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„Wir machen das freiwillig…“

Modellprojekt „Rechtliche Betreuung“ in Osnabrück erfolgreich


rechtliche Betreuer
Arbeiten seit Februar als rechtliche Betreuer: Ilse Klausmeier, Gisela Kuhn, Lothar Gaede und Holger Loeck (von links); es fehlt Erhard Leder.

Sie machen Behördengänge, kümmern sich um Finanzen oder erforderliche Arztbesuche: Fünf Beschäftigte des Versorgungsamtes Oldenburg, Außenstelle Osnabrück, arbeiten seit Februar dieses Jahres als rechtliche Betreuer hilfsbedürftiger Menschen. Sie ergänzen damit das bestehende Angebot der örtlichen Betreuungsvereine und freiberuflich tätigen Berufsbetreuer.

Für ihr gänzlich neues Aufgabenfeld erhielten die fünf Beschäftigten des Versorgungsamtes eine Einführung durch das Vormundschaftsgericht in das Betreuungsrecht. Weitere Sachgebiete erarbeitete man sich in Eigeninitiative. "Die Betreuung erfordert umfangreiche Kenntnisse des Betreuungsrechts, gute Kenntnisse des Sozialrechts und Kenntnisse des Privatrechts", sagt Karl-Heinz Josten vom Niedersächsischen Landesamt für Zentrale Soziale Aufgaben. Die Ansprüche an Betreuerinnen und Betreuer seien hoch; sie müssen zeitlich flexibel sein, außerdem belastbar und über ausgeprägte soziale Kompetenzen verfügen. Deswegen wird auf die Freiwilligkeit im Projekt größten Wert gelegt. "Für mich steht das Interesse, mit Menschen direkt zu arbeiten, an erster Stelle", sagt Holger Loeck auf die Frage, warum er sich für die Teilnahme am Projekt entschieden hat. Regelmäßiger Erfahrungsaustausch in der Gruppe und die Anbindung an die Betreuungsstellen der Stadt sowie der Kontakt mit den zuständigen Gerichten unterstützen die Betreuer in ihrer Arbeit.

Die so genannte rechtliche Betreuung von hilfsbedürftigen Menschen ist an die Stelle der früheren Entmündigung, Vormundschaft und Pflegschaft für Volljährige getreten. Betroffen sind Erwachsene, die aufgrund einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung ihre Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht selbst besorgen können. Die Zahl der Betreuungen stieg in Niedersachsen von 80.000 im Jahr 1998 auf 113.000 in 2002 – Tendenz weiter steigend. Der wachsende Bedarf sei einer der Gründe, warum man das Modellprojekt als sinnvolle Ergänzung und nicht als Konkurrenz für die bereits arbeitenden Betreuer sehe, sagt Karl-Heinz Josten. "Wesentliches Ziel ist auch, die steigenden Kosten für die Betreuung im Zaum zu halten." Denkbar wäre die Arbeit als Betreuer für Reformbetroffene – bei entsprechender Eignung. Für die Vermittlung eines Betreuungsverhältnisses sind die Betreuungsstellen von Städten, Gemeinden und Landkreisen zuständig. Auf Vorschlag dieser Stellen werden die Betreuer durch das Vormundschaftsgericht nach vorheriger Anhörung bestellt. Die Gerichte sind es auch, die allein über die Zuweisung von Fällen entscheiden.

Seit Februar dieses Jahres hat das Gericht den Betreuerinnen und Betreuern des Modellprojektes insgesamt mehr als 50 Fälle übertragen. Einmal jährlich ist der Betreuer dem Gericht zur Rechnungslegung verpflichtet, sofern auch die Vermögenssorge zum Wirkungskreis des Betreuers gehört. Für ihre Arbeit können die fünf die bestehende Infrastruktur des Versorgungsamtes nutzen, darüber hinaus ist der persönliche Kontakt am "Aufenthaltsort des Betreuten", wie es im Gesetz heißt, mindestens einmal monatlich vorgesehen. "Wenn ich jüngere Menschen betreue, die zum Beispiel arbeitslos sind, reicht das natürlich nicht aus", sagt Holger Loeck. Ziel der Betreuung ist es, den Betreuten in die Selbstständigkeit seiner Lebensführung zurück zu begleiten.
Birgit Freudenthal

ReformZeit Nr. 4/ Oktober 2004

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