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Mit High Tech zu High Teach

Internationaler Kongress zeigt die Zukunft des Lernens – E-Learning auf dem Vormarsch


"Wir brauchen Unterstützung auf dem Weg in die Wissensgesellschaft", betonte Ministerpräsident Sigmar Gabriel bei der Eröffnung des Kongresses "Zukunft Lernen". An die 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren seiner Einladung gefolgt und trafen sich am 30. und 31. Januar in Hannover, um sich über die Zukunft des Lernens, aber auch über das Lernen der Zukunft auszutauschen.

Einigkeit bestand darin, dass künftig E-Learning an Bedeutung gewinnen wird, also das internetgestützte Lernen am Bildschirm. Die Voraussetzungen dafür werden unter anderem durch das Aktionsprogramm "n-21: Schulen in Niedersachsen online" geschaffen, das als Public-Private-Partnership – einer Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Regierung – realisiert wird. Deutschland sei in diesem Bereich vorbildlich, betonte David Driftmier von Microsoft. Aber nicht nur für die Schülerinnen und Schüler wird dieses Lernen immer wichtiger werden, auch der Bereich Fort- und Weiterbildung soll davon profitieren. Denn die ständigen Veränderungen der Arbeitsorganisation, die nicht zuletzt durch den technischen Wandel hervorgerufen werden, erfordern mehr denn je ein lebenslanges Lernen – auch für die Beschäftigten der Landesverwaltung. "Je mehr Raum das Internet für die Bürgerinnen und Bürger einnimmt, desto stärker erwarten sie, dass ihre Verwaltung Leis-tungen im Netz anbietet", so Ministerpräsident Sigmar Gabriel. Um diesen Anforderungen aber gerecht zu werden, müsse das Land als Arbeitgeber die Rahmenbedingungen schaffen. Über konkrete technische und organisatorische Lösungen wurde in drei Foren zu den Bereichen Forschung, Wirtschaft und Dienstleistung diskutiert. Darüber hinaus konnten Interessenten im Foyer des Convention Center erfahren, wie E-Learning in der Praxis aussehen kann. Dort präsentierten sich nicht nur Unternehmen wie die Deutsche Telekom oder Microsoft, auch die Landesverwaltung stellte ihre Projekte vor, darunter die bereits in Betrieb genommene "Virtuelle Akademie" des Informatikzentrum Niedersachsen (izn) sowie das computergestützte Lernen im "Projekt Data Warehouse des integrierten Haushaltswirtschaftssystems (Projekt P 53)".

E-Learning ist kein Allheilmittel

Wie die Qualifizierung von Beschäftigten der Landesverwaltung künftig aussehen könnte, wurde im Forum Dienstleistungen skizziert. Referenten waren unter anderem Werner Lichtenberg, Staatssekretär im Niedersächsischen Innenministerium, Willi Elz von der Deutschen Telekom sowie Prof. Stephan Wolff und Dr. Herbert Asselmeyer von der Universität Hildesheim. Das Ergebnis: Der Vorteil des Lernens über das Internet besteht für Unternehmen wie für die Verwaltung darin, dass sehr viel mehr Beschäftigte schneller erreicht werden können als in einem klassischen Seminar. Weil Lerninhalte im Bereich der IuK-Technologie zudem mit einem schnellen Verfallsdatum versehen sind, könne E-Learning dazu beitragen, Wissen kurzfristig zu aktualisieren. Für Beschäftigte könne der Vorteil darin bestehen, lange Wege zu sparen und sich die Zeit zum Lernen selber einteilen zu können. Aber Lernende dürften keinesfalls allein gelassen werden. Darüber waren sich die Fachleute einig: E-Learning ist kein Allheilmittel und ersetzt auch in Zukunft weder Lehrer noch Inhalte. Denn ein wesentlicher Aspekt des Lernens ist die Kommunikation in einem sozialen Kontext. Daher wurde in den meisten Fällen ein Methodenmix vorgeschlagen, bei dem sich Workshops vor Ort und das Lernen am Computer ergänzen. Auch das gemeinsame Lernen in einem virtuellen Klassenraum ist eine Möglichkeit. Bei der Telekom zum Beispiel schalten sich Kolleginnen und Kollegen zeitgleich zusammen und können über Kommunikations-Icons Beifall klatschen, sich wie in der Schule melden, einer Äußerung zustimmen oder sie ablehnen. "Aber", unterstrich Willi Elz, "E-Learning kann nicht am grünen Tisch geplant, sondern muss mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort abgesprochen werden." Bei der Telekom plant man zurzeit eine Betriebsvereinbarung zum E-Learning. "Auch die Verwaltung muss lernen, sich dieses Instruments zu bedienen", betonte Staatssekretär Werner Lichtenberg. Allein durch die Verwaltungsreform sei der Fortbildungsbedarf enorm gestiegen, und die Anforderung an die Aktualität des Wissens würde immer größer. Zudem könne sich aufgrund der hohen Arbeitsdichte heute kaum noch jemand leisten, eine Woche lang eine Fortbildung zu besuchen. Aber auch Lichtenberg ist sich der Grenzen der elektronischen Wissensvermittlung bewusst: Sozialkompetenz könne man darüber nicht vermitteln.

Ideale Verwaltung managt Wissen

E-Learning selbst als projektförmigen Lernprozess einzuführen, hält Prof. Wolff für einen wichtigen Erfolgsfaktor. Lieber sollte man klein und vielfältig beginnen als flächendeckend und standardisiert. Denn eine Lernkultur verändere sich nur, wenn erfolgreiche Beispiele vorlägen. Wichtig sei zudem die Kommunikation und der Austausch über Netzwerke. "Das ist der einfachste, aber auch effektivste Weg, Wissen zu nutzen", betonte der Soziologe. Interaktivität und die Präsenz eines Ansprechpartners sind für ihn unverzichtbare Voraussetzungen: "E-Learning wird nur dann sein Potenzial entfalten, wenn es nicht auf E-Learning beschränkt bleibt." Zudem müsse sich das Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter persönlich lohnen, aber auch für den eigenen Bereich erkennbaren Nutzen bringen. Sein Ideal ist die intelligente Verwaltung, die nicht nur bessere Dienstleistungen anbietet und die Organisation den Anforderungen anpasst, sondern in der Lage ist, das Wissen zu managen. Das Fazit des Forums: Lernen muss mehr denn je zum zentralen Bestandteil von Organisationen werden, wenn sie mit den gesellschaftlichen und technischen Veränderungen Schritt halten wollen. Aber es muss gestaltet werden. "Das Leben wird durch die Technik nicht leichter, aber wir müssen sie nutzen, um im Leben künftig zurechtzukommen", so Ministerpräsident Gabriel zum Abschluss des Kongresses.
Heinke Liere

ReformZeit Nr. 1/ März 2002

E_Government
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