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Beschäftigte wollen Reform

Mitarbeiterbefragung zeigt: was läuft gut und wo muss nachgebessert werden


Bereits in der letzten Ausgabe der ReformZeit berichteten wir über erste Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung zum Thema Staatsmodernisierung. Durchgeführt wurde sie im Oktober letzten Jahres von der Abteilung Sozialpolitik und Public Policy der Universität Hannover. Nun haben die Autoren eine 80-seitige ausführliche Auswertung der Ergebnisse vorgelegt.

Die Ergebnisse machen Mut und zeigen, dass die Modernisierung der Verwaltung von den Beschäftigten grundsätzlich gewollt ist. Interviewt wurden je 100 Beschäftigte aus den Bereichen Hochschule, Polizei, Schule, Steuerverwaltung und Sonstige. Die Antworten wurden auf die tatsächliche Zahl der Beschäftigten gewichtet. Immerhin fast die Hälfte der Befragten halten die Verwaltungsmodernisierung für "absolut notwendig", weitere 36 Prozent stehen ihr "aufgeschlossen" gegenüber, stellten die Autoren des Berichtes, Prof. Dr. Bernhard Blanke, Dr. Henning Schridde und Dr. Matthias Metje, fest. Eine ablehnende Haltung zur Reform nahmen lediglich zwei Prozent der Befragten ein, hinzu kamen neun Prozent, die sich als "skeptisch" bezeichnen.

Reformkurs wird bestätigt

Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind davon überzeugt, dass die Binnenreform noch weiter gehen muss. Auf die Frage, welche Strategien zur Kostensenkung für die Landesverwaltung besonders geeignet seien, nannten 80 Prozent die Straffung von Verwaltungsabläufen, 69 Prozent den Abbau von Hierarchieebenen und 55 Prozent eine stärkere EDV-Unterstützung. Diese Maßnahmen sind den Beschäftigten aus zahlreichen bisherigen Reformprojekten vertraut. Wenn sie jetzt als geeignetes Mittel zur Kostensenkung genannt werden, bedeutet dies, dass der eingeschlagene Kurs der Landesregierung bestätigt wird und weitere Maßnahmen in dieser Richtung angemahnt werden. Allerdings nannten nur 28 Prozent den Abbau von Aufgaben als Kosten senkend. Es zeigt sich, dass der niedersächsische Ansatz, der verschiedene Instrumente miteinander verbindet, bei den Beschäftigten noch nicht so angekommen ist wie er sollte. Auf die Frage: "Welche zentrale Aussage verbinden Sie mit der Verwaltungsreform Niedersachsen?" wurde das Leitbild der niedersächsischen Staatsmodernisierung, der "aktivierende Staat in einer aktiven Gesellschaft", nicht ein Mal genannt. Dagegen verbanden 30 Prozent der Befragten nach wie vor das Leitbild "schlanker Staat" mit der Verwaltungsreform.

"Aktivierender Staat" zu unbekannt

Gerade das wurde aber in Niedersachsen verworfen, da es sich bei der Staatsmodernisierung nicht um eine Abmagerungskur, also um eine reine Einsparveranstaltung handelt. Sondern die bestehende Finanzknappheit trägt dazu bei, neben den Veränderungen der internen Organisation auch eine bessere Personalführung einzusetzen sowie die Aufgaben des Staates und das Verhältnis von Staat und Gesellschaft zu überprüfen und Aufgaben ggf. neu zu ordnen. Als zweite zentrale Aussage zur Reform folgte mit 27 Prozent das Stichwort "Auflösung der Bezirksregierungen" – in dieser Form ebenfalls kein Thema der Staatsmodernisierung. Hier besteht offensichtlich Informationsbedarf.

Insgesamt 31 Prozent der Befragten sahen sich nicht in der Lage, nähere Angaben zum Begriff Verwaltungsreform zu machen. Allerdings ist der Informationsstand über Reforminstrumente bei den Statusgruppen sehr unterschiedlich. Während drei Viertel der Beamtinnen und Beamten nähere Angaben zum Begriff Verwaltungsreform machen konnten, waren dies bei den Angestellten mit 52 Prozent nur mehr die Hälfte, dagegen fiel in der Gruppe der Arbeiterinnen und Arbeiter 71 Prozent nichts zur Reform ein. Die Kenntnis über einzelne Modernisierungsmaßnahmen richtet sich auch danach, inwiefern die Instrumente bereits am Arbeitsplatz eingesetzt wurden, also persönliche Erfahrungen damit gemacht werden konnten. Auf die offene Frage, welche Reforminstrumente sie kennen, resultiert für ein Drittel der Befragten die Verwaltungsmodernisierung vor allem in einer verbesserten technischen Ausstattung des eigenen Arbeitsplatzes. Allein für das Projekt P53 mussten schließlich 12.000 Beschäftigte geschult und mit entsprechender EDV-Ausstattung versehen werden.

Instrumente sind angekommen

Bei konkreter Nachfrage nach einzelnen Maßnahmen kannten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter allerdings wesentlich mehr Instrumente. So haben bereits 69 Prozent Erfahrung mit "Mitarbeiter/Vorgesetzten-Gesprächen" gesammelt und sogar 81 Prozent können das "Führungsverhalten" beurteilen. An der Auswertung der Mitarbeiterbefragung lässt sich zudem konkret ablesen, inwieweit in den einzelnen Geschäftsbereichen mehr das eine oder mehr das andere Reforminstrument eingeführt wurde. Für das "Führungsverhalten" bedeutet dies zum Beispiel, dass die Vertrautheit mit diesem Instrument je nach Geschäftsbereich zwischen 55 und 95 Prozent schwankt; Mitarbeiter/Vorgesetzten-Gespräche sind im Hochschulbereich weitgehend unbekannt, bei der Polizei aber weit verbreitet.

Fazit: Die Beschäftigten haben bereits viele Instrumente kennen gelernt und befürworten die Reform ausdrücklich. Die Zufriedenheit mit den einzelnen Reforminstrumenten hänge vor allem davon ab, inwieweit diese den Bedürfnissen der Beschäftigten für eine Verbesserung der Arbeitssituation entgegenkommen, stellten Prof. Dr. Blanke und seine Kollegen fest.
Birgit Abraham

ReformZeit Nr. 3/ Juli 2000

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