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Durchgängige Betreuung ohne Reibungsverluste

Die ambulanten sozialen Dienste der Justiz wurden neu strukturiert


ReformZeit 3/2009
Das Kernprojektteam (v.l.).: Stefan Bock, Detlef Pensch, Beatrix Kleinert-Peklo, Claudia Niemann und Stefan Scherrer.

Drei Jahre lang haben mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rahmen des Projektes JustuS (Justiz und Sozialdienst) aktiv an der Reform der sozialen Dienste in Niedersachsen mitgearbeitet. Das Ergebnis: Zum 1. Januar 2009 wurde der Ambulante Justizsozialdienst (AJSD) eingerichtet. Angesiedelt beim Oberlandesgericht Oldenburg ist er nun zentral für alle Belange der ambulanten sozialen Dienste der Justiz zuständig.

Aufseiten der Justiz wird einiges für die Betreuung und Resozialisierung von Straffälligen und für den Opferschutz getan. Etwa 480 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an rund 80 Standorten in Niedersachsen leisten in den ambulanten sozialen Diensten der Strafrechtspflege, wie Bewährungshilfe, Führungsaufsicht, Gerichtshilfe und Opferhilfe, kriminalpolitisch wichtige Sozialarbeit. Doch steigen die Fallzahlen ebenso wie die Zahl schwieriger Klienten mit oft komplizierten Lebensbedingungen. "Da stehen alle sozialen Dienste vor der Herausforderung, auch in Zukunft hochwertige Sozialarbeit zu leisten”, sagt Stefan Scherrer, Leiter des im Juli beendeten Projektes JustuS (Justiz und Sozialdienst).

Im Sommer 2006 war JustuS aufgelegt worden, um unter breiter Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in verschiedenen Teilprojektgruppen eine neue Struktur der ambulanten sozialen Dienste der Strafrechtspflege zu entwickeln. An der Verwaltung und Steuerung der Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter und deren Aufgaben sind nun nicht mehr 29 Justizbehörden, sondern nur noch zwei beteiligt – das Justizministerium und das Oberlandesgericht in Oldenburg, das mit dem Ambulanten Justizsozialdienst (AJSD) zentral die fachliche Steuerung und Dienstaufsicht übernommen hat. "Die Konzentration der Verantwortung hat vor allem den Vorteil, dass Entscheidungs- und Lenkungswege verkürzt und das fachlich-strategische Management gestärkt wird”, erläutert Stefan Bock von der Kernprojektgruppe.

Gerichte und Staatsanwaltschaften wurden durch die Bündelung der bisherigen elf Bewährungshilfestellen und der elf Gerichtshilfestellen beim neuen AJSD von der Nebenaufgabe der Verwaltung der sozialen Dienste entlastet, Sozialarbeiter haben nun mehr Führungsverantwortung, durch die Integration der bisher getrennten Dienstzweige Bewährungshilfe, Führungsaufsicht, Gerichtshilfe und Opferhilfe ist jetzt eine durchgängige Betreuung ohne Reibungsverluste möglich, und auch das Übergangsmanagement zwischen Justizvollzug, freier Straffälligenhilfe und ambulanter Justizsozialarbeit wird durch die Bündelung der Organisationsstruktur verbessert. Fachliche Schwerpunkte, wie das Risikomanagement, also die Einschätzung der Rückfallgefahr und die daraus resultierende Betreuung, die Sexualstraftäterbetreuung und die Jugendbewährungshilfe können jetzt durch die zentrale Stelle einheitlich konzipiert und weiterentwickelt werden.

Ebenfalls im Rahmen von JustuS entstand ein neues landeseinheitliches Personalentwicklungskonzept. Ein einheitliches Auswahlverfahren und einheitliche Anforderungsprofile ermöglichen nun einen flexibleren Personaleinsatz und bieten auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mehr Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln. Im Anschlussprojekt QueSD (Qualitätsentwicklung bei den Sozialen Diensten) werden derzeit landesweit einheitliche und transparente Arbeitsmethoden und Arbeitsabläufe definiert. Bis zum 30. September 2011 soll die Landesregierung über das Ergebnis einer Evaluation informiert werden. Stefan Scherrer, der nach Abschluss des Projektes wieder als Richter am Amtsgericht Göttingen arbeitet, ist bereits heute vom Erfolg der Organisationsreform überzeugt: "Die Errichtung des integrierten Dienstes ist ein historischer Meilenstein in der Geschichte der ambulanten sozialen Dienste der Strafrechtspflege.”

Weitere Informationen sowie der Abschlussbericht können im Internet unter www.mj.niedersachsen.de/master/C26429623_N26425144_L20_D0_1693html heruntergeladen werden.

Heinke Liere
ReformZeit 3 / September 2009

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