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Licht und Schatten

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus dem Blickwinkel der Frauenbeauftragten der obersten Landesbehörden. Ein Kommentar von Marion Griesheimer.

Das allgemeine Credo lautet: Im Vergleich zu vielen Müttern in der freien Wirtschaft haben es die in der Landesverwaltung beschäftigten Frauen doch gut.

Sicher – der Grundanspruch auf Teilzeitbeschäftigung bzw. Beurlaubung aus familiären Gründen bis zum 12. oder 18.Lebensjahr des Kindes ist ein Gut, das es in der Wirtschaft nicht gibt. Auch sind die meisten Behörden sehr flexibel, z.B. bei der Gewährung von Teilzeitbeschäftigung. Es gibt Telearbeitsplätze, einen landeseigenen Kindergarten und mancherorts Eltern-Kind-Büros, um sein Kind in Notfällen kurzfristig zum Arbeitsplatz mitbringen zu können, bis eine solide Betreuung organisiert und sichergestellt ist.

Die meisten Maßnahmen, allen voran die in einigen Behörden praktizierte Telearbeit, oder die Ferienbetreuung der Schulkinder im Behördenhaus Lüneburg, der Kindergarten TIGA-Park in Hannover für Kinder der umliegenden Landesbehörden oder Angebote zum leichteren Wiedereinstieg, sind gute Beispiele zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf – aber all diese Beispiele sind Einzelvorhaben, abhängig von den jeweiligen Hausspitzen und somit sehr individuell für die einzelnen Ressorts. Eine flächendeckende Versorgung gibt es bisher nicht.

Es sind Lichtblicke, die auch auf den langjährigen, unerbittlichen Einsatz der Frauenbeauftragten zurückzuführen sind. Lichtblicke, auf die wir stolz sind, in denen wir uns aber nicht sonnen, sondern die uns den Ansporn geben, das Ziel der Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter voranzutreiben.

Gerade als Frauenbeauftragte der obersten Landesbehörden sehen wir es als unsere Aufgabe an, die Finger in die Wunde zu legen; so ist z.B. Teilzeitarbeit – die eins der wichtigsten Instrumente der Vereinbarkeit von Familie und Beruf darstellt – immer noch ein Karrierehemmnis, weil Bewerbungen auf Teilzeitbasis zu ausgeschriebenen Stellen trotz genannter Teilzeiteignung abgelehnt werden. Zudem gibt es innerhalb der Ressorts gegen Teilzeitarbeit weiterhin Vorbehalte, die offen oder auch weniger offen nach außen getragen werden. Sei es nur durch den Spruch: "Ach, schon wieder Feierabend, so gut wollte ich es auch mal haben."

Wir stellen klar: Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein wichtiges aktuelles Thema, die derzeitigen Bestrebungen, dies weiter zu verbessern, werden von uns unterstützt.

Aber wir geben auch zu bedenken: Gerade die aktuelle Diskussion lenkt den Fokus fast ausschließlich darauf, "Mütter" schneller und effektiver wieder in den Beruf einzugliedern. Andere Aspekte der Frauenförderung und Erreichung von Chancengleichheit stehen dahinter manchmal im Schatten.

Wir finden es gut, dass derzeit viel getan wird, um Eltern und speziell Frauen die Möglichkeit zu geben, beides adäquat zu bewältigen – aber Gleichstellung heißt weit mehr! Dafür werden wir Frauenbeauftragten uns auch weiterhin engagieren.

Marion Griesheimer, stellvertretend für die Frauenbeauftragten der obersten Landesbehörden, ReformZeit Nr. 2 / Juli 2007

Alles unter einen Hut bringen

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zählt nicht nur in Niedersachsen zu den viel diskutierten Themen. Mit einem Bündel von Maßnahmen und Programmen fördert die Landesregierung familiengerechte Rahmenbedingungen in Privatwirtschaft und kommunaler Verwaltung.

Familienfreundlichkeit als Wettbewerbsvorteil

Das Zertifizierungsverfahren „audit berufundfamilie®“ bietet den teilnehmenden Betrieben wichtige Hilfestellungen auf dem Weg zu einer familienfreundlichen Unternehmenskultur. Unternehmensspezifische Maßnahmen und Ziele werden dort erarbeitet und deren Umsetzung sichergestellt.

Von flexibler Arbeitszeit bis zur Kinderbetreuung

Dem Nds. Landesamt für Soziales, Jugend und Familie wurde am 14. Mai 2007 das Grundzertifikat zum „audit berufundfamilie®“ erteilt. Zu den zertifizierten Maßnahmen zählen u.a. familienfreundliche Urlaubsregelungen, umfassende Vertretungsregelungen oder Unterstützung bei der Kinderbetreuung.

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