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Tag des eLearning – Der Inhalt bestimmt die Form

Lernen via Computer wird immer selbstverständlicher und vielfältiger


eLearning
Prof. Hatto Beyerle von der European Chamber Music Academy (ECAM) führte eindrucksvoll vor, wie der Unterricht von Streichquartetten über das Internet möglich wird.

ee Am 13. März fand auf der CeBIT der vierte Tag des eLearning statt. Der Schwerpunkt der diesjährigen Veranstaltung lag darin, zu erfahren, welche innovativen Lehr- und Lernmethoden Hochschulen schon heute anwenden, und auszuloten, inwiefern Unternehmen und Verwaltung davon profitieren können.

Zu der Tagung eingeladen hatte das Kompetenzzentrum eLearning Niedersachsen der nordmedia im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Inneres und Sport. In seiner Eröffnungsrede hob Innenminister Uwe Schünemann die Vorzüge des eLearning hervor: "Arbeiten in einer globalisierten Welt fordert in immer kürzeren Intervallen einen selbstständigen, individuellen Wissenserwerb, der die eigene Kompetenzentwicklung und -erhaltung im Blick haben muss", sagte der Minister. eLearning biete dafür großartige Chancen, da es eine zügige und intensive Vermittlung von Wissensinhalten ermögliche.

Die Vorträge der Gastredner machten schnell deutlich, wie viele verschiedene, am jeweiligen Bedarf ausgerichtete Formen des computergestützten Lernens es in der Praxis bereits gibt. Die Zeiten, in denen Nutzer eine CD in die Hand gedrückt bekamen und anschließend weitgehend allein gelassen wurden, scheinen endgültig vorbei zu sein. Nicht die Technik, sondern der Inhalt steht im Mittelpunkt und bestimmt die Art und Weise der Vermittlung. So reichten die vorgestellten Modelle vom reinen eLearning – allein und am eigenen PC – über so genanntes Blended-Learning in Verbindung mit Präsenzphasen, über interaktive Feedbacksysteme, die im Hörsaal eingesetzt werden, bis hin zu einem standortverteilten Zusammenspiel im wahrsten Sinne des Wortes: In einer beeindruckenden Präsentation konnten die rund 350 Gäste des Tag des eLearning miterleben, wie Studierende der European Chamber Music Academy (ECAM), ein Zusammenschluss von sechs Hochschulen in ganz Europa, per Internet-Übertragung von Prof. Hatto Beyerle in der vollendeten Wiedergabe eines Schubert-Streichquartetts unterrichtet wurden. "Ich bin 100-prozentig vom eLearning überzeugt, weil ich die Distanz vergesse und richtig arbeiten kann", beschrieb der Professor an der Hochschule für Musik und Theater Hannover seine Erfahrungen mit dem "Telecoaching".

Distanzen überbrücken

Auch die Projekte der ELAN-Hochschulen Niedersachsen (eLearning Academic Network) wurden per "Online-Konferenz" vorgestellt. Deren Beispiele machten deutlich, dass eLearning schon heute Routine in der wissenschaftlichen Lehre ist, dass es zielorientiert genutzt wird, also nur dort eingesetzt wird, wo man es braucht und wo es Sinn macht, und dass per eLearning räumlich verteilte Wissensbestände miteinander verknüpft werden können.

Wobei sich die Hochschulen immer stärker für eine kommerzielle Ausrichtung der Weiterbildung öffnen und zum Beispiel Management- oder andere berufsbegleitende Seminare als eLearning-Module anbieten. Somit wird das Thema lebenslanges Lernen auch für die Hochschulen ein immer bedeutungsvollerer Aspekt.

Distanzen per Technik zu überwinden, war bei der Tagung aber nicht nur räumlich gemeint. Auch der Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft/Gesellschaft scheint heute besser zu funktionieren. Rolf Meyer, Sprecher der Unternehmensleitung von Sennheiser, erläuterte, wie das Unternehmen eLearning einsetze, um das Wissen der mit dem Akustik-Unternehmen kooperierenden Hochschulen in Deutschland und den USA allen Beschäftigten weltweit zu vermitteln. Zwar seien die Kosten dafür noch recht hoch, aber Meyer zeigte sich davon überzeugt, dass es sich um eine lohnende Investition in die Zukunft handele, denn der Markterfolg seines Unternehmens basiere in erster Linie auf Wissen.

Abschließend diskutierten Vertreter aus Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft zum Thema: "Besser lernen – mehr wissen – mehr können: Unternehmen und Wissenschaft im Austausch – was Hochschulen bieten und Unternehmen erwarten". Wobei schnell deutlich wurde, dass eigentlich alle Beteiligten an derselben Sache interessiert sind: an einer effizienten Wissensvermittlung.

Heinke Liere
ReformZeit Nr. 1/ März 2006

eLearning in der Landesverwaltung

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