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„Sparen ist immer schwierig“

Drei neu eingestellte Projektmanager begleiten Projekte zur Verwaltungsmodernisierung


Neue Projektmanager
Die drei Projektmanager Dr. Oliver Fuchs, Dipl.-Ing. Süha Baykal und dr. Holger Meyer (v.li.) wurden Abfang des Jahres vom Land eingestellt. Ihr erster Auftrag: Fünf Projekte zur Fortführung der Verwaltungsmodernisierung zu begleiten.

Unterschiedlicher könnten die drei Projektmanager nicht sein, die das Land Anfang 2010 eingestellt hat. Der eine, smart und direkt, mit trockenem Humor, der andere, vermittelnder und integrativer, und schließlich der dritte, einnehmend offen und pragmatisch. Eines haben Dr. Holger Meyer, Dr. Oliver Fuchs und Dipl.-Ing. Süha Baykal jedoch gemeinsam: Hochkompetent, sachorientiert und äußerst effizient erfüllten sie ihren Auftrag, fünf Projekte der Verwaltungsmodernisierung Phase III zu einem Ergebnis zu führen.

Insgesamt 29 Projekte zur Fortführung der Verwaltungsmodernisierung hat die Landesregierung Ende Januar im Rahmen der Zukunftsklausur festgelegt. Sie sollen zur Haushaltskonsolidierung beitragen, aber auch zur weiteren Optimierung der Verwaltung. Neun dieser Projekte liefen unter der Federführung der Stabsstelle Verwaltungsmodernisierung, fünf davon wurden wiederum von den drei neuen Projektmanagern geleitet: die Reorganisation von Struktur und Aufgaben der Regierungsvertretungen, die Weiterentwicklung der NBank zur zentralen Förderbank des Landes Niedersachsen, die mögliche Umwandlung des Staatlichen Baumanagements (SBN) und des Landesliegenschaftsfonds (LFN) in einen Bau- und Liegenschaftsbetrieb, die Restrukturierung des Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und die Weiterentwicklung der Behörden für Geoinformation, Landentwicklung und Liegenschaften (GLL).

Die Projektmanager waren nicht nur verantwortlich für den Projektverlauf, sondern hatten darüber hinaus die Aufgabe, mit neuen Ideen und quasi externem Blickwinkel in die Projekte zu gehen, andere Denkrichtungen aufzuzeigen, Prozesse anzustoßen und zu strukturieren. Ende Februar begann die Projektarbeit, seit Mitte Juni liegen die Berichte mit den Handlungsempfehlungen vor – pünktlich zur Haushaltsklausur, damit auf politischer Ebene entschieden werden kann, wie es weitergehen soll.

Ein ehrgeiziges Unterfangen, eine Herausforderung, aber auch Ansporn für die drei Herren. Sie sind zwischen 34 und 48 Jahre alt und bringen ganz unterschiedliche Erfahrungen mit – Erfahrungen, die für das Land auch nach Abschluss der derzeitigen Projektphase wertvoll sein werden.

Ein enger Zeitrahmen und ein hoher Koordinierungsaufwand

Der Umwelt- und Politikwissenschaftler Holger Meyer hat mehrere Jahre am Zentrum für Demokratieforschung der Universität Lüneburg in Forschung und Lehre gearbeitet sowie als EU-Strukturfondsbeauftragter Fördergelder für die Uni eingeworben. Als Wissenschaftler hat er auch schon Projekte für das Land begleitet, zum Beispiel das Modellkommunengesetz oder die Aussetzung des Widerspruchverfahrens. Nun verantwortete der 34-Jährige unter anderem das Projekt zur Restrukturierung der Regierungsvertretungen. Das Besondere lag hierbei nicht nur im eng gesteckten Zeitrahmen, sondern primär im extrem hohen Koordinierungsaufwand. Fast alle Ressorts waren in den Prozess eingebunden, deren Stellungnahmen mussten abgefragt und in die Konzepte eingepflegt werden. Allein die Projektgruppe umfasste samt Personalvertretung gut 30 Personen.

Sparen ist immer mit schwierigen Maßnahmen verbunden

Natürlich ging es bei der ressortübergreifenden Projektarbeit nicht reibungslos zu. Oliver Fuchs spricht diplomatisch von einer „unterschiedlich ausgeprägten Reformbereitschaft” der verschiedenen Ressorts, wobei er eine gewisse Zurückhaltung auch nachvollziehen kann. „Sparen ist immer mit schwierigen personalwirtschaftlchen und organisatorischen Maßnahmen verbunden”, sagt Fuchs. Der 41-jährige Raum- und Landschaftsplaner hat viele Jahre an der Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis in den Regionen Niedersachsens gearbeitet. Als Mitarbeiter eines Consulting-Unternehmens leitete er unter anderem EU-geförderte Projekte der Regionalentwicklung und des Regionalmanagements, führte für das Institut für Entwicklungsplanung und Strukturforschung an der Universität Hannover verschiedene kommunale Projekte durch und arbeitete in der vom Niedersächsischen Landtag eingerichteten Enquete-Kommission zu den Folgen des demografischen Wandels.

Fest im Blick: das übergeordnete Ziel der Haushaltskonsolidierung

Besondere Herausforderungen für die Projektmanager bot etwa die Weiterentwicklung der Behörden für Geoinformation, Landentwicklung und Liegenschaften (GLL). Während die Verwaltungsmodernisierer im Innenministerium die Umwandlung der 14 bisher eigenständigen Behörden in eine einzige Behörde, einen Landesbetrieb, favorisierten, mochte sich das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mit dieser Betriebsform nicht so recht anfreunden. „Wenn es zwei im Ansatz gegenläufige Modelle gibt, können diese nur schwer zusammengeführt werden”, sagt Süha Baykal, der als Landschafts- und Umweltplaner in großen Ingenieur-Consultingunternehmen im interdisziplinären Projektmanagement gearbeitet und Erfahrung bei der Durchführung von über 40 umfangreichen Infrastrukturvorhaben in fast allen Bundesländern gesammelt hat. So zum Beispiel beim Ausbau der ca. 160 km langen Eisenbahnstrecke Lübeck-Stralsund, den der 48-Jährige von der ökologischen Vorstudie bis zur Bauvergabe über einen Zeitraum von über 12 Jahren hinweg leitete.

Im Fall der GLL stellen die Projektmanager der Landesregierung nun zwei verschiedene Lösungsmöglichkeiten vor. „Wir können der Landesregierung nur gangbare Wege aufzeigen. Die Entscheidung darüber, was letztlich umgesetzt werden soll, ist dann eine politische”, betonen sie. Allerdings zeigen sich alle drei zuversichtlich, dass am Ende ein tragfähiger Kompromiss stehen wird. „Es zeichnet eine Landesregierung ja aus, zunächst durchaus lebendig zu diskutieren, um dann gemeinsam eine Entscheidung zu treffen”, so Holger Meyer.

Die Reformprojekte waren vor allem dann erfolgreich, wenn in den Projektgruppen ein gemeinsamer Wille zur Veränderung bestand. Das übergeordnete Ziel der Haushaltskonsolidierung blieb dabei immer im Blick, wie Oliver Fuchs sagt. Falls erforderlich, recherchierten die Projektmanager deutschlandweit, um zu sehen, wie andere Länder bestimmte Aufgaben organisieren. Sie haben in den Projekten verschiedene Möglichkeiten diskutiert und gemeinsam getragene Lösungen gefunden, und dies in einem klar begrenzten Zeitrahmen. Am besten sei das dort gelungen, wo das zuständige Ressort den Veränderungsprozess als Chance verstanden habe. Doch auch wenn es in den Projekten nicht immer konfliktfrei zuging, letztendlich wurde sachlich argumentiert und kollegial zusammengearbeitet. „Jeder und jede Einzelne hat absolut professionell gearbeitet und einen sehr guten Job gemacht”, lobt Holger Meyer die Mitglieder der Projektgruppen. „So sind wir immer zu einem tragfähigen Ergebnis gekommen.”

Die interministerielle Projektarbeit habe aber noch weitere Vorteile, die auch bei künftigen Vorhaben des Landes nützlich sein könnten. „Weil viele verschiedene Perspektiven mit einfließen, zeichnen die Ergebnisse sich durch eine höhere Qualität aus”, sagt Süha Baykal. Außerdem werde das Ergebnis viel besser mitgetragen, weil die Argumente zuvor in der Projektarbeit ausgetauscht und abgewogen würden. Nicht zuletzt könnten dadurch auch Mitzeichnungsverfahren schneller ablaufen. „Langfristig”, sagen die Projektmanager, „werden durch interministerielle Projektgruppen stabilere Entscheidungen erzielt.”

Heinke Liere
ReformZeit 2 / Juni 2010

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