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Eine Niedersächsin in Athen

Prozessbegleiterin für deutsche Auslandsschulen in Südosteuropa kommt aus Hannover


Hiltrud Koch
Die Prozessbegleiterin Hiltrud Koch betreut seit dem Schuljahr 2008/09 insgesamt 16 Schulen in zehn Ländern der Großregion Südosteuropa

Es gibt sie in Pretoria und Madrid, Rio de Janeiro und Shanghai – und seit einigen Jahren auch in Kabul und Boston. Deutsche Schulen im Ausland erleben derzeit eine Renaissance. Nicht nur für deutsche Familien, die berufsbedingt im Ausland leben, ist das deutsche Auslandsschulnetz von großer Bedeutung. Inzwischen kommen die meisten Schülerinnen und Schüler aus den Gastländern. Die Zentralstelle für das Deutsche Auslandsschulwesen (ZfA) des Bundesverwaltungsamtes ist für das Schulmanagement zuständig und unterstützt auch das Pädagogische Qualitätsmanagement. Zehn Prozessbegleiterinnen und Prozessbegleiter sind seit dem Schuljahr 2008/09 weltweit im Einsatz. Eine davon kommt aus Hannover.

Hiltrud Koch legt großen Wert darauf, dass sie weder der Schulaufsicht angehört, noch mit der Schulinspektion zu tun hat, die unter dem Namen Bund-Länder-Inspektion (BLI) seit Herbst 2008 die Arbeit aller Auslandsschulen unter die Lupe nimmt. Für die Einrichtung der BLI hat Niedersachsen, das in Sachen Schulinspektion bundesweit als führend gilt, Pate gestanden. "Wir Prozessbegleiter kommen bereits vor und auch nach einer Inspektion zum Zuge", sagt Hiltrud Koch. "Die jeweiligen Schulen fordern uns an, und zwar auf freiwilliger Basis. Damit erteilen sie uns den Auftrag zur Prozessbegleitung." Somit können die Begleiter ganz im Interesse der Schule arbeiten.

Hiltrud Koch hat viele Jahre lang in der Schulleitung der Ricarda-Huch-Schule als Koordinatorin gearbeitet und kennt die Probleme des Schulalltags sehr genau. Als niedersächsische Schulinspektorin war sie bis Mitte 2008 in der Region Hannover unterwegs. "Schon das Gymnasium Ricarda-Huch-Schule hat sich als Reformschule verstanden. Daher war es für mich ein konsequenter Weg, meine Erfahrungen zu nutzen und einen Neuanfang als Prozessbegleiterin zu wagen und etwas völlig anderes anzufangen", beschreibt Koch ihren Werdegang. Als Beraterin betreut sie seit Beginn des Schuljahres 2008/09 insgesamt 16 Schulen in 10 Ländern der Großregion Südosteuropa. Ihr Dienststandort ist Athen, wo bereits 1896 eine Deutsche Schule gegründet wurde, die bis heute besteht. Deutsche Auslandsschulen sind zum allergrößten Teil Privatschulen, die bis zu 70 Prozent ihrer Haushalte durch Schulgelder und Spenden erbringen. Unter anderem durch ihre Insellage bedingt, zeichnen sie sich seit jeher durch ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Profilbildung aus. Sie sind geprägt durch umfeldbezogenes Arbeiten und gewohnt, selbst Mittel zu erwirtschaften. Insofern kommt der innerdeutsche Trend zur eigenverantwortlichen Schule dem Selbstverständnis der Auslandsschulen entgegen. "Die Schulen sind zum größten Teil Begegnungsschulen und stehen nicht selten in Konkurrenz zu amerikanischen, französischen oder englischen Einrichtungen", weiß Hiltrud Koch. Der Aufbau eines umfassenden Pädagogischen Qualitätsmanagements soll letztlich zu einem Gütesiegel führen, einer Art "Markenzeichen Deutsche Auslandsschule".

Die Aufgaben der sieben Prozessbegleiter und drei Prozessbegleiterinnen sind vielfältig: "Wir unterstützen zum Beispiel schulische Teams bei der Gestaltung von Veränderungsprozessen, helfen mit, eine Feedbackkultur aufzubauen und bringen unser Fachwissen zum Pädagogischen Qualitätsmanagement in den Schulentwicklungsprozess ein", sagt Hiltrud Koch. "Auf Wunsch können wir auch Fortbildung anbieten." Beispiel: Erkennt eine Schule, dass das eigenständige Lernen der Schülerinnen und Schüler weiter entwickelt werden muss, so würde zunächst mit der Steuergruppe Umfang und Zeitrahmen eines Projektes geklärt werden. Die nächste Frage könnte sein, ob eher das Lernverhalten der einzelnen Schüler oder eher der Unterricht des einzelnen Lehrers im Fokus stehen soll. Geht es um den Unterricht, könnte man überlegen, ob Methoden-Workshops ein geeignetes Mittel zur Fortbildung sein könnten. Bei der Klärung dieser und noch vieler weiterer Fragen kann sich die Schule Hilfe vom Prozessbegleiter holen. "Das Wichtigste beim Pädagogischen Qualitätsmanagement ist der Unterricht. So sollte von den Schulen darauf hingearbeitet werden, z.B. ein Methodenkonzept zu entwickeln und im Schulprogramm zu verankern", sagt Hiltrud Koch. Die Schulleitungen und Kollegien seien motiviert und sehr an einer vertrauensvollen Zusammenarbeit interessiert. "Vorbehalte gegen unsere Arbeit hat es praktisch kaum gegeben." Prozessbegleitung hilft den Schulen außerdem dabei, die Fülle von Daten auszuwerten, die entweder durch Selbstevaluation oder die Bund-Länder-Inspektion an die Schulen zurückfließen. "Wir fragen, was ist der Schule überhaupt wichtig? Welche Ziele können daraus abgeleitet werden? Erst dann ergeben sich Prioritäten, die für eine genaue Projektplanung die Richtschnur vorgeben", beschreibt Prozessbegleiterin Koch ihre Arbeit. Schon jetzt haben die deutschen Schulen im Ausland einen ausgezeichneten Ruf – auch die Prozessbegleiter werden dazu beitragen, dass dies so bleibt.

Birgit Freudenthal

ReformZeit 1 / März 2009

Schulentwicklungsberatung komplettiert Angebot der Landesschulbehörde

Auch in Niedersachen haben jetzt Prozessbegleiterinnen und Prozessbegleiter ihre Arbeit in den Schulen aufgenommen. Hier heißen sie Schulentwicklungsberater und haben ähnliche Aufgaben wie die Prozessbegleiter in den deutschen Auslandsschulen.

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