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"Das audit berufundfamilie ist in der Fläche angekommen"

Niedersächsisches Sozialministerium strebt zweite Re-Auditierung für Familienfreundlichkeit an


ReformZeit 3/2009

Seit zehn Jahren vergibt die gemeinnützige GmbH der privaten Hertie-Stiftung das anerkannte und geschützte Markenzeichen an Betriebe und Institutionen. Das Niedersächsische Sozialministerium (MS) hatte sich 2003 als erstes Ministerium in Niedersachsen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auditieren lassen und 2006 die Re-Auditierung erlangt. Nun strebt das Sozialministerium an, erneut ein Siegel für die nächsten drei Jahre zu erhalten. Das wäre die zweite Re-Auditierung.

Mittlerweile ist das MS in guter Gesellschaft: Außer dem Niedersächsischen Innenministerium haben das Landwirtschaftsministerium und das Ministerium für Wissenschaft und Kultur, die Polizei, der Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie sowie einige Städte und Landkreise in Niedersachsen das Grundzertifikat erhalten.

"Im Strategieworkshop hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, Ideen und Vorschläge für die Re-Auditierung einzubringen. Ein neuer Fokus wird der demographische Wandel sein: die Beschäftigten werden älter. Deshalb ist zu klären, welche Notwendigkeit entsteht, die Rahmenbedingungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im MS anzupassen”, sagt Niedersachsens Sozialstaatssekretärin Dr. Christine Hawighorst. Im Auditierungsworkshop, der noch im September stattfinden wird, sollen dann die zukünftigen Ziele der nächsten drei Jahre beschrieben und vereinbart werden. In den zurückliegenden Jahren hatte man eine weitgehende Flexibilisierung der täglichen Arbeitszeit innerhalb eines vorgegebenen Zeitrahmens umgesetzt. Bereits jetzt zeichne sich aber eine Schwerpunktverlagerung ab, so Hawighorst: "Die Akzeptanz der Beschäftigten gegenüber der Flexi-Zeit ist so hoch, dass eine Weiterentwicklung zur sogenannten Vertrauensarbeitszeit gegenwärtig nicht angezeigt scheint.” Regina Varchmin-Pecho, Referentin für Personalentwicklung im Sozialministerium, ergänzt: "Wir stoßen mit Flexi aber im Alltag an Grenzen, was die Arbeitsorganisation anbelangt, zum Beispiel, wenn Besprechungen geplant und terminiert werden.” Deshalb müsse man das Handlungsfeld "Arbeitsorganisation” zukünftig viel stärker in den Blick nehmen.

Auf insgesamt sieben Handlungsfelder beziehen sich die Ziele, die im MS jeweils für drei Jahre festgeschrieben und mit dem audit berufundfamilie ausgezeichnet werden. Außer Arbeitszeit und Arbeitsorganisation gehören dazu Führungskompetenz, Personalentwicklung und Informations- und Kommunikationspolitik innerhalb der Organisation sowie der direkte Service für Familien. Im MS hat man sich in den vergangenen Jahren auch auf das Handlungsfeld "Arbeitsort” konzentriert und die Telearbeitsplätze stark erhöht, was dem Wunsch vieler Beschäftigter entgegenkam. Doch gehe es nicht darum, sich ständig neue Maßnahmen auszudenken und öffentlichkeitswirksam nach außen darzustellen, meint Stefan Becker, Geschäftsführer der audit berufundfamilie GmbH: "Uns ist es immer wichtig, den Denkprozess zum Thema Beruf und Familie in den jeweiligen Firmen oder Verwaltungen anzustoßen und am Laufen zu halten.” Dass sich 97 Prozent der erstauditierten Organisationen für die Re-Auditierung entscheiden, sieht er als Riesenerfolg.

In den vergangenen zehn Jahren konnte sich das unabhängige Audit zu einer Art Gütesiegel für Familienfreundlichkeit entwickeln. "Das Audit ist in der Fläche angekommen”, freut sich Stefan Becker. Eine von der GmbH in Auftrag gegebene Studie weist nun auch erstmals konkret die wirtschaftlich positiven Effekte der Auszeichnung nach: nicht nur der Krankenstand wird positiv beeinflusst; die Beschäftigten sind auch zufriedener und gehen kürzer in Elternzeit. Außerdem steigt die Wertschöpfung pro Beschäftigten. Dabei beschränkt sich der auditierte Prozess der Familienfreundlichkeit keineswegs auf das Problem der Kinderbetreuung. "Vor allem in den letzten Jahren rückt, auch im Zuge des demographischen Wandels, das Thema Pflege immer weiter in den Mittelpunkt”, sagt Stefan Becker.

-> www.beruf-und-familie.de

Birgit Freudenthal
ReformZeit 3 / September 2009

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