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Frauen brauchen Netzwerke

Mentoring für Frauen des Höheren Dienstes beendet


Mentoring sollte zukünftig als Instrument der Personalentwicklung für junge Führungskräfte genutzt werden. Damit würde sich das Coaching durch einen persönlichen "Mentor" von einem Frauenförderinstrument im klassischen Sinne wegentwickeln. Dies ist ein Fazit des Programms "Mentoring für weibliche Nachwuchskräfte im Höheren Dienst", das im Dezember vergangenen Jahres unter Beteiligung von sieben Ministerien und dem Landesrechnungshof erfolgreich abgeschlossen wurde.

Dabei war der Erfolg zunächst keineswegs so sicher gewesen, denn durch die personellen Umbesetzungen nach der Landtagswahl waren einigen der achtzehn Mentees ihre Mentoren "abhanden gekommen". "Einige Mentoren wurden nun zu Vorgesetzten ihrer Mentees – mit den Regeln des Mentoring ist das nicht vereinbar", sagt Rita Achtelik, Projektleiterin des Programms. In allen Fällen konnten neue Mentoren gewonnen werden; alle Mentees blieben dabei. Auch Dr. Dagmar Linse aus dem Wirtschaftsministerium, die das Pech hatte, gleich zweimal ihren Mentor nach jeweils drei Monaten aus unterschiedlichen Gründen zu verlieren. "Aufgrund meiner besonderen Situation hätte ich mir gewünscht, mehr Zeit mit allen Mentoren und Mentees gemeinsam zu verbringen", sagt sie im Rückblick. Für zukünftige Programme würde sie sich daher Platz für noch mehr Queraustausch wünschen.

"Den Austausch und das Einandernäherkommen über Ressortgrenzen hinweg" sieht der ehemalige Mentor Ansgar Holzknecht aus dem Umweltministerium als einen großen Gewinn des Mentoring-Programms an. "Ein besseres Zusammenwirken dürfte auch zu einer schlankeren effektiveren Verwaltung führen", so seine Vermutung. Nützlich sei auch die professionelle externe Begleitung durch Beobachten, Intervention, Strukturierung und Steuerung gewesen. "Zukünftig werden wir diese Begleitung selbst durchführen können", sagt Rita Achtelik. Im Rahmen des Projektes konnten viele wertvolle Erfahrungen gesammelt werden, die die Mentees weiter nutzen können. Die Erweiterung ihrer Netzwerke haben die Frauen als Gewinn verbucht. "Die Netzwerke einer Männergesellschaft sollten Frauen nicht zur Nachahmung empfohlen werden. Eine Gesellschaft, die Berufstätigkeit und Familientätigkeit gleichermaßen partnerschaftlich teilen möchte, braucht andere Netzwerke", meint Ansgar Holzknecht. Ein Mentoring-Programm für Männer und Frauen gemeinsam wäre ein nützlicher Baustein. "Ich halte Mentoring bzw. Coaching für das wirksamste Instrument, um sich möglichst schnell in einer neuen Situation zurechtzufinden", sagt auch Dagmar Linse, die ursprünglich in der "Zentrale für amtliches Materialprüfwesen" gearbeitet hat. Als Instrument sollte Mentoring daher allen Führungsnachwuchskräften und Neueinsteigern zur Verfügung stehen.

Dieser Tendenz wird man in den einzelnen Ressorts in Zukunft folgen, bestätigt Rita Achtelik. Die Mentoring-Programme sollen weitergeführt werden, nun für Frauen des gehobenen Dienstes. Die erforderlichen Mittel stehen jedenfalls schon bereit.
Birgit Freudenthal

ReformZeit Nr.2/ April 2004

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