ReformZeit Niedersachen klar Logo

Bürgerservice im Fokus des eGovernment

Niedersächsischer Gemeinschaftsstand zeigt IT-Lösungen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung


cebit
Wirtschaftsminister Dr. Philipp Rösler informierte sich bei CIO Dr. Christoph Lahmann und Thomas Knaak (2. Foto, v. li.) auf dem Niedersachsenstand über die Bürgerservices des Landes.

"Bürger trifft Behörde" – so lautete das Motto des Wochenend-Specials, bei dem CeBIT-Besucherinnen und Besucher dazu eingeladen waren, sich im Public Sector Parc die neuesten IT-Lösungen bei der Kommunikation zwischen Bürgern und Verwaltungen anzusehen und zu erfahren, wie einfach, schnell und effizient die Kommunikation mit dem Staat sein kann.

Noch jedoch scheinen Bürgerwünsche und Behördenangebote nicht immer deckungsgleich zu sein. "eGovernment bedeutet nicht automatisch bürgernah und ist auch kein Synonym für schlanke Verwaltung. Wir dürfen nie die Zielgruppe aus den Augen verlieren”, sagte der CIO des Landes, Dr. Christoph Lahmann, vor rund 300 Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern sowie IT-Verantwortlichen auf dem CeBIT-Kommunaltag am 4. März. Gerade vor Ort in den Kommunen lägen die Herausforderungen und Chancen für bürgernahes und zielgruppenorientiertes eGovernment. Dr. Lahmann verwies auf die elf bereits mit den kommunalen Spitzenverbänden vereinbarten eGovernment-Projekte des Landes, zum Beispiel den Zuständigkeitsfinder BUS, und sprach auch die interaktive Seite des Internet an. Das Web 2.0 biete den Bürgern ganz neue Möglichkeiten zur Beteiligung an kommunalen Entscheidungen, etwa bei der Diskussion um Bebauungspläne. "Wir müssen gute Lösungen finden. Sonst haben wir eGovernment, und keiner geht hin”, resümierte der CIO.

Im Anschluss an das Forum waren die Bürgermeister dazu eingeladen, sich auf dem niedersächsischen Gemeinschaftsstand im Public Sector Parc über beispielhafte IT-Lösungen zu informieren. So stellte die Stadt Hannover ihre bürgerfreundlichen Online-Services und Beteiligungsmöglichkeiten vor, das Innenministerium präsentierte seine landeseinheitliche IT-Lösung zur EU-Dienstleistungsrichtlinie (siehe unten) und das "Breitband Kompetenz Zentrum Niedersachsen” informierte über seine Aktivitäten zum Ausbau der DSL-Versorgung in Niedersachsen – und kann sich nun über unerwartete Unterstützung vom Bund freuen. Nicht nur, weil Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der CeBIT die Bedeutung der Breitbandversorgung für das wirtschaftliche Wachstum unterstrich, sondern auch, weil im Rahmen des Konjunkturprogramms II in diesem und im kommenden Jahr insgesamt 50 Millionen Euro zusätzlich zum Ausbau des Breitbandnetzes nach Niedersachsen fließen. Ziel ist, bis Ende 2010 die bislang nicht versorgten Gebiete mit leistungsfähigen DSL-Anschlüssen abzudecken und bis spätestens 2014 insgesamt 75 Prozent der Haushalte mit Übertragungsraten von mindestens 50 Megabit pro Sekunde zu versorgen. Noch gelten 30 Prozent der Haushalte als unterversorgt.

Neues Datennetz für die Landesverwaltung

Neben weiteren IT-Lösungen niedersächsischer Unternehmen und aus dem Bereich der Wissenschaft wurde auf dem Gemeinschaftsstand des Landes noch eine andere weitreichende Neuerung vorgestellt: die Zusammenführung von Sprach- und Datenkommunikation innerhalb der Landesverwaltung. Modernste Technik ermöglicht es, zukünftig sowohl Telefonate als auch netzwerkabhängige Computerdienste wie Internetanwendungen, E-Mail oder Datensicherungen über gemeinsam genutzte Datenleitungen zu führen. Am 6. März unterschrieb Innenminister Uwe Schünemann auf der CeBIT den entsprechenden Vertrag mit der Oldenburger Firma EWE TEL. Nach einer mehr als dreijährigen Vorbereitungszeit steht damit der neue Generalunternehmer für die Bereitstellung der Telekommunikationsinfrastruktur fest. Das niedersächsische Unternehmen, das über ein eigenes Kabelnetz von rund 30.000 km Länge verfügt, hat sich im Rahmen einer EU-weiten Ausschreibung gegen fünf namhafte Mitbewerber durchgesetzt. Der Vertrag umfasst bei einer Laufzeit von sechs Jahren ein Gesamtvolumen von ca. 164 Mio. Euro. Es besteht eine Verlängerungsoption von zwei mal zwei Jahren.

Bis Ende 2012 sollen alle 75.000 Anschlüsse in rund 2.500 Liegenschaften einen Zugang zur neuen Netzinfrastruktur erhalten, inklusive Polizei, Justiz und Steuerverwaltung. Beim Telefonieren ändert sich für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zunächst wenig. Sie erhalten zwar internetprotokollfähige Telefone (Voice over IP), die Sprache in Datenpakete verwandeln, um sie über die Datenleitung zu versenden, ihre Rufnummern bleiben aber die alten. Dennoch bietet die neue Technik auch dem Nutzer neue Möglichkeiten: "Wenn jemand für einige Zeit an einem anderen Standort arbeitet, kann er sich am dortigen Gerät anmelden, ist unter seiner alten Nummer erreichbar und hat auch sofort Zugriff auf sein persönliches Telefonbuch”, erläutert Mario Schmalstieg vom Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie (LSKN), der künftig Betreiber der kompletten Infrastruktur ist. "Alle Dienststellen der Landesverwaltung können aus einem Produktkatalog wählen, erhalten definierte Leistungen und einheitliche technische Qualitäten.” Gezahlt wird eine monatliche Gebühr je Anschluss. Die Komponenten, ob die entsprechenden Telefone, die Router oder das Netz, werden vom Generalunternehmer EWE TEL geliefert. "Ein Ansatz”, so Innenminister Schünemann, "der im Vergleich zu anderen Ländern derzeit zukunftsweisend ist.”

Heinke Liere

ReformZeit 1 / März 2009

Niedersachsen stellt IT-Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie vor

Das Ziel der Europäischen Diensteistungsrichtlinie besteht darin, die Aufnahme und Ausübung von Dienstleistungen über die Landesgrenzen der Mitgliedstaaten hinweg zu erleichtern. Ein Kernpunkt ist dabei die Bereitstellung elektronischer Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten.

"eLearning ist erwachsen geworden"

Seit 2003 führt das Nds. Innenministerium mit Unterstützung des Kompetenzzentrums eLearning Niedersachsen den "Tag des eLearning" durch. In diesem Jahr fand er erstmals im Rahmen des von der Deutschen Messe AG veranstalteten „CeBIT Forum Learning & Knowledge Solutions“ statt.

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln