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„Für mich hätte es nicht besser laufen können!“

Reformbetroffene haben die Möglichkeit zur beruflichen Veränderung genutzt – und sind zufrieden


Erfahrungen mit der Jobbörse
Sonja Knieke, Jolanda Bertz und Caroline Borth (von links) haben ihre Chance erkannt und genutzt.

Auch wenn die Bezirksregierungen erst zum Jahresende aufgelöst werden, bereits jetzt können sich potenziell reformbetroffene Beschäftigte bei der Job-Börse melden, um so einen neuen Arbeitsplatz zu finden.

Caroline Borth nahm für ihre neue Stelle an der Niedersächsischen Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege in Hildesheim einen Dienstortwechsel in Kauf. "Auf eigenen Wunsch", wie sie bestätigt. Mit 28 Jahren noch relativ jung und kinderlos habe sie damit rechnen müssen, ohnehin versetzt zu werden. "Da wollte ich möglichst selbst entscheiden, wohin", sagt Caroline Borth. Von ihrem Wohnort im Kreis Peine fuhr sie früher an ihren Arbeitsplatz zur Bezirksregierung Braunschweig, wo sie im Bereich Wirtschaftsförderung arbeitete. Jetzt, seit Juni dieses Jahres, befasst sie sich mit Personalsachbearbeitung. "Das Aufgabengebiet finde ich interessant, deswegen habe ich mich gleich informiert, als ich im November letzten Jahres von der offenen Stelle erfuhr." Caroline Borth nahm zunächst Kontakt zur Job-Börse Braunschweig auf.

"Da die vier Vermittlungsstellen der Job-Börsen gut zusammenarbeiten, klappte die Vermittlung in den Bereich Hannover", sagt Stefan Schroeder von der Job-Börse Braunschweig. Vorrangiges Merkmal für die Vermittlung ist der Verlust des Dienstpostens oder Arbeitsplatzes. Wer genau betroffen sei, werde sich vor allem bei den Bezirksregierungen erst nach deren Abschaffung zeigen; und zwar anhand einer Sozialauswahl, welche die aufnehmenden Behörden durchführen. "Wir entscheiden aber momentan im Sinne der arbeitssuchenden Beschäftigten – zusammen mit den Dienststellen", sagt Stefan Schroeder.

So wie bei Jolanda Bertz: Ihr Arbeitsplatz im Staatlichen Baumanagement Braunschweig I war entbehrlich geworden. Über die Job-Börse fand sie eine neue Stelle in der Hochschule für Bildende Künste an ihrem bisherigen Dienstort. Ein Ortswechsel kam für sie nicht infrage. "Für meine Teilzeitstelle fahre ich bereits täglich 50 Kilometer", sagt Jolanda Bertz. Allerdings hatte ihre neue Stelle einen Haken: Als Elternzeitvertretung war sie auf ein Jahr befristet. "Für mich hat eine unbefristete Perspektive aber den höchsten Stellenwert", sagt Jolanda Bertz. Weswegen sie nach nur vier Monaten erneut die Stelle wechselte, diesmal ins Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Für Karin Dorn war es ein "komisches Gefühl", nach 20 Jahren ihren Arbeitsplatz beim Städtebaukataster in der Bezirksregierung Weser-Ems zu verlassen. Nicht zu wissen, was aus ihrer Stelle einmal werden würde, habe sie durchaus als bedrohlich empfunden. Als sie zufällig erfuhr, dass die Universität Oldenburg jemanden für die Betreuung des eigenen Gästehauses suchte, wurde sie gleich neugierig. "Das Gästehaus ist nämlich bei mir um die Ecke, und außerdem kannte ich die bisherige Stelleninhaberin", sagt Karin Dorn. Den Kontakt hatte die Katze Karin Dorns "hergestellt", indem sie es sich bereits vor geraumer Zeit im Gästehaus gemütlich gemacht hatte. "Im nachhinein kam es mir so vor, als hätte meine Katze hier Schicksal gespielt." Für die neue Stelle ermöglichte ihr die Job-Börse noch einen Englischkurs; Kenntnisse in Buchführung und Organisation brachte Karin Dorn aus ihrem ehrenamtlichen Engagement mit. "Für mich hätte es nicht besser laufen können!", sagt sie rückblickend.

"Wir begrüßen es, wenn Beschäftigte selbst aktiv werden", meint Stefan Schroeder. Ängste könnten so leichter abgebaut werden. Sonja Knieke kam durch die Job-Börse sogar wieder an ihren alten Dienstort, der zugleich Wohnort ist, zurück. Die Polizeiangestellte war zunächst von der kleinen Polizeiinspektion Helmstedt nach Hannover abgeordnet worden. Eine Weiterbildung im Rahmen des Polizeimentoring-Programms hatte ihr die Möglichkeit auf berufliche Veränderung eröffnet. Täglich fuhr Sonja Knieke nun insgesamt 220 Kilometer – "für eine sehr interessante Arbeit", wie sie feststellt. Jetzt wechselt sie erneut: ins Sekretariat des Studienseminars für Lehramtskandidaten zurück nach Helmstedt. Die Reformbetroffenheit war gegeben, weil die PI Helmstedt verkleinert werden sollte. "Verwaltung arbeitet überall ähnlich; es gibt so viele Parallelen", sagt die Polizeiangestellte. "Dies kann ich für mich als Beschäftigte gut nutzen."
Birgit Freudenthal

ReformZeit Nr. 3/ August 2004

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