land und dem Steuerungskreis Verwaltungsreform, diskutieren. Je nachdem, wie die Ergebnisse aussehen, wird es hier und da Veränderungen geben müssen.

ReformZeit Nr. 3/ Oktober 1999

Archiv der Reformzeit
Mitarbeiterbefragung zur Reform leider nur auf Sparflamme

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln