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Internes Arbeitsamt ermöglicht Jobwechsel für alle

Reformarbeitsmarkt wird zur Informations- und Vermittlungsstelle


Bislang hatte der Reform-Arbeitsmarkt (RAM) die Aufgabe, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die aufgrund der Reform ihren Arbeitsplatz verloren haben, eine neue Stelle zu vermitteln. Das machte diese Einrichtung nicht sonderlich beliebt, denn wer gemeldet wurde, war schließlich "überflüssig" geworden. Die mit mehr Kompetenzen ausgestattete Job-Börse möchte als ressortübergreifende Service- und Beratungsstelle für die Dienststellen und die Beschäftigten weg vom bisherigen Negativ-Image.

"Wir wollen als internes Arbeitsamt verstanden werden, welches wie bisher von den Behörden gemeldete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vermittelt, aber auch Beschäftigte, die sich verändern möchten", sagt Christiane Wallnig von der Zentralstelle im Innenministerium.

Seit Anfang des Jahres laufen die Vorbereitungen, eine Job-Börse zu etablieren. Das hat sich herumgesprochen. Denn obwohl die Richtlinien im Detail noch mit den Ressorts abgestimmt werden müssen, gab es bereits bis September etwa achtzig Bewerber und fast fünfzig Vermittlungen in den vier Stellen der Bezirksregierungen über die neue Job-Börse. Vorrang bei der Arbeitsvermittlung haben nach wie vor gemeldete Beschäftigte. Erst wenn kein geeigneter gemeldeter Mitarbeiter zur Verfügung steht, wird auf freiwillige Interessenten der Job-Börse zurückgegriffen. Von dem internen Arbeitsmarkt, der die Mobilität aller Beschäftigten fördert, verspricht man sich auch, dass durch die Rotation öfter Stellen frei werden, die von gemeldeten Beschäftigten besetzt werden können. Das wiederum würde auch den von der Landesregierung angestrebten Stellenabbau beschleunigen.

Beratung so früh wie möglich

Früher als bisher möchten die Vermittler auf die Betroffenen zugehen. Daher sind die Ressorts künftig dazu verpflichtet, der Zentralstelle zweimal jährlich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz verlieren werden, mit Namen zu benennen. Bislang wurde zunächst pauschal mitgeteilt, wie viele Arbeitsplätze wegfallen. "Aber nur wenn ich den Einzelnen kenne, mit seinen Qualifikationen, Wünschen und Fähigkeiten, kann ich gezielt eine neue Stelle suchen", betont Angela Schilling, die ebenfalls in der Zentralstelle MI arbeitet. Auch wenn es für die "Ausgewählten" nicht leicht ist, früh zu erfahren, dass ihre Arbeitskraft in der bestehenden Form künftig nicht mehr gebraucht wird, kommt ihnen dieses Verfahren letztendlich zugute. Denn die Dienststellen melden der Zentralstelle auch jeden neuen, freien oder frei werdenden Arbeitsplatz. So können den gemeldeten Beschäftigten frühzeitig neben individuellen Maßnahmen die Angebote der eingeleiteten Qualifizierungsoffensive bei der Umorientierung helfen. Das Spektrum umfasst allgemeine Seminare wie "Veränderung als Chance begreifen" und "Büroorganisation" sowie fachspezifische verwaltungsinterne, betriebswirtschaftliche und IuK-Fortbildungen.

Schulungen für "Arbeitsvermittler"

Auf der anderen Seite werden die Kolleginnen und Kollegen der Job-Börse geschult, um mit den Ängsten und dem Frust derjenigen umgehen zu können, die ihren Arbeitsplatz verloren haben. Mehr Service, Information und individuelle Beratung stand auch hinter der Idee, direkt in den Behörden, die viele Beschäftigte abgeben müssen, Sprechstunden der Vermittlungsstellen anzubieten, die jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter offen stehen. Zusätzlich hat man Behörden, die Personal abgeben müssen, mit Behörden, die Personal brauchen, in so genannten Personalentwicklungsringen an einen Tisch gesetzt.

Das Justizministerium nutzte diesen Weg, da für die Einführung der elektronischen Grundbuchführung in Niedersachsen zusätzlich 48 Beschäftigte gebraucht werden. Sie sollen vier Jahre lang dabei helfen, die 3,2 Millionen Grundbücher des Landes in den drei Grundbuch-Umstellungszentren Hannover, Braunschweig und Oldenburg zu digitalisieren. Eine Projektgruppe, die sich wie die benötigte Software SOLUM-STAR nennt, kümmert sich um die Organisation. Zur Gewinnung der Kolleginnen und Kollegen setzte sie sich mit Vertretern der Vermittlungsstellen der zuständigen Bezirksregierungen und der Personal abgebenden Behörden in solchen Personalentwicklungsringen zusammen. "Auf diese Weise haben wir für Hannover bereits die Hälfte der benötigten Beschäftigten gefunden, die zum Teil aus dem NLBV stammen", sagt Ulrich Kleinert von der Projektgruppe.

Um geeignete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden, haben sich Zentralstelle und SOLUM-STAR viel Arbeit gemacht. "Nachdem wir mit den Vermittlungsstellen und den abgebenden Behörden in Kontakt getreten sind, haben wir vor Ort Informationsveranstaltungen für die Interessenten aus der Behörde organisiert und anschließend Einzelgespräche geführt. Zusätzlich haben wir eine Sonderausgabe des ‚Heißen Stellenmarkts’ herausgegeben", fasst Kleinert die Aktivitäten von SOLUM-STAR zusammen. Ideal wäre für ihn daher eine direkte Vermittlung möglicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch die Job-Börse.

Grundsätzlich wünscht sich auch Christiane Wallnig von der Zentralstelle MI möglichst schnell eine Software, die die Daten eines Bewerbers automatisch mit den Daten der freien Stellen abgleicht. Durch die Erkennung von zueinander passenden Profilen könnten Suchende und Anbieter viel schneller zusammengebracht werden. "Doch das gilt für Einzelfälle. Wenn in einer Behörde viele Beschäftigte gesucht werden und in einer anderen viele ihren Arbeitsplatz verlieren, macht die Zusammenführung von Anbietern und Interessenten in PE-Ringen Sinn, um für die Beschäftigten befriedigende Lösungen zu finden", betont Wallnig. Die künftige Arbeitsvermittlung stellt sie sich so vor: "Jeder Arbeitsplatz ist an das Intranet angeschlossen. Wir stellen tagesaktuell die ausgeschriebenen Stellen ins Netz, und jeder Beschäftigte, ob gemeldet oder nicht, hat Zugriff auf alle offenen Stellen der Landesverwaltung." Dieser Service soll natürlich nicht auf Kosten der persönliche Betreuung gehen. "Die Informationsveranstaltungen vor Ort und die Einzelgespräche durch die Kolleginnen und Kollegen der Job-Börse bleiben weiterhin bestehen", ergänzt Kollegin Angela Schilling.
Heinke Liere

Reformzeit Nr. 4/ Oktober 2000

Archiv der Reformzeit
"Ich wollte etwas ganz anderes machen"

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