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Künftig mit Vertrauen und Jahresarbeitszeitkonto

Niedersächsische Schulinspektion schließt Dienstvereinbarung zur Vertrauensarbeitszeit ab


Gerade mal zweieinhalb beschriebene DIN-A-4-Seiten lang ist die neue Dienstvereinbarung, die zukünftig die Arbeitszeit der Niedersächsischen Schulinspektorinnen und -inspektoren regelt. Darin wird festgelegt, dass pro Bedienstetem ein Jahresarbeitszeitkonto geführt werden soll.

Horst Dethlefs, Bert Märkl, Werner Manz, Eberhard Heinzel
Personalrat Horst Dethlefs (li.) und NSchI-Präsident Bert Märkl haben die Dienstvereinbarung zur Vertrauensarbeitszeit mit entwickelt. NSchi-Mitarbeiter Werner Manz (u. li.) und Inspektor Eberhard Heinzel (u. re.) sind mit der neuen Regelung zufrieden.

Die vorgegebene Jahresarbeitszeit von 1760 Stunden verteilt sich auf 24 abzuleistende Inspektionen, zusätzliche Unterstützungstätigkeiten im Rahmen der jeweiligen Inspektion sowie die Teilnahme an Fortbildungen und Dienstbesprechungen. So genannte Mehr- oder Minderzeiten werden ins nächste Jahr "mitgenommen". Die vereinbarte Vertrauensarbeitszeit ist so in ihrer Form einmalig in der Niedersächsischen Landesverwaltung, tritt rückwirkend zum 1. Januar 2008 in Kraft und gilt vorerst bis Ende 2010.

Bisher fehlte eine entsprechende Rahmenvereinbarung für die 53 Beschäftigten mit Inspektorentätigkeit: "Die konkrete Arbeitszeit war das Ergebnis einer Einsatzplanung, die mit einem Planungshorizont von etwa einem Vierteljahr arbeitete und Belastbarkeiten vage einschätzte", sagt Horst Dethlefs. Zeitkonten wurden nicht geführt; immer wieder traten vereinzelt Über- oder Unterlastungen auf. Schulinspektor Dethlefs war als Vorsitzender des Personalrates maßgeblich an der Ausarbeitung der neuen Dienstvereinbarung beteiligt. Die Grenzen des bisherigen Systems wurden deutlich, als eine zu enge Taktung der Inspektionen zu Schwierigkeiten in der zeitlichen Abfolge führte: "Die Abfolge Vorbereitung, Durchführung, Berichterstellung konnte nicht mehr eingehalten werden", so Dethlefs.

Die Dienstvereinbarung sieht jetzt 24 Inspektionen pro Jahr vor – à 8,5 Arbeitstage. Unter anderem sei beim Einigungsprozess zu klären gewesen, inwieweit konkrete Zeitbelastungen abgerechnet oder mit Pauschalen gearbeitet werden könne. Letztlich hat sich das Prinzip der Pauschalierung durchgesetzt, wobei man natürlich auch auf Erfahrungswerte aus den bisherigen Inspektionen zurückgreifen konnte. In der Praxis wird unterschieden in Drei-Tages-Inspektionen an Schulen bis 20 Lehrkräfte und Vier-Tages-Inspektionen an größeren Schulen. Im ersten Fall gibt es einen Tag mehr Telearbeit, im zweiten ist der Inspektionsverlauf weniger komprimiert. Vor- und Nachteil halten sich somit langfristig die Waage, und man berechnet für das Jahresarbeitszeitkonto immer besagte 8,5 Arbeitstage.

Durch den beständigen Wechsel der Rollen im Inspektorenteam als erster oder zweiter Inspektor wird ebenfalls ein zeitlicher Ausgleich geschaffen. Da das Jahr planerisch "voll" ist, kann es Mehr- oder Minderzeiten eigentlich gar nicht geben. Zudem sind die Abläufe einer Inspektion exakt geklärt, was an den Inspektionstagen in der Schule zu klaren, auch zeitlich gut einzuschätzenden Aufgaben führt. Der Belastungsspielraum des Einzelnen durch sein individuelles Arbeitstempo oder Eigenansprüche bei der vorausgehenden Dokumentenanalyse ist eher klein. "Aus Sicht des Personalrates besteht jedenfalls keine Gefahr der Selbstausbeutung", meint Horst Dethlefs.

Lediglich die Belastungen durch die An- und Abfahrten zu den Schulen werden individuell auf das Jahr bezogen dokumentiert und sollen sich möglichst ausgleichen. Über Einzelfälle wird es Gespräche zwischen Dienststelle und Personalrat geben. Denn die Zahl der Schulen ist je nach Typ nicht nur sehr verschieden. Auch die Inspektoren sind nicht gleich verteilt. "Zum Beispiel haben wir nur vier Inspektoren aus dem Förderschulbereich, die dann entsprechend weite Anfahrten zu den Schulen haben", sagt Bert Märkl, Präsident der Niedersächsischen Schulinspektion im Bad Iburger Schloss. Nunmehr müsse man Erfahrungen mit der neuen Regelung sammeln. Allgemein sei aber die Zufriedenheit mit der gefundenen Vereinbarung hoch, berichten übereinstimmend Behördenleitung und Personalrat. "Der große Vorteil ist die Transparenz der Regelung. Jeder weiß um die weitgehende Gleichbehandlung", sagt Bert Märkl. Auch Teilzeitarbeit sei nun theoretisch möglich, indem man die Anzahl der abzuleistenden Inspektionen auf zwölf halbiere. Für Personalrat Dethlefs stellt die Vertrauensarbeitszeit in der vereinbarten Form einen großen Fortschritt dar: "Wir bekommen damit eine relativ geregelte 40-Stunden-Woche."

Birgit Freudenthal

ReformZeit 4 / Dezember 2008

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