ReformZeit Niedersachen klar Logo

Die notwendigen Veränderungsprozesse positiv gestalten

Modelldienststellen machen gute Erfahrungen mit Gesundheitsförderung als Managementinstrument


"Das Gesundheitsmanagement wird dazu beitragen, die notwendigen Veränderungsprozesse positiv zu gestalten: Mit dem Gesundheitsmanagement können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter alle Bedingungen, unter denen sie arbeiten, mit beeinflussen. Das Verhalten und die Verhältnisse werden auf den Prüfstand gestellt. Das nutzt jeder und jedem Einzelnen, aber natürlich auch dem Land. Daher unterstützen wir die Einführung dieses Managementinstrumentes."

Staatssekretär Wolfgang Meyerding, Leiter der Stabsstelle Verwaltungsmodernisierung

Netzwerktreffen Gesundheitsmanagement
Vertreterinnen und Vertreter der Modellbehörden beim Netzwerktreffen

Arbeitsverdichtung, neue Aufgaben und neue Arbeitsstrukturen: Seit Jahren verändern sich die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten. Gesundheitsmanagement soll auch dazu beitragen, unvermeidliche Belastungen aus den Veränderungsprozessen zu bearbeiten und damit die Folgen des Wandels abzumildern. Zu den vom MI geförderten 30 Modelldienststellen gehören drei Finanzämter und die Medizinische Hochschule Hannover (MHH).

Die Finanzämter Aurich und Leer in Ostfriesland sowie Nienburg/Weser haben 2001 im Rahmen des Projektes "Finanzamt 2003" beschlossen, ein Gesundheitsmanagement aufzubauen, um die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten trotz steigender Anforderungen gesundheitsförderlich zu gestalten. Mit messbarem Erfolg. Anhand von Mitarbeiterbefragungen kann eine Verbesserung des Arbeitsklimas und eine erhöhte Mitarbeitermotivation festgestellt werden. Während des Projektverlaufes zeigte sich eine Problem-Hierarchie. "Zuerst werden die Verhältnisse wie Ausstattung oder Sauberkeit bemängelt, anschließend setzt man sich mit Defiziten im Verhalten von Vorgesetzten und im Bereich der Kommunikation auseinander", berichtet Eckehard Lamberts, Leiter des Finanzamtes Leer.

Führungsverhalten auf dem Prüfstand

Nachdem in den Finanzämtern die Verhältnisse soweit möglich verbessert wurden, ist man nun dabei, sich mit dem Thema Führungsverhalten auseinander zu setzen. Im Rahmen eines Workshops werden die Sachgebietsleiter von externen Experten in Kommunikation und Konfliktmanagement geschult. "Gerade bei den Führungskräften, aber auch bei Mitarbeitern gibt es noch immer erhebliche Vorbehalte", sagt Lamberts. Das Gute am Gesundheitsmanagement sei, dass es zu 90 Prozent Organisations- und Personalentwicklung bedeute und den Beschäftigten die Möglichkeit biete, das eigene Arbeitsumfeld mitzugestalten. Dazu müsse das Instrument aber über alle Hierarchieebenen hinweg ernsthaft Unterstützung finden.

Qualitätssicherung durch Gesundheitsmanagement

Die Medizinische Hochschule Hannover hat Ende 2002 beschlossen, ein ganzheitliches Gesundheitsmanagement einzuführen und damit bereits vorhandene Einzelaktivitäten zu bündeln. Der Bedarf ist da: "Auf jeder Station gibt es Beschäftigte, die nicht voll belastbar sind. Je dünner die Personaldecke wird, desto weniger kann man noch auffangen", berichtet Michael Born, Leiter der Personalentwicklung. Das Gesundheitsmanagement soll dazu beitragen, die Gesundheit und damit Belastbarkeit sowie die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu steigern und dauerhaft sicherzustellen – auch vor dem Hintergrund anstehender Reorganisationsmaßnahmen des Betriebes mit insgesamt 7.000 Beschäftigten. Ein weiterer Aspekt ist die Qualitätssicherung. "Eine hohe Qualität der Dienstleistung kann nur erreicht werden, wenn jeder Einzelne hervorragendes leistet", sagt der Personalentwickler. Dafür sind aber optimale Arbeitsbedingungen die Voraussetzung.

Fünf Gesundheitsmanagement-Projekte werden zurzeit in der MHH durchgeführt, wobei eines der Projektsteuerung dient und kontinuierlich mitläuft. So wird dort etwa eine so genannte "healthy scorecard" entwickelt, ein Kennzahlensystem, mit dem gesundheitsrelevante Entwicklungen erkannt und gesteuert werden können. Die übrigen vier Projekte führen das Gesundheitsmanagement in Pilotbereichen ein: in der Küche, Zentralsterilisation, Rheumatologie und einer Pflegestation in der Inneren Medizin. Die Probleme sind hier völlig unterschiedlich. Während zum Beispiel in der Küche die körperliche Arbeit eine herausragende Rolle spielt, sind dies auf der Station für Knochenmarktransplantationen verstärkt psychische Belastungen. Schritt für Schritt soll das Gesundheitsmanagement flächendeckend eingeführt werden. Die Personalentwicklung ist als Teil der Hochschulstrategie im Leitbild festgeschrieben; verantwortlich für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sind die Führungskräfte. Damit die Einführung des Gesundheitsmanagements erfolgreich ist, bieten die Personalentwickler der Medizinischen Hochschule Hilfe zur Selbsthilfe, erläutern, wie man Schwachstellenanalysen durchführt, wie Ziele definiert und messbar gemacht werden können.

Letztendlich profitieren von der gesundheitsförderlichen Gestaltung der innerbetrieblichen Abläufe alle: der Arbeitgeber, die Arbeitnehmer und nicht zuletzt die Patientinnen und Patienten.
Heinke Liere

ReformZeit Nr. 3/ August 2004

Gesundheitsmanagement
Aufbau Gesundheitsmanagement - Der Projektverlauf

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln