ReformZeit Niedersachen klar Logo

"Nicht Abwicklung, sondern Fortentwicklung"

Informatikzentrum Niedersachsen (izn) übernimmt IT-Betreuung der Staatskanzlei


Ein wichtiges Ziel der vom Kabinett im April vergangenen Jahres beschlossenen strategischen Neuausrichtung des Einsatzes der IT in der niedersächsischen Landesverwaltung ist, die allgemeinen und Querschnitts-IT-Aufgaben der Landesverwaltung im Informatikzentrum Niedersachsen zu konzentrieren.

Die Entwicklung und der Betrieb von Fachanwendungen bleiben weiterhin in der Verantwortung der Ressorts. Mit dieser Standardisierung von Hard- und Software sowie der damit verbundenen zentralisierten Beschaffung und Betreuung sollen Synergien geschaffen und nicht zuletzt Kosten gesenkt werden.

Das erste Ressort, das seinen IT-Betrieb in die Verantwortung des izn legt, ist die Staatskanzlei. Eine entsprechende Vereinbarung wurde im Dezember 2005 geschlossen. Damit hat das Projekt Leuchtturmcharakter im Rahmen der anstehenden Modernisierung der IT. "Weil die Staatskanzlei über relativ wenig Fachanwendungen verfügt, ist das Haus besonders geeignet, um ein standardisiertes Modell für die Übernahme des IT-Betriebs weiterer Dienststellen zu entwickeln", erläutert Jürgen Gabriel, Projektleiter im izn.

Alle Standardanwendungen, die Ausstattung aller Arbeitsplätze mit PCs oder Druckern sowie die Server- und Netzdienste gehen schrittweise auf das izn über. Ab dem 1. April wird dort die Betriebsverantwortung liegen. Ebenso wird das Systemhaus künftig für die Weiterentwicklung der eingesetzten Informationstechnologie und für Fragen der Anwenderinnen und Anwender verantwortlich sein. "Unser Geschäft ist die Betreuung", sagt Gabriel. Die Vereinbarung zwischen izn und Staatskanzlei regelt genau, welche Serviceleistungen und -qualitäten der IT-Dienstleister zu erbringen hat. So soll zum Beispiel ein Service Desk bei technischen Problemen oder Fragen zu Standardsoftware zur Verfügung stehen. Ein Austausch defekter Hardware soll innerhalb von vier Stunden erfolgen und ein Umzug bzw. Benutzerwechsel innerhalb von zwei Arbeitstagen bewältigt werden. Alle fünf Jahre wird die Hardware aktualisiert. Das izn sichert der Staatskanzlei außerdem eine Serververfügbarkeit von 99,5 Prozent während der Bürozeiten zu. Monatliche Meetings und Berichte dienen der Überprüfung der zugesicherten Serviceleistungen.

Natürlich ist dieser Service nicht kostenlos zu haben. "Wir haben aber sehr darauf geachtet, dass das izn den IT-Betrieb zu marktfähigen und vor allem bezahlbaren Preisen übernimmt, und das unter Beibehaltung oder sogar Verbesserung der Qualität", betont der Projektverantwortliche in der Staatskanzlei, Dr. Walter Swoboda. Im Vorfeld sei zudem die Wirtschaftlichkeit nachgewiesen worden. Auch für die übrigen Ressorts werde zurzeit eine Gesamtwirtschaftlichkeitsbetrachtung erstellt. "Der IT-Betrieb durch das izn soll und darf nicht mehr kosten", betont Dr. Swoboda.

Mit der Verlagerung der Aufgaben wechseln auch zwei IuK-Experten der Staatskanzlei zum izn. "Es war natürlich wichtig, die betroffenen Mitarbeiter frühzeitig zu informieren und einzubinden", sagt Dr. Swoboda. Schließlich sei ein solches Projekt nur mit und nicht gegen die Beschäftigten erfolgreich zu realisieren.

Bei einigen Ressorts stößt die Verlagerung des IT-Betriebs noch auf Skepsis. Das weiß auch Innenminister Uwe Schünemann, der auf einer Hausmesse des izn am 16. Februar dieses Jahres für eine partnerschaftliche und kooperative Zusammenarbeit zwischen izn und dessen Auftraggebern warb: "Die Abgabe von Querschnittsaufgaben bedeutet eben nicht Abwicklung, sondern Fortentwicklung."

Als zweites Ressort wird das Innenministerium zum 1. Mai dieses Jahres seinen IT-Betrieb in die Hände des izn legen.

Heinke Liere
ReformZeit Nr. 1/ März 2006

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln