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Perspektiven trotz Personalabbau

Landessozialamt Hannover beteiligt Beschäftigte am Veränderungsprozess


Sendatzki Montage

Im Zuge der Auflösung der Bezirksregierung ist auch die Landessozialverwaltung umstrukturiert worden. Aus ihr ist das Niedersächsische Landesamt für Soziales, Jugend und Familie, kurz Landessozialamt, entstanden. Die Außenstelle Hannover hat Personal von den früheren Bezirksregierungen übernommen und ist in das Behördenhaus am Waterlooplatz gezogen. Die Folge: Vor allem Beschäftigte der Querschnittsbereiche waren nun doppelt vertreten.

So verfügte man plötzlich über zwei Druckereien, die Mitarbeiter zweier Poststellen und zweier Botendienste, mehr Fahrer, Hausmeister, Beschäftigte in der Telefonzentrale usw. Die Folge: Von den insgesamt 74 Stellen in diesem Querschnittsbereich muss ein gutes Drittel eingespart werden, also 26 Stellen. Aber wie vorgehen?

Das fragte sich auch Holger Sendatzki, der seit Dezember letzten Jahres die Leitung der Außenstelle Hannover übernommen hat. Den Betroffenen ihre Meldung zur Job-Börse kommentarlos auf den Tisch legen, das kam nicht in Frage. "Frustration und Motivationsverlust sind dann einfach zu groß", weiß Sendatzki. Aber das Einsparziel steht fest, und da gibt es auch nichts schönzureden. Wie da noch die Gemeldeten motivieren? Wie versuchen, ihnen Perspektiven aufzuzeigen? Und wie die Arbeit mit den verbleibenden Mitarbeitern so organisieren, dass Dienststelle und Beschäftige zufrieden sind?

Die Idee: Im Rahmen so genannter "Zukunftswerkstätten" wird gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Querschnittsbereiche überlegt, welche Dienstleistungen man mit welcher Ausstattung und mit wie viel Personal für das Behördenhaus erbringen kann. Die erste Zukunftswerkstatt fand Ende Februar in der Druckerei statt.

Bis zum Juni gab es eine Druckerei im alten Gebäude der Landessozialverwaltung und eine im Behördenhaus am Waterlooplatz. Insgesamt arbeiteten dort vier Drucker und ein Buchbinder. "Auch hier war klar, dass Personal abgebaut werden muss", sagt Holger Sendatzki, der die Zukunftswerkstatt leitete. Unklar war jedoch, wohin sich die Druckerei entwickeln könnte.

Alle Beteiligten diskutierten ergebnisoffen, wie die Druckerei des Behördenhauses ausgestattet und organisiert sein muss und wie viel Personal benötigt wird, um wirtschaftlich zu arbeiten und den Anforderungen der Kunden gerecht zu werden. Anschließend stand fest: Zwei Drucker reichen aus, wenn die Technik verbessert wird.

Gefragt zu werden und eigene Ideen und Vorschläge einbringen zu können, kam bei den Beschäftigten gut an. "Das war das erste Mal, dass einer mit uns geredet hat", berichtet Peter Pritschow, der seit 14 Jahren als Drucker für die Landessozialverwaltung arbeitet und demnächst in den Ruhestand geht. Es sei ein ganz neuer Führungsstil, mit den Fachleuten darüber zu reden, wie die Arbeit erledigt werden kann, und nicht länger am grünen Tisch über deren Köpfe hinweg zu entscheiden. "Ich habe Vorschläge gemacht, die auch übernommen wurden", sagt Pritschow und resümiert: "Es war ein sehr gutes Gespräch, und alle waren danach zufrieden."

Auch wenn ein Kollege der Job-Börse gemeldet werden muss, während zwei weitere aus Altersgründen ausscheiden: "Den Wandel mitgestalten zu können und die Gewissheit, dass es eine Zukunft gibt, hat eine Menge Energie freigesetzt", betont Holger Sendatzki. Mit dem gemeldeten Kollegen wurde, wie mit allen gemeldeten Beschäftigten des Landessozialamtes Hannover, ein persönliches Gespräch geführt, in dem die Meldekriterien transparent gemacht wurden. Grundsätzlich wird für jeden Gemeldeten ein persönliches Qualifizierungskonzept erstellt, das die Teilnahme an Bewerbungstrainings, zertifizierten Schulungen zum Verwaltungsrecht oder IT-Qualifizierungen beinhalten kann.

Eine weitere Zukunftswerkstatt führte Verwaltungsleiter Gerhard Dettmer mit den Beschäftigten der Registratur, der Poststelle und der Botendienste durch – auch hier mit guten Ergebnissen. Da der Botendienst künftig ganz abgeschafft wird, beteiligten sich die zwölf betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Anfang Juni an einer weiteren Zukunftswerkstatt, um zu überlegen, wie die Postverteilung künftig organisiert werden kann, ob für sie eine Tätigkeit in der Poststelle in Frage käme oder welche anderen beruflichen Perspektiven sich ihnen im Behördenhaus oder anderswo bieten könnten. "Wir versuchen, den Prozess transparent zu machen und Ängste abzubauen, und wir unterstützen die Gemeldeten bei der Suche nach einer anderen Arbeit", sagt Dettmers. "Angesichts des Zielbeschäftigungsvolumens ist es wenig, was wir bieten können, aber das Wenige wird positiv aufgenommen."

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