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Vom alltäglichen Nutzen der Informationstechnologie

Gemeinschaftsstand zeigt „Innovationen aus Wissenschaft und Verwaltung"


Auf der diesjährigen CeBIT vom 4. bis zum 9. März präsentierten das Wissenschafts- und das Innenministerium auf einem Gemeinschaftsstand im "public sector parc” zukunftsweisende Entwicklungen aus Wissenschaft und Verwaltung.

CeBIT

Für die Exponate des niedersächsischen Gemeinschaftsstandes interessierten sich u.a. (v. li.): Ministerpräsident Christian Wulff, Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (im Gespräch mit CIO Dr. Christoph Lahmann und Mitorganisator Dr. Norbert Kania) sowie Innenminister Uwe Schünemann.

Landesverwaltung, Justiz, Polizei und Behörden stellten ihre leistungsstarken Fachanwendungen, eGovernment-Lösungen, eLearning-Strategien und -Programme sowie Konzepte für die IT-Infrastruktur der Zukunft vor. Der Schwerpunkt der Hochschulen und Forschungseinrichtungen lag bei IT-gestützten Lösungen aktueller, alltäglicher Probleme.

An Dinge, die uns das Leben erleichtern, gewöhnen wir uns schnell. Gerade einmal 40 Jahre ist es her, dass meine Mutter nach der Geburt des dritten Kindes darauf bestand, eine Waschmaschine zu bekommen. Heute schickt sie SMS an ihre Kinder, kommuniziert per E-Mail mit der Freundin in England und besorgt sich über das Internet Patchwork-Muster aus den entlegensten Dörfern Amerikas.

Informationstechnologie steckt in nahezu jedem Gerät und steuert dessen Funktion – ob zu Hause oder im Beruf. Das Problem lag in den vergangenen Jahren vor allem darin, dass die zugrunde liegenden IT-Standards nicht miteinander kommunizierten. Bei der Waschmaschine mag das egal sein, im Verwaltungshandeln führten diese Insellösungen jedoch zu Medienbrüchen – und damit zu Unterbrechungen des "Workflows”, des Arbeitsflusses. Ein Beispiel: In Niedersachsen verschicken 429 Gewerbeämter monatlich bis zu 15.000 Gewerbean-, -ab- und -ummeldungen an bis zu elf Empfänger in 145 Dienststellen. Das bedeutet, die jeweilige Bearbeitung erfolgt am PC, doch zur Übermittlung der Daten werden die jährlich gut 1,5 Millionen Meldungen ausgedruckt, auf dem Postweg verschickt und von der nächsten bearbeitenden Behörde erneut erfasst.

Erforderlich sind also IT-Infrastrukturen, die von Land und Kommunen, von Unternehmen und Bürgern gemeinsam genutzt werden können. Nichts anderes forciert Niedersachsen mit dem eGovernment-Masterplan: den Aufbau einer Prozessplattform zur durchgängigen und medienbruchfreien Weitergabe und Bearbeitung von Daten – angefangen beim online-Antrag des Kunden über dessen Bearbeitung bis hin zur Ablage der eAkte in einem elektronischen Archiv.

Im Rahmen der CeBIT wurde zwischen dem Niedersächsischen Innenministerium und der GovConnect GmbH, der Gesellschaft der niedersächsischen kommunalen Datenzentralen zur Entwicklung von eGovernment-Lösungen, eine Vereinbarung unterzeichnet, um mit dem Projekt "eDiN Gewerbe” eine eGovernment-Infrastruktur für gemeinsame Geschäftsprozesse aufzubauen. Ein Schritt, der auch in Hinblick auf die Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie von großer Relevanz ist, wenn künftig der "Einheitliche Ansprechpartner” die erforderlichen Informationen und Formulare verschiedener Behörden für den Kunden zusammentragen soll. In dieselbe Richtung zielt der neue "Bürger- und Unternehmensservice Niedersachsen (BUS)”, der von Innenminister Uwe Schünemann ebenfalls auf der CeBIT freigeschaltet wurde.

Über diesen Behördenwegweiser (http://buergerservice.niedersachsen.de) können Interessierte Informationen zu rund 500 Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung im Internet abrufen, egal ob sie von den Kommunen oder vom Land angeboten werden. Schnell und unkompliziert erfahren sie, welche Behörde für ihr Anliegen zuständig ist, welche Unterlagen sie benötigen und wie das Verfahren abläuft, sie können Formulare herunterladen oder teilweise bereits online Anträge stellen. Bis Ende 2009 sollen alle niedersächsischen Kommunen angeschlossen sein. Parallel dazu wird am Ausbau der Online-Verfahren gearbeitet, damit immer mehr Dienstleistungen via Internet erledigt werden können.

Die Präsentationen aus dem Wissenschaftsbereich zeigten ebenfalls, wie sehr die IT unser Leben begleitet und in vielen Bereichen erleichtert: So die Forschungsergebnisse im Bereich intelligenter Suchmaschinen oder für ein modernes Wissensmanagement für das Web 2.0 mit dem Namen "GroupMe!” – beides von der Leibniz Universität Hannover vorgestellt –, der von der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen entwickelte vollautomatische Scan-Roboter, mit dem dort nun wertvolle Bücher besonders schonend eingescannt werden, oder ein von der TU Clausthal entwickeltes softwaregestütztes Training im Biathlon und Skilanglauf.

Dass Wissenschaft und Verwaltung ihre Innovationen im Bereich IT-unterstützter Prozesse auf der CeBIT auf einem gemeinsamen Stand präsentieren, macht Sinn. "Die Wissenschaft kann uns eine Vorstellung davon geben, welche Möglichkeiten die IT der Verwaltung in Zukunft bietet”, sagt der IT-Bevollmächtigte (CIO) des Landes Niedersachsen, Dr. Christoph Lahmann.

Meine Mutter hätte sich wohl vor allem für die Ergebnisse des Niedersächsischen Forschungsnetzwerkes zur Gestaltung altersgerechter Lebenswelten (GAL) interessiert. In einem kleinen Raum konnten die Besucherinnen und Besucher des Gemeinschaftsstandes erfahren, wie intelligent vernetzte elektronische Helfer alten Menschen ein selbstständiges Leben ermöglichen – auch das ein Zukunftsmarkt für die IT-Industrie.

Weitere Infos unter www.cebit-niedersachsen.de. Zum Bürger- und Unternehmensservice, den bereits bestehenden e-Government-Verfahren des Landes Niedersachsen und anderen wichtigen Services und Informationen gelangt man über www.service.niedersachsen.de.

Heinke Liere

ReformZeit 1 / April 2008

"Niedersachsen auf der CeBIT2008 - Wie IT vor Sturmfluten schützt"

Landesverwaltung, Justiz, Polizei und Behörden Niedersachsens präsentierten Fachanwendungen, eGovernment-Lösungen, eLearning-Strategien und -Programme sowie Konzepte für die IT-Infrastruktur der Zukunft.

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