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LoHN hätte ein Erfolgsmodell werden können

Ein Leserbrief


Mit großem Interesse habe ich den Leserbrief des Kollegen Axel Vöhringer in der ReformZeit vom August 2004 gelesen. Ich befürworte aus- und nachdrücklich seinen verbalen Einsatz für mehr betriebswirtschaftliches Denken in der Verwaltung.

Aber eins verstehe ich nicht:
Sie loben das vom MF im Jahr 2000 initiierte LoHN-Projekt. Das ist doch aber faktisch tot! Die wenigen Verwaltungsbereiche, die sich "leichtsinnigerweise" in einer ersten Welle damit beschäftigt haben, müssen sich nun weiter damit "herumquälen", oder zumindest empfinden sie es so. Wer hat der Landesregierung geraten, dieses Projekt auf Eis zu legen? Ist es nicht eher so, dass einige der handelnden Personen auf den verschiedenen Ebenen "auf Eis" oder zum "Alteisen" gelegt werden müssten? Ohne die vielen Blockierer und Verhinderer hätte LoHN ein Erfolgsmodell werden können. Und noch etwas verstehe ich nicht: Sie sagen, im kommunalen Bereich gehe man noch einen Schritt weiter. Dort werde in den nächsten Jahren die doppelte Buchführung eingeführt. Warum in Gottes Namen nicht auch beim Land?
Insofern konsequent in seiner Argumentation bemängelt dies deshalb auch der Geschäftsführer des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebunds Dr. Wulff Haack (nachzulesen im rundblick Nr. 123 vom 03.08.04). Welche Signal- und Vorbildwirkung solche Entscheidungen haben, kann ich seit Monaten "am eigenen Leibe" erfahren. Meine Vorgesetzten – die obersten sitzen sinnigerweise im Finanzministerium – können mit dem Kosten- und vor allem mit dem Leistungsbegriff scheinbar wenig anfangen. Wenn man sich in dieser Hinsicht profilieren möchte, wird man schnell aufs dienstliche Abstellgleis manövriert.

Also nochmal: Welche Vorbildwirkung hat es, wenn das Land bei anderen die Einführung betriebswirtschaftlicher Instrumente fordert, es bei sich selbst und seinen Ministerien aber ablehnt. Warum kehrt man nicht auch vor der eigenen Haustür? Einsparpotenzial zur Anschubfinanzierung gibt es in unseren Verwaltungen und ihren Abläufen sicher genug. Würden Sie die Reparatur ihres stotternden Automotors aus Kostengründen ablehnen und so lange verschieben, bis Sie am Ende zu Fuß gehen müssen? Die wahren Einsparmöglichkeiten im Landeshaushalt können (oder wollen?) wir mit der herkömmlichen kameralistischen Haushaltsführung jedenfalls nicht erkennen!
Holger Harms, Staatliches Baumanagement Celle

ReformZeit Nr. 4/ Oktober 2004

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