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Gesundheitsmanagement verbessert Arbeitsbedingungen

Erfahrungen durchweg positiv – Ausbau geht in die dritte Phase


Gesundheitsmanagement

Mit einem Kabinettsbeschluss und einer Vereinbarung mit den Gewerkschaften nach § 81 NPersVG wurde im November 2002 die Grundlage zur Umsetzung des Gesundheitsmanagements in der Landesverwaltung geschaffen. Am 31. Januar nahm die Landesregierung nun den Bericht über die Ausbauphase des Gesundheitsmanagements von 2002 bis 2004 zur Kenntnis.

Das Fazit nach der zweiten Ausbauphase: Gesundheitsmanagement trägt dazu bei, die Motivation, Gesundheit und Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landesverwaltung zu erhöhen und somit krankheitsbedingte Fehlzeiten zu verringern. "Damit sind die Folgen des Gesundheitsmanagements sichtbar, das einerseits die Arbeitsbedingungen unter Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verbessert und andererseits das individuelle Gesundheitsverhalten fördert und Fähigkeiten zur Bewältigung von Anforderungen stärkt", sagte Innenminister Uwe Schünemann anlässlich der Kabinettsunterrichtung. Aufgrund der positiven Erfahrungen der Modelldienststellen unterstützt er in den kommenden Jahren den weiteren Ausbau von Gesundheitsmanagement.

Unter anderem sollen bis 2008 das Steuerungsmodell weiterentwickelt, die internen Beratungskapazitäten und -kompetenzen erweitert und – gemeinsam mit den Gewerkschaften – ein Konzept für eine landesweite Krankenstandsstatistik erarbeitet werden. Neu ist zudem, dass künftig Vertreterinnen und Vertreter aller Ressorts Mitglieder der landesweiten Steuerungsgruppe sind, wodurch die Ressorts künftig an allen Entscheidungen des Gesundheitsmanagements – insbesondere über die Förderung von Projekten – beteiligt sind. Die zentrale Projektsteuerung und die Geschäftsführung liegen in der Verantwortung der Stabsstelle Verwaltungsmodernisierung.

Erste zarte Triebe zum Aufbau eines Gesundheitsmanagements in der niedersächsischen Landesverwaltung entwickelten sich 1997, als das Thema im Rahmenkonzept zur Personalentwicklung konzeptionell verankert wurde und damit Bestandteil der Verwaltungsmodernisierung wurde. 1999 wurde eine ressortübergreifende Projektgruppe eingerichtet. Ergebnis der Projektarbeit war der "Leitfaden zur Umsetzung von Gesundheitsmanagement in den Dienststellen des Landes Niedersachsen". Ein Kabinettsbeschluss und eine Vereinbarung nach § 81 NPersVG vom November 2002 griffen die Inhalte des Leitfadens auf und konkretisierten die weiteren Schritte des Ausbaus von Gesundheitsmanagement für den Zeitraum bis 2004.

Die zweijährige Ausbauphase diente dazu, die Strukturen zur Steuerung, Qualitätssicherung und Weiterentwicklung des Gesundheitsmanagements aufzubauen sowie dezentrale Modellprojekte zu fördern. "Wir haben das Gesundheitsmanagement auf eine breite und solide Basis gestellt", sagt Klaus Schahn vom Weiterbildungsstudium Arbeitswissenschaft der Universität Hannover, der den Bericht über die Ausbauphase verfasst hat.

Ein im Auftrag des Innenministeriums eingerichteter Beratungsservice Gesundheitsmanagement entwickelte ein einheitliches Evaluationskonzept, übernahm die Geschäftsführung der Steuerungsgruppe, die unter anderem die Modellprojekte auswählte, beriet interessierte Dienststellen und baute ein Netzwerk zur Begleitung der insgesamt über 30 geförderten Dienststellen aus acht Ressorts auf. Darüber hinaus wurden Akteure in den Dienststellen geschult sowie Prozesstrainerinnen und -trainer ausgebildet, die als Beratungsteam Niedersachsen die Dienststellen auch bei der Umsetzung von Gesundheitsmanagement begleiten können. "Es handelt sich um den bundesweit größten und vielschichtigsten Projektansatz zum Gesundheitsmanagement im öffentlichen Dienst", berichtet Innenminister Uwe Schünemann.

Das Ineinandergreifen verschiedener Steuerungs- und Unterstützungsinstrumente zeigt Erfolge. In den bislang evaluierten Modelldienststellen konnten die Arbeitswissenschaftler sowohl die Reduktion krankheitsbedingter Fehlzeiten als auch die Freisetzung von Leistungspotenzialen und die Steigerung der Arbeitszufriedenheit nachweisen. "Damit hat sich gezeigt, dass Gesundheitsmanagement gerade für die Landesverwaltung, in der sich in vielen Bereichen in den letzten Jahren etliche Aufgaben und Organisationsstrukturen geändert haben und sich aufgrund gesellschaftlicher und technischer Entwicklungen weiter ändern werden, ein wichtiges Instrument ist, um die Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit der Beschäftigten zu erhöhen", so Schünemann.

"Für den Erfolg ist allerdings entscheidend, dass die Beschäftigten aktiv an der Gestaltung ihrer Arbeitsbedingungen mitwirken können", betont Arbeitswissenschaftler Schahn. Nur so entstehe eine klassische Win-win-Situation, von der Dienststellen wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gleichermaßen profitierten. Und auch der Kunde spürt die Auswirkungen, wenn sich die Produktivität und die Dienstleistungsqualität der Verwaltung erhöht. So konnte im Finanzamt Leer durch die Einführung von Teamarbeit und weiterer Maßnahmen die Bearbeitungszeit von Steuererklärungen von vier Monaten auf durchschnittlich 28 Tage gesenkt werden – und dies bei zufriedeneren Mitarbeitern.

Somit ist Gesundheitsmanagement weitaus mehr als individuelle Gesundheitsförderung. "Es ist immer auch ein Instrument der Organisationsentwicklung, weil von den Arbeitsbedingungen bis zu den Organisationsstrukturen alles auf dem Prüfstand stehen muss", sagt Klaus Schahn. Dienststellen, die das Instrument erfolgreich eingeführt haben, sind nach eigenen Angaben wesentlich besser in der Lage, die eigene Organisation zielgerichtet weiterzuentwickeln.

Heinke Liere
ReformZeit Nr. 1/ März 2006

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