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Die nächsten Schritte in Richtung E-Government

Vier Projekte auf der CeBIT – Kabinett beschließt E-Government-Strategie für die nächsten Jahre


Cebit 2004
auf der Cebit 2004(von links) : Wolfgang Farnbacher und Uwe Mäurer, izn, Innenminister Uwe Schünemann

Bis 2009 sollen wichtige E-Government-Verfahren mit hohen Einsparpotenzialen oder besonderer strategischer Bedeutung realisiert sein. Bis 2005 soll dazu ein Masterplan aufgestellt werden, der die Grundlage für die schrittweise Einführung von internetfähigen Behördendienstleistungen bilden soll. Dies beschloss die Landesregierung während der CeBIT in Hannover. Auf der weltgrößten Computermesse präsentierten sich wieder vier ausgewählte E-Government-Projekte des Landes den Besuchern.

Bereits zum dritten Mal in Folge war das Landesamt für Denkmalpflege mit ADABweb (Allgemeine Denkmaldatenbank) auf der CeBIT vertreten. Dank der Internet-Technologie verschmelzen auf dem Browser des Nutzers die über izn-Server bereitgestellten Daten der Denkmalpflege mit den digitalen Karten aus den Mapservern der LGN (Landesvermessung + Geobasisdateninformation Niedersachsen). Nutzer der so aufbereiteten Fachdaten aus Archäologie sowie Bau- und Kunstdenkmalpflege sind alle planerisch arbeitenden Behörden und Institutionen in Niedersachsen. Dank des schnellen und tagesaktuellen Zugriffs ohne Spezialsoftware wird Zeit und Geld gespart. "Zusammen mit der niedersächsischen Landesvermessung haben wir hier bundesweit die Nase vorn", sagt Landesarchäologe Dr. Henning Haßmann. Dem überzeugenden Konzept wurde auf der CeBIT seitens des Fachpublikums großes Interesse entgegengebracht.

Dass sich mit den Daten der Denkmalpflege noch mehr anfangen lässt, zeigt das mobile Denkmalinformationssystem mobiDENK, das Touristen interessante historische Hintergrundinformationen direkt auf einen kleinen GPS-gestützten Taschencomputer liefern kann. Ein Prototyp wurde auf der CeBIT vorgestellt. "Die Datenbanktechnologie ist eine Schlüsselsäule zur Neuorganisation der niedersächsischen Denkmalpflege", ist sich Landesarchäologe Haßmann sicher.

Eine Vorreiterrolle nimmt Niedersachsens Verwaltung auch bei der geplanten Einführung der Multifunktionskarte ein. Gegenwärtig werden im izn sechs Funktionalitäten auf der "SignaturCard Niedersachsen" erprobt: so die Authentisierung am PC, am Server und am Netz sowie Zutrittssicherung, Arbeitszeiterfassung, die Kantinen- und Kioskfunktion und der optische Dienstausweis. Drei bisher separate Ausweise könnten in der Multifunktionskarte zusammengeführt werden – ein Pilotprojekt soll noch in diesem Jahr starten. Entsprechend groß war das Interesse auf der CeBIT. "Technisch können wir bereits viele Probleme lösen", sagt Erwin Schönbrodt vom Informatikzentrum. Um die Karte letztlich einführen zu können, müssen jedoch z.B. Verwaltungsvorschriften über das Aussehen von Dienstausweisen geändert werden.

Rechtliche Hürden muss auch das Mammutprojekt "Moin – Meldewesen online" noch nehmen. Unter Federführung des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes arbeiten weitere kommunale Spitzenverbände und die kommunalen Datenzentralen zusammen. Ziel: die Meldeämter zu vernetzen und schließlich alle dafür geeigneten Geschäftsvorfälle elektronisch abzuwickeln. Die erwarteten Synergieeffekte kommen besonders zum Tragen, wenn hier länderübergreifend vernetzt wird – bisher arbeiten die Länder noch an den dafür nötigen neuen Meldegesetzen. Die Vereinfachung kommt direkt den Bürgerinnen und Bürgern zugute, aber auch die Dienststellen werden stark profitieren. Das sieht auch die Landesregierung so und hat "Moin!" als kommunales Leitprojekt für die Multimediainitiative des Landes Niedersachsen ausgewählt. Vom Besucherandrang auf der CeBIT war man bei "Moin!" fast ein wenig überrascht: "Wir werden immer bekannter", freut sich Projektleiter Thorsten Bullerdiek. Hierzu dürfte auch der erste Preis des E-Government-Wettbewerbs in der Kategorie "Wirtschafts- und Bürgerdienste" unter Schirmherrschaft von Bundesinnenminister Otto Schily beitragen.

Das vierte Projekt, mit dem sich das Land auf der Computermesse präsentierte, stellt eine Basiskomponente für die sichere landesweite Infrastruktur des E-Government dar. Durch die Langzeitarchivierung elektronisch erzeugter und signierter Dokumente können relevante Vorgänge über 30 Jahre und mehr in jeder Hinsicht zuverlässig aufbewahrt werden. Hierbei werden so genannte Systemarchitekturen mit neuen technischen Komponenten und organisatorischen Konzepten zur Gewährleistung der Sicherheit von digitalen Signaturen entwickelt. Die konzeptionellen Arbeiten am Projekt sind weitestgehend abgeschlossen; zusammen mit der Archivverwaltung beginnt jetzt die Umsetzung der entwickelten Konzepte. Dazu wird nun im Hochsicherheitszentrum des izn eine physische Infrastruktur für den Langzeitspeicher und das zukünftige elektronische Staatsarchiv auf der technischen Basis des bundesweiten "ArchiSig-Projektes" aufgebaut.
Birgit Freudenthal

ReformZeit Nr.2/ April 2004

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