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Einstieg in die Organisationsentwicklung

Modelldienststellen diskutieren Wege zur Umsetzung von Gesundheitsmanagement


Gesundheitsmanagement
Die Akteure in Sachen Gesundheitsmanagement

Am 2. März trafen sich Vertreterinnen und Vertreter der Modelldienststellen, des Beratungsteams Niedersachsen und Mitglieder der neuen Steuerungsgruppe in der Akademie des Sports in Hannover, um sich über ihre bisherigen Erfahrungen auszutauschen und sich über den weiteren Ausbau von Gesundheitsmanagement in der kommenden dritten Phase zu informieren.

Zu Beginn dieses Netzwerktreffens bilanzierte Klaus Schahn, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Weiterbildungsinstitut Arbeitswissenschaft der Uni Hannover und Mitglied der landesweiten Steuerungsgruppe, das bisher Erreichte und sprach dabei auch typische Probleme bei der Einführung eines systematischen Gesundheitsmanagements an. Die wichtigsten Ergebnisse vorweg: In den meisten Dienststellen hat es über das Gesundheitsmanagement einen Einstieg in die Organisations- und Personalentwicklung gegeben, Arbeitsabläufe sind optimiert, Kompetenzen geklärt und eine neue Besprechungskultur entwickelt worden. Besonders positiv sei zudem, berichtete Schahn, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Behörde, die vom Gesundheitsmanagement besonders profitiert haben, nun als Multiplikatoren arbeiten, ihre Erfahrungen anderen Dienststellen vorstellen und diese bei der Einführung beraten. Ein Modell des Erfahrungsaustausches und der Kooperation, das man künftig verstärkt nutzen möchte.

Als typische belastende Faktoren hätten sich in den mittlerweile über 40 Modelldienststellen das Führungs- und Vorgesetztenverhalten, unzureichende Information und Kommunikation, geringe Mitwirkungsmöglichkeiten sowie unangemessene Arbeitsmittel oder Arbeitsstätten herausgestellt. Eine Liste, die sich in keiner Weise von anderen Organisationen unterscheide, so Arbeitswissenschaftler Schahn. Auch eine fehlende Einarbeitung sei ein häufig genannter Belastungsfaktor, der, wie so viele andere organisatorische Dinge auch, ohne großen finanziellen Aufwand zu beheben sei.

Als Probleme bei der Umsetzung von Gesundheitsmanagement hätten sich die Tendenz zu rein verhaltensbezogenen Maßnahmen und Probleme beim Projektmanagement erwiesen. Auch die dauerhafte Implementierung steht in den meisten Fällen noch am Anfang.

Anke Breusing von der zentralen Projektsteuerung im Innenministerium stellte den etwa 110 Gästen die Zusammensetzung und Arbeit der neuen landesweiten Steuerungsgruppe vor und informierte über das veränderte Antrags- und Förderverfahren. Gefördert werden sollen künftig vor allem die Begleitung und Beratung der örtlichen Steuerungsgruppe, die Unterstützung der Bestandsaufnahme, die Moderation von Gesundheitszirkeln sowie Qualifizierungen in den Bereichen Projektmanagement und "Führung und Gesundheit". Die inhaltliche Prüfung der Anträge orientiere sich weiterhin am Leitfaden Gesundheitsmanagement, so Breusing.

Ein wichtiger Aspekt des Netzwerktreffens war der Erfahrungsaustausch. In sechs Workshops konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Problemen auseinander setzen, die in den Modelldienststellen immer wieder aufgetaucht waren. Die von Claudia Bindl und Nadine Pieck vom Beratungsservice Gesundheitsmanagement ausgewählten Workshop-Themen lauteten "Führungskräfte im Gesundheitsmanagement", "Gesundheitsmanagement für Frauen und Männer", "Vorbereitung und Planung von Projekten", "Ressourcen für Gesundheitsmanagement", "Analyse der Arbeitsbedingungen" sowie "Gesundheitsmanagement für kleinere Dienststellen". Die wichtigsten Aspekte, die bei den Workshops immer wieder als Ergebnisse genannt wurden: Gesundheitsmanagement braucht ständige und umfassende Information, Sensibilisierung und persönliche Ansprache. Vor allem die Rolle der Führungskräfte ist in diesem Prozess von grundlegender Bedeutung. Denn sie sind Initiatoren und Vorbilder, müssen den Gesamtprozess tragen und für die Umsetzung von Maßnahmen sorgen, die die örtliche Steuerungsgruppe beschlossen hat. Sie sind aber nicht nur für eine gesundheitsfördernde Führung zuständig, sondern auch selbst Zielgruppe von Gesundheitsmanagement. Ein höchst sensibles und mit Konflikten und Widerständen behaftetes Thema. "Wenn die Führungskräfte nicht mit im Boot sitzen, kann man es gleich lassen, weil die Widerstände dann einfach zu groß sind", resümierte ein Teilnehmer. Auch der Prozess der Einführung kann zu einem Stolperstein werden, wie die Dienststellenvertretungen berichteten. Daher bedarf Gesundheitsmanagement eines gut geplanten und durchgeführten Projektmanagements. Schon im Vorfeld muss klar sein, welche finanziellen und personellen Ressourcen zur Verfügung stehen, welchen Zeitaufwand zum Beispiel eine Mitarbeiterbefragung von der ersten Information, der Durchführung bis hin zur Auswertung benötigt, was es heißt, die Einführung zu steuern, wie überhaupt gesteuert werden soll usw.

Bei solchen Fragen, ebenso wie bei der Moderation/Begleitung der Gesundheitszirkel, ist es sinnvoll, auf die Unterstützung des landesinternen Beratungsteams zurückzugreifen. Auch dies ist eine Erfahrung, die viele Modelldienststellen teilen.

Als Voraussetzung, um von schnell und häufig nur kurzfristig wirkenden Verhaltensmaßnahmen wirklich zu einer Veränderung der Arbeitsbedingungen zu kommen, wurden Mitarbeiterbefragungen und die Ursachenanalyse in – unbedingt extern – moderierten Gesundheitszirkeln genannt.

Das Netzwerktreffen stieß durchweg auf positive Resonanz. "Man sieht, dass andere Dienststellen ähnliche Erfahrungen gemacht haben", bestätigte ein Teilnehmer. Und so wurde am Ende der Veranstaltung die Fortführung dieses überregionalen Erfahrungsaustausches gewünscht.

Zum Abschluss dankte Jürgen Reiche von der zentralen Steuerungsgruppe im MI allen Beteiligten dafür, das "Kind" Gesundheitsmanagement in der Landesverwaltung zum Laufen gebracht und die Voraussetzung für den weiteren Ausbau geschaffen zu haben.

Heinke Liere
ReformZeit Nr. 1/ März 2006

Gesundheitsmanagement
Die neue Steuerungsgruppe

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