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Als Spiegel vor Ort

Inspektoren bewerten die Qualität von Schulen


Schulinspektion
Die beiden ehemaligen Lehrer und jetzigen Inspektoren Karl-Heinz Szymanski (oben links) und Andreas Lindemeier im Gespräch mit Christa Maria Vohrmann, der Schulleiterin an der Christian-Morgenstern-Hauptschule in Gieboldehausen

Was passiert bei einer Schulinspektion? ReformZeit wollte das wissen und begleitete zwei Inspektoren bei ihrer Arbeit in einer Hauptschule im südniedersächsischen Eichsfeld.

Der Schulhof ist gepflastert. An der Beton-Begrenzungsmauer zum ansteigenden Feld dahinter ist eine Reihe wetterfester Sitzgelegenheiten angebracht. Schweift der Blick nach rechts, kommen mehrere Bänke ins Sichtfeld, aus Baumstämmen getischlert. Die kann man nicht so leicht wegtragen. Am Schulgebäude, das 1980 gebaut wurde, sind noch die Reste eines Graffitos zu sehen, auch die halbhohe Begrenzungsmauer zum Feld hin hat eines abbekommen. "Die Betonmauer wollen wir demnächst mit den Kindern und Jugendlichen bemalen", sagt Schulleiterin Christa Maria Vohrmann mit Blick auf die Graffiti. "Aber so, wie wir uns das vorstellen."

Kunst scheint in der Christian-Morgenstern-Hauptschule im ländlich gelegenen Gieboldehausen eine große Rolle zu spielen. In allen Hallen und Gängen hängen die Werke der Schülerinnen und Schüler, kein Bild ist ungerahmt. "Das kennzeichnet sie als etwas Besonderes", sagt Christa Vohrmann. Zerstörung und Vandalismus komme so gut wie nicht vor. Der Schulrundgang gehört zum ersten Tag einer Schulinspektion, wie sie seit einigen Monaten in Niedersachsen durchgeführt wird. Außer der Schulleiterin und einem Fachlehrer sind an diesem Nachmittag noch der Hausmeister und eine Vertreterin des Schulträgers, des Landkreises Göttingen, mit dem Inspektorenteam unterwegs.

Sechzehn Schulen haben Karl-Heinz Szymanski und Andreas Lindemeier bereits inspiziert. "Wir sind keine Beamten der Schulaufsicht", sagt Andreas Lindemeier, der wie sein Kollege viele Jahre als Lehrer und Schulleiter in einer Hauptschule gearbeitet hat. Dies trage unter anderem dazu bei, dass die anfängliche Skepsis an den Schulen in Akzeptanz und schließlich Interesse münde. "In der Rückmeldung und im Bericht werden sehr detailliert Zusammenhänge über die aktuellen schulischen Prozesse aufgezeigt, wie sie bisher noch nie dargestellt wurden." Auf dem Schulrundgang interessiert die beiden, wie es in der Schule und auf dem Schulhof aussieht: Gepflegt? Welches Angebot bietet der Schulkiosk? Gibt es Besonderheiten des Schulgeländes wie zum Beispiel die Schulwiese der Christian-Morgenstern-Schule, die von den 185 Schülerinnen und Schülern für Ballspiele während der Pausen genutzt wird? Natürlich geht es auch in die Klassenräume: "Was ist die Grundausstattung, die in jedem Klassenzimmer vorhanden sein sollte?", möchte Andreas Lindemeier wissen. Christa Vohrmann zählt auf: "Ein Overheadprojektor, außerdem Lexika und ein Klassensatz Wörterbücher." Bei den Unterrichtseinsichtnahmen, die laut Ablaufplan der Inspektion ab dem nächsten Tag stattfinden, geht es unter anderem auch darum, ob und wie die Ausstattung der Räume von den 18 Lehrkräften der Schule tatsächlich im Unterricht eingesetzt wird.

"Wir beurteilen nicht die Stunde oder den einzelnen Lehrer", sagt Karl-Heinz Szymanski. In 20 Minuten könne man sich aber einen Eindruck verschaffen über die Art und Weise, wie die Lehrkraft unterrichtet oder mit Unvorhergesehenem umgeht. Und auch das pädagogische Konzept der Schule scheine in den Stunden durch. Auf dem umfangreichen Beobachtungsbogen wird dieser Eindruck mittels 20 Teilkriterien und über 100 Beispielindikatoren so genau wie möglich erfasst. Das Inspektorenteam ist sich darüber im Klaren, dass bei aller Bemühung trotzdem der einzelne Eindruck immer subjektiv ist. "Deswegen sind die ergänzenden Interviews mit den Lehrkräften sehr wichtig", sagt Karl-Heinz Szymanski. "Außerdem sind wir ja zu zweit, mein Eindruck kann von meinem Kollegen in Frage gestellt werden." Von Seiten der Lehrerinnen und Lehrer sei das Interesse an einer Spiegelung von außen groß. "Wir dürfen aber nur anonymisiert Rückmeldung geben. Die Daten aus den Beobachtungsbögen werden nach der Auswertung vernichtet", sagt Andreas Lindemeier. Eine erste Rückmeldung erhält die Schule bereits bei Abschluss der Inspektion, ein ausführlicher Bericht folgt später. Alle Daten werden dazu am eigenen Telearbeitsplatz von den einzelnen Inspektoren ausgewertet und schließlich in der Dienststelle der Schulinspektion Niedersachsen in Bad Iburg für den Jahresabschlussbericht gesammelt. So soll sich allmählich ein Bild der gesamten Schullandschaft ergeben.

In der Christian-Morgenstern-Schule macht man sich zunächst mal ein Bild von den Fachräumen. Im Computerraum wird an diesem frühen Nachmittag noch gearbeitet, die gut ausgestatteten Physik-, Chemie- und Werkräume sind dagegen aufgeräumt und leer. Genauso wie die Lehrküche. "Hauswirtschaft wird zunehmend beliebter bei unseren Schülern", sagt die Schulleiterin. "Hier wird während des Unterrichts eine Mahlzeit zubereitet." Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für Schule verändern sich, das spüren die Lehrerinnen und Lehrer auch im ländlichen Eichsfeld. Nach dem Schulrundgang ist das Schulleiterinterview vorgesehen, danach sprechen die Inspektoren mit den Eltern. Und welcher Eindruck bleibt bei Christa Vohrmann nach der Inspektion zurück? "Alles lief in einer freundlichen, offenen Atmosphäre ab", sagt die Schulleiterin. "Und unser Gefühl, dass wir gute Arbeit machen, hat sich bestätigt."

Weitere Infos unter: www.christianmorgenstern.de

Ablauf einer Schulinspektion

Eine Schulinspektion besteht aus mehreren Schritten, damit das Gesamtbild, das sich die Inspektoren von der Schule machen, möglichst differenziert und umfassend ist.

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