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"Wir sind eine moderne Verwaltung"

Servicezentrum Landentwicklung profitiert seit 2002 von Telearbeit


Servicezentrum Landentwicklung
Mit ReformZeit sprachen (v.li.): Uwe Eike, Georg Steczek, Jens Mennecke, Martin Framme, Marcus Hoffmann, Eckhard Bartscht und Ralf Hahn.

Eines wird schnell deutlich im Servicezentrum Landentwicklung und Agrarförderung (SLA): Wenn es um Telearbeit geht, ziehen alle an einem Strang. Ob Behördenleitung, Schwerbehindertenvertreter, Personalratsvorsitzender, IT-Betreuer, Telemanager, Kolleginnen und Kollegen und nicht zuletzt die Telearbeitenden selbst, sie alle sind von dieser Arbeitsform begeistert und loben deren Vorteile – für den einzelnen Beschäftigten, aber auch für die Dienststelle.

Das Servicezentrum, früher Teil des Amts für Agrarstruktur Hannover und heute bei der "Behörde für Geoinformation, Landentwicklung und Liegenschaften" (GLL) beheimatet, entwickelt Fachanwendungen für Agrarförderung und Landentwicklung. Entsprechend spezialisiert ist die Arbeit der rund 120 Beschäftigten. "Da Aufstiegsmöglichkeiten oder Leistungsprämien immer weniger geworden sind, ist es umso wichtiger, gute Arbeitsbedingungen zu schaffen, um qualifizierte Mitarbeiter zu motivieren und zu halten", sagt Behördenkoordinator Jens Mennecke. Und Telearbeit sei da ein wichtiger Faktor.

Seit 2002 gibt es beim SLA Telearbeit. Um Ausschreibung, Informationen, technische Fragen und vieles mehr kümmert sich seit Beginn die Arbeitsgruppe Telearbeit, zu der neben den Interessenvertretungen auch IuK-Experten gehören. Die Motive, sich für Telearbeit zu entscheiden, entsprechen denen anderer Behörden. An erster Stelle stehen familiäre Gründe, an zweiter die Vermeidung langer Anfahrtswege.

Zunächst wurden fünf Plätze eingerichtet, wobei die Telearbeitenden aus völlig verschiedenen Dezernaten stammten und somit unterschiedliche Aufgaben zu erledigen hatten. "Natürlich hat es zuerst Vorbehalte gegeben", erinnert sich der Leiter der Arbeitsgruppe Telearbeit, Martin Framme. "Vor allem fürchteten die Kolleginnen und Kollegen der Telearbeitenden, zusätzliche Arbeit übernehmen zu müssen." Aber das habe sich schnell gelegt. Heute sei Telearbeit beim SLA eine ganz normale Arbeitsform. "Wir sind eine technisch und organisatorisch moderne Verwaltung, das ist sicherlich für den Erfolg mit verantwortlich", sagt Dezernatsleiter und Telemanager Eckhard Bartscht. Anwendungen werden in der Regel projektbezogen und im Team entwickelt, wobei auch dezernatsübergreifend gearbeitet wird. Konkrete Absprachen und die Arbeit nach Zielvorgaben waren somit schon immer wichtig. "Die Ergebnisorientierung verringert das Risiko, dass Telearbeitende zu viel oder zu wenig arbeiten", sagt der Personalratsvorsitzende Georg Steczek. "Zudem müssen sie sich wie alle anderen auch ein- und ausstempeln."

Telearbeit ist teamfördernd

Eine Ende 2003 durchgeführte Bewertung der Einführung ergab, dass Telearbeit sogar teamfördernd ist, weil Arbeitsprozesse, Aufgaben und Organisatorisches klarer strukturiert und besser aufeinander abgestimmt werden müssen. Kein Wunder also, dass alle fünf Telearbeitenden nach drei Jahren weitermachen wollten. So wie Marcus Hoffmann, der Familie und Beruf besser vereinbaren kann, wenn er einen Teil der Arbeit zu Hause erledigt und sich außerdem an drei Tagen in der Woche rund viereinhalb Stunden Fahrtzeit spart. Während er zu Hause in erster Linie konzentriert programmiert, nutzt er die Zeit in der Dienststelle für Planungen und Absprachen. Was sich geändert habe, sei die Art der Kommunikation – neben der Selbstdisziplin eine der wichtigsten Voraussetzungen für Telearbeitende.

Ein Team ist sogar dermaßen von den Vorzügen dieser Arbeitsform begeistert, dass künftig vier von fünf Team-Kolleginnen und -Kollegen teilweise zu Hause arbeiten wollen. Damit die Zusammenarbeit trotzdem funktioniert, haben sie ein eigenes Arbeitsmodell entwickelt. "Wir treffen für jeden Fall individuelle Vereinbarungen. Wichtig ist, dass unterm Strich beide profitieren: die Mitarbeiter und die Dienststelle", so Behördenkoordinator Mennecke. Solange das Gesamtgefüge laufe, seien viele Varianten denkbar.

Durch die Umstrukturierung der Behördenlandschaft wurde der Ausbau von Telearbeit im SLA Anfang 2004 zunächst einmal ausgesetzt und erst jetzt wieder aufgenommen. Auf eine Ausschreibung hin haben sich letztlich 14 weitere Beschäftigte ernsthaft beworben. Die meisten Anträge werden wohl auch bewilligt. Dann nutzen über zehn Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diese Arbeitsform. "Eine Quote, die nicht nur von den Beschäftigten eine gewisse Reife und Kompetenz fordert, sondern auch von der Führung und der Organisation", sagt Jens Mennecke.

Ein wichtiger Punkt, der im Zusammenhang mit Telearbeit immer wieder genannt wird, ist die Wirtschaftlichkeit. Das SLA hat eine Zielvereinbarung mit dem Innenministerium abgeschlossen, um zu belegen, dass sich Telearbeit rechnet. Wirtschaftlichkeit bedeute in diesem Zusammenhang, Aufwand und Nutzen ins Verhältnis zu setzen, wie Mennecke betont. "Wenn eine Kollegin aufgrund ihrer Fahrtzeit sonst den Job gewechselt hätte, halten wir deren Know-how und sparen die Einarbeitung einer neuen Fachkraft". Zurzeit überlegt sich die Arbeitsgruppe, wie man solche und ähnliche "weiche" Faktoren darstellen kann. Auch "Desk-Sharing", also das gemeinsame Nutzen von Arbeitsplätzen, kommt in Betracht. "Sollte dadurch ein Raum frei werden, können wir ihn gut für Besprechungen nutzen", sagt Martin Framme.

Heinke Liere
ReformZeit Nr. 1/ März 2006

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