ReformZeit Niedersachen klar Logo

Lust statt Frust

Das Arbeitsklima ist ein wichtiger Leistungsfaktor


Die Jahrtausendwende ist geschafft, Sie sind wieder in Ihrem Büro und vermutlich hat sich nichts geändert. Der Kollege muffelt wie immer und Ihr Schreibtisch biegt sich unter der Last der Arbeit. Willkommen im Alltag. Schon keine Lust mehr? Dabei können Sie vielleicht dazu beitragen, Ihr Arbeitsklima und das der Kolleginnen und Kollegen schöner zu gestalten.

Das Zauberwort heißt "immaterielle Leistungsanreize". Das bedeutet, wenn die zutiefst menschlichen Bedürfnisse nach Akzeptanz, Anerkennung und Selbstverwirklichung privat und im Beruf befriedigt sind, ist man motivierter und arbeitet lieber und besser. Denn es kommt nicht allein auf das Geld an, also auf materielle Leistungsanreize. Studien belegen, dass den meisten Beschäftigten ein interessanter und den jeweiligen Bedürfnissen entsprechender Arbeitsplatz, Lob und Herausforderung, Wertschätzung untereinander und ein gutes Betriebsklima wichtiger sind als hundert Mark mehr im Monat. Zu geringe Handlungsspielräume, eine schlechte Büro- und IuK-Ausstattung oder wenig motivierende Führungskräfte gehören natürlich zu den Arbeitsbedingungen, für welche primär der Arbeitgeber verantwortlich ist. Immaterielle Leistungsanreize haben also viel mit den vorgegebenen Strukturen zu tun. Aber nicht nur. Auch das tägliche Miteinander spielt eine große Rolle. Gerne zur Arbeit geht man nur, wenn die Chemie stimmt, gleich ob zwischen den Kolleginnen und Kollegen untereinander oder zwischen Vorgesetzten und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Und dafür ist letztlich jeder mitverantwortlich.

Was vergibt man sich, wenn man die gute Arbeit des Anderen lobt und nicht immer als selbstverständlich hinnimmt? Was, wenn man einfach freundlich ist, lächelt, Anteil nimmt an den Problemen des Menschen nebenan, gegenüber oder am anderen Ende der Leitung? Und kann man die Nachricht nicht ins Nebenzimmer bringen, statt sie zu mailen? Direkter Kontakt statt Unpersönlichkeit, Einhaltung von Hierarchie und Dienstweg?

Gerade die persönlichen Erfahrungen und informellen Netzwerke sind von großer Bedeutung. Der Plausch in der Kantine oder am Kopierer sind oft die beste Möglichkeit, Probleme zu diskutieren oder Neues zu erfahren. Eine geringe Förderung durch Vorgesetzte, kaum Fortbildungsmöglichkeiten, wenig stimulierende Arbeitskollegen – einiges mag sich hier bereits geändert haben, aber viele Beschäftigte haben bereits resigniert. Der eigene Frust hat sich auf andere und auf das gesamte Arbeitsklima übertragen. Schwer, das eigene Verhalten zu ändern, schwer, aus diesen Strukturen und eingefahrenen Abläufen auszuscheren. Aber ein Versuch lohnt sich, denn verlieren kann man nichts. Mit ein wenig mehr Menschlichkeit kann das Arbeitsjahr 2000 ganz anders beginnen.
Heinke Liere

ReformZeit Nr. 1/ Januar 2000

Archiv der Reformzeit
zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln