ReformZeit Niedersachen klar Logo

Mehr als nur „Mädchen für alles“

Insgesamt 60 stellvertretende Schulleiter nahmen an einer Pilotfortbildung teil, um besser auf ihre Führungsrolle vorbereitet zu sein


Stellvertreterqualifizierung
Haben an der ersten Qualifizierungsreihe für stellvertretende Schulleiter teilgenommen: Barbara Reichert, Barbara Barth und Karsten Mühlmeier (v.li.).

Nachdem man im Land einige Jahre Erfahrungen mit dem Prinzip der eigenverantwortlichen Schule gesammelt hatte, war deutlich geworden, dass neben den Schulleitungen auch die Stellvertreter und Stellvertreterinnen auf ihre neue Rolle vorbereitet werden müssen.

Bei deren Qualifizierung geht Niedersachsen deshalb ab sofort neue Wege: Im März endete ein wissenschaftlich begleitetes Pilotprojekt zur Fortbildung von ständigen Vertretern der Schulleitung. 60 Stellvertreter konnten eine 18-monatige modulare Fortbildung erfolgreich abschließen. Der Start für den nächsten Qualifizierungsdurchgang ist für den Herbst 2010 geplant.

„Eine ständige Vertreterin ist nicht einfach nur eine Kollegin mit einigen zusätzlichen Aufgaben”, sagt Burkhard Rahe, der das Projekt im Niedersächsischen Kultusministerium koordiniert. Innerhalb einer Schule mit mehr Eigenverantwortlichkeit müsse man von der Vertretung als einer Funktionsstelle mit eigenen Führungsaufgaben sprechen. Doch während die Rolle der Schulleiterinnen und -leiter durch das Niedersächsische Schulgesetz klar definiert wird, existieren solche Vorgaben für die Vertretungen nicht. Und seien auch zukünftig nicht geplant, ganz im Sinne der eigenverantwortlichen Schule, wie Rahe betont. Ziel der Fortbildung sei es daher auch, die Stellvertreterinnen und Stellvertreter bei ihrer Rollenklärung zu unterstützen, sie in (Führungs-)Kommunikation zu schulen und sie unter anderem mit Projektmanagementmethoden vertraut zu machen.

Dabei ist Niedersachsen das erste Bundesland, das eine eigens entwickelte Fortbildung für die Funktionsstelle der Stellvertretung in Schulen anbietet. Hierbei arbeiteten das Niedersächsische Landesamt für Lehrerbildung und Schulentwicklung NiLS, das Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft und die Universität Hildesheim – Organization Studies – zusammen. Auch die Teilnehmenden der Pilotfortbildung konnten sich einbringen: Das siebte Modul zu rechtlichen Fragen des Schulalltags wurde auf ihre Anregung hin aufgenommen.

„Mein Eindruck in den ersten Jahren der Funktionsausübung war, dass man schnell zum ,Mädchen für vieles‘ verkommt”, konstatiert Karsten Mühlmeier. Der stellvertretende Leiter der Grundschule Alfhausen bei Osnabrück erhoffte sich daher von der Fortbildung Antworten auf die Fragen zur eigenen Rolle und organisatorische Hilfen für die Bewältigung konkreter Probleme. „Eingehende Informationen sinnvoll filtern, Besprechungen zielführend, verlässlich und effektiv leiten, den Stundenplan gestalten, Schwerpunkte in Schulen finden und setzen, Ressourcen sinnvoll verwalten” nennt der 35-Jährige als Beispiele. Dabei sei die Wahrnehmung von Leitungsaufgaben in so kleinen Systemen wie sie Grundschulen meist sind, eine „in Mängeln begründete Herausforderung”, schon allein weil die unterstützenden Beschäftigten wie Sekretärin und Hausmeister nur mit einem geringen Stundenkontingent an den kleinen Schulen vertreten sind. Die Qualifizierung habe es ihm ermöglicht, viele Antworten zu finden und andere Perspektiven einzunehmen. „Wichtig fand ich auch, dass wir uns über einen längeren Zeitraum in einer festen Gruppe und nach Schulgrößen getrennt auf die gut vorbereiteten Inhalte einlassen konnten”, sagt Karsten Mühlmeier. Eine engere Verzahnung mit der bereits bestehenden Schulleiterqualifizierung hält er für wünschenswert: Impulse und Inhalte könnten so nachhaltiger in den Schulalltag einfließen.

Diese Ansicht teilt Barbara Reichert. Seit sieben Jahren ist die Lehrerin für Deutsch und Geschichte stellvertretende Schulleiterin am Gymnasium, der Wilhelm Raabe-Schule in Lüneburg. „Die tatsächlichen Gespanne sollten geschult werden und dann in ihrem praktischen Handeln im Schulalltag eine Supervision oder Begleitung erfahren”, meint die 55-Jährige. Von der Pilotfortbildung, in der die Teilnehmenden gleichzeitig „Versuchskaninchen” und Evaluierende waren, habe sie sehr profitiert: „Ich habe die Rolle der Stellvertreterin klarer reflektiert und bin selbstbewusster geworden. Vieles von dem Erarbeiteten konnte ich in der Praxis umgehend anwenden.” Eine gut durchdachte Langzeit-Fortbildung mit optimaler Betreuung, besonders hilfreich für diejenigen, die neu in eine Vertreterstelle kommen, so ihr Fazit.

„Training on the job”, nennt Barbara Barth rückblickend ihre Arbeitsweise in der Stellvertreterposition, die sie vor acht Jahren übernahm. Die Haupt- und Realschullehrerin stieg aus dem Kollegium der Ganztagsschule Lilienthal bei Bremen direkt in die Funktionsstelle auf. Ein Schritt, den sie lange überlegt hatte, denn: „Lehrerin ist mein Traumberuf. Verwaltungsarbeit musste ich erst lernen, ebenso wie mein Rollenverständnis.” Die Pilotfortbildung beurteilt sie durchweg positiv, „praxisnah und hilfreich durch die angemessenen Inhalte”. Kollegialer Austausch und Netzwerkbildung seien weitere Vorteile der passgenauen Fortbildung. Von der werden bald auch alle anderen ständigen Stellvertreter in den Schulen Niedersachsens profitieren können – die nächste Fortbildungsrunde startet im Herbst dieses Jahres.

Birgit Freudenthal
ReformZeit 2 / Juni 2010

„Wenn niemand zuhört, wird das Reden sinnlos“.

Als Experte für Führung und Kommunikation hat Prof. Dr. Rudolf Steiger etliche Bücher veröffentlicht. Der Titularprofessor an der ETH Zürich leitet Seminare in ganz Europa und arbeitet als Berater. Mit ReformZeit sprach er über sein Kernthema, die menschenorientierte Führung.

„Herkömmliches hierarchisches Verhalten wird scheitern“

Weg von Fachlichkeit und Kontrolle – hin zum Veränderungsmanager: Das Setzen von Führungsschwerpunkten, das Eingehen auf Unsicherheiten auf Seiten der Mitarbeitenden, Sinnstiftung und der Aufbau von Netzwerken gehören zu den Anforderungen, denen sich Führungskräfte in der Polizei gegenübersehen.

Was ist gute Führung?

Am 20. April 2010 folgte Innenminister Uwe Schünemann der Einladung zu einem „Kaminabend” im Rahmen der Nachwuchskräfte-Qualifizierung im Studieninstitut des Landes Niedersachsen (SiN). Rund eineinhalb Stunden lang nahm sich der Minister Zeit, um die 16 Teilnehmenden kennenzulernen.

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln