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„Der zunehmenden Belastung Entlastungsmomente entgegensetzen“

Projekt fördert die Einführung von Gesundheitsmanagement in der niedersächsischen Justiz


Projekt Gesundheitszirkel
Zur Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen nahmen Wachtmeister des Landessozialgerichtes Niedersachsen-Bremen an einem extern moderierten Gesundheitszirkel teil.

Trotz aller Einsparungen – die Einführung von Gesundheitsmanagement im Land wird weiterhin gefördert. Zurzeit gibt es vier große Projekte: Gesundheitsmanagement in der Landesverwaltung, bei der Finanzverwaltung, der Polizei sowie im Bereich der Justiz. Für das Justizministerium hat der Beratungsservice zum 1. Februar 2010 seine Arbeit aufgenommen, um den weiteren Ausbau dieses bedeutsamen Personal- und Organisationsentwicklungsinstruments zu unterstützen.

Zwar gab es an einigen Gerichten schon Modellprojekte, doch um das Gesundheitsmanagement richtig voranzubringen und auszuweiten, startete im Februar 2010 ein auf zwei Jahre angelegtes Projekt „Gesundheitsmanagement in der niedersächsischen Justiz” für alle Gerichte und Staatsanwaltschaften. Finanziert wird es gemeinsam von den Oberlandesgerichten Braunschweig und Celle, den Generalstaatsanwaltschaften, den Mittelbehörden der Fachgerichtsbarkeiten und dem Niedersächsischen Finanzgericht; für die einzelnen Gerichte und Staatsanwaltschaften ist die Beratungsleistung kostenlos.

„Ein Grund, sich stärker dem Gesundheitsmanagement zuzuwenden, war neben hohen Krankenständen auch die Erkenntnis, dass präventive Maßnahmen erforderlich sind, um der zunehmenden Belastung der Beschäftigten Entlastungsmomente entgegenzusetzen”, sagt Hans-Heinrich Götte, Projektbetreuer im Justizministerium. Zusätzliche Bedeutung erhalte das Gesundheitsmanagement dadurch, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgrund des demografischen Wandels immer älter werden. Ziel des Projektes ist es, die Beschäftigten für die Umsetzung von Gesundheitsmanagement zu sensibilisieren, zu qualifizieren und vorzubereiten. Die externe Unterstützung hat die Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e.V. übernommen.

Der Stundenumfang einer halben Stelle steht für diesen Beratungsservice zur Verfügung. Zu dessen Aufgaben gehört es, Informationsveranstaltungen und Workshops durchzuführen, Projekte im Bereich gesundheitsförderlicher Personal- und Organisationsentwicklung anzustoßen und den Aufbau von nachhaltigen Strukturen und Arbeitsweisen zu forcieren. Eine Steuerungsgruppe, in der Justizministerium, Hauptpersonalrat sowie die Gerichte und Staatsanwaltschaften vertreten sind, plant und entscheidet über das zeitliche und inhaltliche Vorgehen und über Handlungsfelder, Prioritäten und den Einsatz des Beratungsservices.

Aktivitäten im Bereich Gesundheitsmanagement hat es auch schon zuvor im Bereich Justiz gegeben, so am Oberlandesgericht Oldenburg. In dessen Geschäftsbereich wurde vor einigen Jahren eine halbe Stelle für die Betreuung und Ausweitung von Gesundheitsmanagement und Gesundheitsförderung geschaffen. Der auf Dauer angelegte und ganzheitliche Ansatz integriert sowohl den Arbeits- und Gesundheitsschutz als auch das Angebot von Einzel- und Teamberatungen, Supervision und Coaching. „Diese Struktur gewährleistet eine hohe Akzeptanz bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, weil nach dem Unmittelbarkeitsprinzip sofort beraten und gehandelt werden kann”, sagt Hans-Heinrich Götte. Die räumliche Nähe zur „Basis” spiele dabei wohl ebenso eine große Rolle wie auch die Mehrfachqualifikation der Stelleninhaberin. Die Nachfrage, so Götte, steige konstant.

Die Handlungsfelder der Gerichte und Staatsanwaltschaften für Gesundheitsmanagement ähneln sich. Das zeigen auch die Projekte, die im Lauf der letzten Jahre bei dem Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen und drei Sozialgerichten durchgeführt wurden. Ziele waren unter anderem eine Verbesserung der Zusammenarbeit und Kommunikation im Bereich der Wachtmeisterei und der Serviceeinheiten, die Veränderungen in den Zuständigkeiten der Aufgabenerledigung zwischen gehobenem und mittlerem Dienst, Stressabbau und die Entwicklung von Stresskompetenzen sowie die Schaffung „gesunder Arbeitsbedingungen”, zum Beispiel durch ergonomische Maßnahmen oder die Vermeidung von Drucker-Emmissionen. Um die Kompetenz der Führungskräfte zu verbessern, haben die Behörden- und Geschäftsleitungen an Fortbildungsveranstaltungen zu Themen wie „gesundheitsförderliches Führen” und „Konfliktmanagement” teilgenommen. „Zudem haben wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Moderatoren ausbilden lassen, um die Qualitäts- bzw. Gesundheitszirkel bei den Sozialgerichten und dem Landessozialgericht ‚extern’ moderieren zu lassen”, sagt Wolfgang Maurer, Geschäftsleiter des Landessozialgerichts. Weitere Maßnahmen waren beispielsweise ein Selbstbehauptungstraining für die Protokollführerinnen, um mit schwierigen Situationen in Sitzungen umgehen zu können, und die Einrichtung eines Eltern-Kind-Zimmers zur Schaffung familienfreundlicher Arbeitsbedingungen.

Im Jahr 2008 wurde eine zweite Mitarbeiterbefragung durchgeführt, deren Ergebnisse derzeit in den Qualitätszirkeln bei nunmehr sämtlichen Sozialgerichten bearbeitet werden. „Wir sind inzwischen aus der Projektphase heraus”, sagt Maurer, „und haben Gesundheitsmanagement bereits als Linienaufgabe implementiert.”

Auch bei anderen Gerichten und Staatsanwaltschaften ist man dank des jetzt angelaufenen Projektes des Justizministeriums auf einem guten Weg: „Seit Februar hat der Beratungsservice bereits eine Reihe von Beratungsgesprächen mit Behördenleitungen, sonstigen Führungskräften und Personalvertretungen geführt”, sagt Projektbetreuer Hans-Heinrich Götte. „Es zeigt sich, dass der Beratungsservice angenommen wird und beginnt, sich in der niedersächsischen Justiz zu etablieren.” Um das Gesundheitsmanagement über die Projektarbeit hinaus nachhaltig abzusichern, sollen Multiplikatoren ausgebildet und Kennzahlen zur Messbarkeit des Erfolges oder Misserfolges von Projekten entwickelt werden.

Das Justizministerium sieht das Thema mittlerweile grundsätzlich als Teil der Führungskompetenz an. So werden in der zweiten Jahreshälfte 2010 erstmals im Rahmen der Führungskräftequalifizierung Schulungen zum Gesundheitsmanagement angeboten.

Heinke Liere
ReformZeit 2 / Juni 2010

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