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Nachhaltigkeit im Einklang mit ökonomischem Handeln

Vor fünf Jahren wurden die Niedersächsischen Landesforsten gegründet


Dr. Klaus Merker
Die Nds. Landesforsten haben durch die Umwandlung in eine Anstalt öffentlichen Rechts mehr Freiheiten bekommen, Davon profitieren auch die Beschäftigten, sagt Präsident Dr. Klaus Merker.

Nachdem die Folgen des Orkans „Kyrill” gerade überstanden waren, war das letzte Jahr wohl so eine Art Feuertaufe: Mit einem Mal konnten die Niedersächsischen Landesforsten im Frühjahr 2009 so gut wie kein Holz mehr verkaufen. Bei den wichtigsten Kunden, den Spanplatten- und Papierherstellern, waren wegen der Wirtschaftskrise die Aufträge weggebrochen.

Der Preis für Holz gab um gut 30 Prozent nach, in den Sägewerken herrschte nahezu Stillstand. Vorübergehend musste die Holzernte komplett eingestellt werden. Auch die Erlöse aus den anderen Geschäftsbereichen, etwa aus dem Verkauf von Energieholz, der Jagdverpachtung oder der Tochter NLF Services GmbH, die unter anderem die Friedwälder anbietet, konnten den Verlust nicht wettmachen. „Nur mit einem Sofortprogramm und durch Anstrengung aller haben wir erreicht, dass die Landesforsten das Geschäftsjahr trotzdem noch mit einem leichten Überschuss von 2,5 Millionen Euro abschließen konnten”, sagt Präsident Dr. Klaus Merker. Unter anderem waren die Ausgaben für den Wegebau und die Anschaffung neuer Forstfahrzeuge zurückgefahren worden.

Dass die Bewirtschaftung des Waldes überhaupt einmal gewinnbringend sein könnte, davon war 2005 bei der Gründung der Niedersächsischen Landesforsten nicht einmal das Finanzministerium restlos überzeugt, hatte die vormalige Landesforstverwaltung doch 1961 letztmalig schwarze Zahlen geschrieben. „Damit war aber der eingeleitete Prozess auch ohne Alternative”, bestätigt Präsident Merker. Mit der Umwandlung in eine Anstalt des öffentlichen Rechts mit Sitz in Braunschweig wurden die Rahmenbedingungen geschaffen, um aus der Behörde ein modernes Unternehmen zu machen. Inzwischen führen die Landesforsten sogar Gewinne an das Land ab.

Dafür mussten die Verwaltungsstruktur gestrafft, die Zahl der Forstämter reduziert und 240 Stellen sozialverträglich abgebaut werden. Machten doch die Personalkosten der Behörde allein schon rund 60 Prozent des Gesamtaufwandes aus. Für eine sichere ökonomische Zukunft ein viel zu hoher Anteil. Ein Teil der betroffenen Beschäftigten ging in den (Vor-)Ruhestand oder in Altersteilzeit, andere wurden über die Job-Börse des Landes in andere Verwaltungsbereiche vermittelt. Heute zählt der Forstbetrieb rund 1300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie 95 Auszubildende.

Der wirtschaftliche Erfolg gehe jedoch keinesfalls zulasten der Nachhaltigkeit, sondern mache Gestaltungsfreiräume überhaupt erst möglich, betont Merker. „Der Wald wird nicht für kurzfristige Gewinne geopfert. Unser Bestreben ist ein Gleichklang aus Ökonomie, Ökologie und gesellschaftlichem Engagement.” Dem Gemeinwohl dienen die Landesforsten dabei nicht nur mit der Pflege des Erholungsraums Wald, sondern auch seit 2008 mit der Stiftung „Zukunft Wald”, die Projekte fördert, die einen nachhaltigen Umgang mit der Natur nachweisen, so zum Beispiel Artenschutz und Umweltbildung.

Das wirtschaftlichere Denken kommt aber auch den Beschäftigten zugute. „Sie können sich über den Abbau des Beförderungsstaus, verbesserte Arbeitsabläufe und eine bessere Ausstattung freuen”, sagt Unternehmenssprecher Stefan Fenner. Den Waldarbeitern stehen heute zum Beispiel Betriebsfahrzeuge zur Verfügung, während sie früher mit ihrem eigenen PKW in den Wald fahren mussten, und sie sind mit neuer Funktionskleidung ausgestattet. Neue Maschinen, neue Dienstfahrzeuge, neue EDV-Ausstattung der Reviere – das kostet natürlich zunächst einmal Geld, verbessert aber den Arbeitsfluss und die Arbeitsergebnisse und ist somit im Endeffekt wirtschaftlich. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind außerdem in einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess eingebunden, und die Zielvorstellungen des Unternehmens auch im Umgang miteinander wurden im vergangenen Jahr in einem gemeinsam entwickelten Leitbild festgehalten. „Die Landesforsten sind beweglicher geworden, weil der größere Freiheitsgrad eine größere Entscheidungsbefugnis mit sich bringt”, sagt Stefan Fenner.

Lob für das bislang Erreichte bekommen die Landesforsten auch aus der Wirtschaft: „Als privater Unternehmer freue ich mich, dass auch ein öffentliches Unternehmen in Niedersachsen sich erfolgreich entwickeln kann, wenn man es entsprechend aufstellt”, sagt etwa Werner M. Bahlsen, der als Vertreter der Wirtschaft im Verwaltungsrat sitzt, im neuen Geschäftsbericht.

Doch sind die Fixkosten des Unternehmens noch immer zu hoch, weitere Stellen müssen in den kommenden Jahren abgebaut werden. Der Verlust an Know-how soll unter anderem durch die Einführung eines Wissensmanagements und eines Fortbildungs-Controllings verhindert werden. Präsident Merker weiß, wie wichtig gut qualifizierte und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung sind und setzt daher auf nachhaltige Personalentwicklung. „Ohne die hervorragende Arbeit, die Ideen und das Engagement der Beschäftigten”, betont Klaus Merker, „hätten die Landesforsten ihr Ziel nicht erreicht.”

Heinke Liere

ReformZeit 3 / Oktober 2010


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