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„Niemand fängt bei Null an“

Tagung informiert über Gesundheitsmanagement im öffentlichen Dienst


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Der öffentliche Dienst wird durch Verwaltungsreformprozesse, die Zunahme chronischer Erkrankungen und durch den demografischen Wandel vor immer neue Herausforderungen gestellt. Doch wie gelingt es angesichts der Veränderungsprozesse, gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen zu schaffen? Auf diese Frage versuchte eine von der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e.V. (LVG & AFS) initiierte Tagung „Gesund und arbeitsfähig in Niedersachsen“ am 15. April in Hannover Antworten zu geben.

Das Interesse an den Fachbeiträgen und Praxisberichten war groß. Über 160 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes waren nach Hannover in die Akademie des Sports gekommen, um an der von der Landesvereinigung für Gesundheit in Kooperation mit dem „Runden Tisch für betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz in der Region Hannover”, dem Gemeinde-Unfallversicherungsverband Hannover sowie dem Projekt „Arbeit fairbessern – Gesundheitsmanagement in der niedersächsischen Landesverwaltung” durchgeführten Fachtagung teilzunehmen.

Schon in der Eröffnungsrede von Dr. Uwe Licht-Klagge vom „Runden Tisch Hannover” wurde klar, wo die Herausforderungen für gesunde Arbeit heute und in Zukunft liegen: bei der Bewältigung der Folgen des demografischen Wandels – die Zahl der Personen im Erwerbsalter sinkt, wodurch das Durchschnittsalter der Beschäftigten steigt – und bei der Umkehr des Trends der Zunahme psychischer Erkrankungen. Dr. Licht-Klagge, Abteilungsleiter im Staatlichen Gewerbeaufsichtsamt Hannover, zeichnete die Entwicklung des Arbeitsschutzes auf. Während es früher in erster Linie darum ging, Arbeitsunfälle zu vermeiden, seien inzwischen körperliche wie psychische Gesundheitsrisiken in den Fokus gerückt.

Das Grußwort hielt Anke Breusing, im Ministerium für Inneres und Sport für die ressortübergreifende Personalentwicklung zuständig. Mit guter und gesunder Arbeit verbinde sie in erster Linie eine sinnhafte Tätigkeit, einen guten Führungsstil, eine Organisationskultur gegenseitiger Wertschätzung, persönliche Entwicklungsmöglichkeiten und die Vereinbarkeit von Beruf und persönlichen Lebensumständen. „Gute und gesunde Arbeit steht und fällt mit den konkreten Arbeitsbedingungen, die ich an meinem Arbeitsplatz vorfinde, und mit den Möglichkeiten, die ich habe, diese Bedingungen mitzugestalten!”, betonte sie und verwies auf das Gesundheitsmanagement des Landes Niedersachsen. Dessen Konzept zur „Fairbesserung” der Arbeit setze im Wesentlichen an zwei Punkten an: den Verhältnissen und dem Verhalten. Ziel sei einerseits, die Arbeitsbedingungen „fair und gerecht” durch die aktive Mitwirkung der Beschäftigten zu verbessern, und andererseits das individuelle Gesundheitsverhalten und die Fähigkeit zur Bewältigung von Anforderungen zu fördern. In diesem Zusammenhang nahm sie Bezug auf die Aussagen von Innenminister Uwe Schünemann, dass mit den entsprechenden Personalentwicklungsmaßnahmen, insbesondere mit dem Gesundheitsmanagement, die auf uns zukommenden Herausforderungen erfolgreich bewältigt werden können.

Wie Organisationen Arbeit gesund gestalten können, erläuterte Mareike Claus von der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen in ihrem Impulsreferat. Neben dem demografischen Wandel nannte die Referentin für Gesundheitsmanagement als weitere Herausforderung für den öffentlichen Dienst die kontinuierlichen Reformprozesse sowie abnehmende finanzielle und personelle Ressourcen, aber auch die Anpassung an neue fachliche Inhalte und neue Formen der Arbeitsorganisation. Über elf Prozent aller Arbeitsunfähigkeitsdiagnosen im öffentlichen Dienst seien 2009 auf psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen zurückzuführen. Eine Herausforderung für die Verwaltung. „Gesund ist”, so Claus, „wer die Balance zwischen seinen Ressourcen und den Belastungen halten kann.” Nicht alles könne der Arbeitgeber beeinflussen, etwa Probleme im familiären Bereich, doch im Bereich der Arbeitsorganisation, der Aufgaben, der Arbeitsumgebung und des Arbeitsplatzes, aber auch bei der innerbetrieblichen Kommunikation und dem Führungsverhalten könne der Arbeitgeber viel erreichen, um die Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten zu erhalten.

„Gesundheitsmanagement ist die bewusste Steuerung und Integration aller betrieblichen Prozesse mit dem Ziel der Erhaltung und Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens der Beschäftigten und damit ihrer optimalen Arbeitsfähigkeit”, zitierte Mareike Claus die Definition der Landeshauptstadt München. Sie hat bereits etliche Dienststellen des Landes bei der Einführung von Gesundheitsmanagement unterstützt. „Niemand fängt bei Null an”, lautet eine wichtige Erkenntnis aus der Praxis. In den meisten Dienststellen gebe es bereits Maßnahmen, die nur zusammengeführt und ergänzt werden müssten.

Welche Unterstützungsmöglichkeiten es für interessierte Dienststellen und Behörden bei der Einführung von Gesundheitsmanagement gibt, umrissen Experten von Krankenkassen, Gewerbeaufsicht und dem landeseigenen Beratungsteam Niedersachsen, bevor sie ihre praktischen Erfahrungen zum Gesundheitsmanagement in speziellen Foren diskutierten: Wie entstehen aus Projekten nachhaltige Strukturen in Organisationen? Wie kann ich die Beschäftigten aktiv bei Veränderungen beteiligen? Welche Instrumente zur Analyse und Evaluation sind wann sinnvoll? Wie gelingt die Rückkopplung von Gesundheitsmanagement in den Arbeits- und Gesundheitsschutz? Und: Wie kann ich psychosoziale Belastungen ermitteln?

Immer wieder tauchte dabei die Frage nach der Rolle der Führungskräfte auf. Ohne deren Unterstützung könne es keine grundlegenden Veränderungen geben, so die Erfahrung vieler Teilnehmender. Referentin Wiebke Arps von der Techniker Krankenkasse brachte die Verantwortung der Führungskräfte folgendermaßen auf den Punkt: „Die Treppe muss von oben geputzt werden – die Führung muss hinter dem Gesundheitsmanagement stehen!” Ihr Fazit: „Engagement und Wertschätzung sind für den Erfolg das Wichtigste!” Dann könne man auch „ohne das ganz große Budget” viel erreichen.

Zu der Tagung hatten sich so viele Interessierte angemeldet, dass einigen abgesagt werden musste. Die Veranstalter haben daher am 28. September 2010 einen Zusatztermin angesetzt. Nähere Informationen erteilt der Beratungsservice Gesundheitsmanagement: Mareike Claus, Tel.: 05 11/3 88 11 89 37, E-Mail: mareike.claus@gesundheit-nds.de

Heinke Liere
ReformZeit 2 / Juni 2010

Beratungsservice Gesundheitsmanagement – Arbeit „fair”bessern

Bereits seit 2003 können sich Dienststellen vom Beratungsservice Gesundheitsmanagement beim Aufbau eines ganzheitlichen Gesundheitsmanagements beraten und unterstützen lassen, und zwar kostenlos! Finanziert wird der Beratungsservice vom Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport.

„Der zunehmenden Belastung Entlastungsmomente entgegensetzen“

Die Einführung von Gesundheitsmanagement im Land wird weiterhin gefördert. Für das Justizministerium hat der Beratungsservice zum 1. Februar 2010 seine Arbeit aufgenommen, um den weiteren Ausbau dieses bedeutsamen Personal- und Organisationsentwicklungsinstruments zu unterstützen.

Einladung zur Projektwerkstatt Gesundheitsmanagement

Gesundheitsmanagement erfolgreich umsetzen – aber wie? Dieser Frage geht eine vom Innenministerium geförderte„Projektwerkstatt zur Entwicklung eigener Vorgehensweisen in Dienststellen der niedersächsischen Landesverwaltung” am 2. und 3. September am Studieninstitut des Landes in Bad Münder nach.

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