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Kooperieren statt konkurrieren

Universität Hannover setzt auf integriertes Gesundheitsmanagement


Gesundheitsmanagement bei der Uni Hannover
Die Arbeitswissenschaftlerin Dr. Elisabeth Wienemann sowie die Sicherheitsingenieurinnen Dr. Heike Rupp-Brunswig und Annelie Kuhnke auf dem Gesundheitstag am 8. Dezember 2005.

"Uns geht es im ersten Schritt darum, die bestehenden Angebote im Bereich Gesundheit zusammenzuführen", erläutert Dr. Elisabeth Wienemann vom Weiterbildungsstudium Arbeitswissenschaft das Konzept zum integrierten Gesundheitsmanagement der Universität Hannover.

Bereits 2003 trafen sich die Vertreterinnen und Vertreter von insgesamt 19 universitären Einrichtungen zu einem Start-up-Workshop und stellten ihre Aktivitäten im Bereich der Gesundheitsförderung vor. Dazu zählten nicht nur Arbeitsschutz, Betriebsärzte und Suchtbeauftragte, sondern auch das Zentrum für Hochschulsport, die Personalräte und das Dezernat für Organisations- und Personalentwicklung.

"Wir wollten zunächst einmal herausfinden, was die einzelnen Einrichtungen an Gesundheitsförderung bereits einbringen, um deren Aktivitäten zusammenzuführen und uns auf die Suche nach sinnvollen Ergänzungen machen zu können", so Wienemann. Denn die Praxis habe gezeigt, dass die konkrete Zusammenarbeit zwischen all den Einrichtungen im Alltag nicht immer ganz reibungslos verlaufe. Wichtig war, eine Managementebene zu installieren, die die Verantwortung für das Gesundheitsmanagement übernahm. Ein Beirat unter der Leitung des Vizepräsidenten für Verwaltung und Finanzen, Günter Scholz, koordinierte die Angebote der einzelnen Anbieter und entwickelte eine Struktur für Gesundheitsmanagement an der Uni Hannover, die am 21. Februar dieses Jahres beschlossen wurde.

In einer Organisationseinheit Gesundheitsmanagement sollen künftig die Stabsstellen Arbeits- und Umweltschutz, die Betriebsärzte und die Suchtbeauftragte sowie die Stelle eines Koordinators bzw. einer Koordinatorin angesiedelt sein. Für die Beratung, die Festlegung der Ziele und Maßnahmen sowie für die Initiierung von Projekten im Bereich des Gesundheitsschutzes und der Gesundheitsförderung ist künftig der "Ausschuss für Arbeitsschutz und Gesundheit" zuständig, der zugleich die gesetzlichen Aufgaben wahrnimmt.

Dr. Elisabeth Wienemann ist von dem Konzept des integrierten Gesundheitsmanagements überzeugt, weil es gewachsene Strukturen berücksichtigt und die bestehenden Aktivitäten mit einbezieht. Bislang hätten unterschiedliche Fachleute, wie zum Beispiel Betriebsärzte, Sicherheitsingenieure oder Personalräte, unabhängig voneinander einen Arbeitsplatz allein unter ihrem fachspezifischen Blickwinkel betrachtet und bewertet. "Wie oft wir einander nicht wahrgenommen haben, wurde uns erst richtig im Auftaktworkshop bewusst", erinnert sich Wienemann. Aus diesem Grund zweifelt sie auch an dem Erfolg rein projektbezogener Arbeit: "Häufig laufen die Projekte an den bestehenden Angeboten und Einrichtungen vorbei; Teile der Organisation bleiben somit unter Umständen ausgeschlossen." Es sei wichtig, die intern bestehenden Kompetenzen zu nutzen und zu stärken. Bei einem konkreten gesundheitsrelevanten Problem entscheidet nun der Ausschuss darüber, wie dieses mit welchen Mitteln gelöst werden kann, ob zum Beispiel ein Gesundheitszirkel sinnvoll sein könnte oder aber eine andere Maßnahme. "Weil die Aktivitäten aller Akteure bekannt sind, können wir den bestmöglichen Weg, die beste Methode finden, das Problem zu lösen", betont die Arbeitswissenschaftlerin. Ziel sind abgestimmte Konzepte des Arbeits- und Gesundheitsschutzes, der Suchtprävention und der Gesundheitsförderung.

Auch mit externen Fachleuten wird kooperiert, zum Beispiel mit der Gewerbeaufsicht, der Unfallversicherung oder mit Krankenkassen. Zudem findet ein reger Austausch über den "Arbeitskreis Gesundheitsfördernde Hochschule" statt. "Gesundheitsmanagement in diesem Sinne ist Organisationsentwicklung", betont Elisabeth Wienemann.

Das Niedersächsische Ministerium für Inneres und Sport fördert drei Bausteine des Projektes: eine Workshopreihe zu den Grundlagen des betrieblichen Gesundheitsmanagements, an der Kolleginnen und Kollegen aller mit Gesundheit befassten Bereiche teilnehmen; ein Workshop zur Führungskräfteentwicklung sowie eine Reihe, in der die Instrumente für die beteiligungsorientierte Erhebung von Belastungen vermittelt werden. Denn für 2006 ist auch eine Bestandsaufnahme gesundheitlicher Belastungen und Risiken geplant.

Für die Zukunft möchte Dr. Elisabeth Wienemann, dass das Gesundheitsmanagement zum festen Bestandteil des Organisationsentwicklungsprozesses, aber auch für die Studentinnen und Studenten als Thema wichtiger wird. "Deren Belastungen nehmen in den neuen Studienstrukturen weiter zu, und außerdem haben wir es hierbei mit den Führungskräften von morgen zu tun."

Heinke Liere
ReformZeit Nr. 1/ März 2006

Gesundheitstag

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