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Die vertikale Ausbildung kommt

Aus- und Fortbildung des Landes wird neu geordnet


Eine praxisbezogene, moderne Ausbildung, die sich qualitativ auch weiter verbessert – dies möchte man erreichen durch die Neustrukturierung der Aus- und Fortbildung des Landesdienstes in den Bereichen Allgemeine Verwaltung, Rechtspflege, Polizei und Steuerverwaltung.

Das Projekt der Phase zwei der Verwaltungsmodernisierung soll nach Umsetzung etwa sieben Millionen Euro pro Jahr einsparen. Damit wird die Vorgabe, 20 Prozent der Gesamtaufwendungen für diesen Bereich zu reduzieren, noch übertroffen. Das neue Konzept sieht vorwiegend Einrichtungen vor, die mit Berufsakademien vergleichbar sind. Aus der eigenständigen Trägerschaft für die Ausbildung im Bereich des allgemeinen gehobenen Verwaltungsdienstes zieht sich das Land ganz zurück.

So soll erprobt werden, ob der Bachelor (BA) Studiengang "Öffentliches Management" an der Fachhochschule Osnabrück um Studieninhalte wie allgemeines und besonderes Verwaltungsrecht erweitert werden kann. Die dortigen Studierenden könnten dann gleichzeitig mit dem BA auch die Laufbahnbefähigung für den gehobenen allgemeinen Verwaltungsdienst erwerben. Bewährt sich die Regelung, müsste das Land zukünftig keine Inspektorenanwärter und -anwärterinnen für den eigenen Nachwuchs mehr einstellen. Die Ausbildung in Osnabrück hat darüber hinaus den Vorteil, dass sie für die Absolventinnen und Absolventen eine größere Durchlässigkeit bietet; dank moderner Lehrinhalte können sie in die Verwaltung oder in die Wirtschaft gehen, späterer Wechsel nicht ausgeschlossen. Die größten Veränderungen im neuen Konzept des Landes sieht Dirk-Ulrich Mende vom Innenministerium in den neuen Bildungseinrichtungen, der Akademien und der geplanten vertikalen Ausrichtung der Ausbildung: "Vertikal ausbilden heißt, nicht mehr auf Laufbahngruppen bezogen, sondern sachbezogen und damit auch laufbahnübergreifend", sagt Mende. Steuerexperten des mittleren und gehobenen Dienstes werden deshalb ab dem 1. August 2006 an der neuen Steuerakademie Bad Eilsen ausgebildet, die die jetzige Fakultät Steuerverwaltung der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege und die Landesfinanzschule Niedersachsen organisatorisch zusammenfasst. Auch die Fortbildung der Steuerfachleute soll wegen der zu erwartenden Synergieeffekte unter dem Dach der Akademie stattfinden.

Das jetzige Bildungsinstitut der Polizei (BIP NI) in Hann. Münden und die Fakultät Polizei der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege in Hildesheim werden zur neuen Polizeiakademie mit Hauptsitz in Nienburg. "Aus der Steuerverwaltung und dem Polizeidienst kam das Bedürfnis, die Ausbildung praxisnäher als bisher zu gestalten", sagt Dirk-Ulrich Mende. "Akademien sind von ihrer Ausrichtung her stark der Praxis verpflichtet und bilden abnehmerbezogen aus; auch bei den Dozenten kann stärker auf eigene Praxiserfahrungen geachtet werden." Dadurch könne ihr Einsatz in der gesamten Breite der Aus- und Fortbildung realisiert werden.

Für Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger schreibt ein Bundesgesetz das Studium an einer Fachhochschule vor. Deshalb soll der jetzige Bereich "Rechtspflege" der FH Hildesheim in eine zu gründende "Norddeutsche Fachhochschule für Rechtspflege" mit Sitz in Hildesheim übergehen. Die bisherige Kooperation mit den Ländern Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein soll fortgesetzt werden, denkbar wäre auch eine Zusammenarbeit mit Mecklenburg-Vorpommern.

Die 1979 gegründete Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege in Hildesheim wird im Zuge der Neustrukturierung zum 31. Juli 2007 aufgelöst. Die Professorinnen und Professoren können an die Nachfolgeeinrichtungen gehen, denkbar wäre für einige auch ein Wechsel an die Fachhochschule Osnabrück. Die rund 40 Beschäftigten der Verwaltung der Fachhochschule Hildesheim haben die Möglichkeit, den jeweiligen Fakultäten zu folgen oder sich von der Job-Börse vermitteln zu lassen. Die Kommunen erhalten durch die Umstrukturierung erneut – wie bereits bis 2003 – die Möglichkeit, ihren Nachwuchs selbst auszubilden und zwar an einer eigenen "Kommunalen Fachhochschule", die aber erst noch gegründet werden muss.

Birgit Freudenthal
ReformZeit Nr. 1/ März 2006

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